Auf der Insel des ewigen Frühlings

Blumenparadies Madeira

Donnerstag, 29. Januar 2015

Die fast 600 Meter Steilküste am Cabo Girão ist die höchste Klippenwand der Welt

Residenz der britischen Familie Blandy

Blick auf die Hauptstadt Funchal
Fotos: der Verfasser

Madeira – die Blumen-Insel des „ewigen Frühlings“ im Atlantik, wegen des Holzreichtums auch Holzinsel („Ilha do lolegname“) genannt, von Touristen ebenso begehrt wie von Heilung suchenden Patienten mit Erkrankungen der Atemwege – war angeblich bereits den Phöniziern bekannt. Doch erst das Jahr 1419 gilt als Datum der Inbesitznahme durch den Portugiesen João Gonçalves Zarco. Die tatsächliche Besiedlung der Inselgruppe Madeira, Porto Santo und Ilhas Desertas erfolgte dann ab 1425 auf Betreiben Heinrichs des Seefahrers, der für Bearbeitung der Zuckerrohrplantagen Sklaven von der Küste Guineas aus Nordafrika und von den Kanaren auf die Insel brachte und vorerst die Waldbrandrodung veranlasste.

Die Insel – kaum 57 Kilometer lang und 22 Kilometer breit – mit ihren ungefähr 240.000 Einwohnern auf 741 Quadratkilometern, hat einen Mittel- bis Hochgebirgscharakter. Die mit EU-Geldern finanzierte Landepiste des Flughafens wurde auf Stelzen ins Meer verlängert, damit dort auch Jumbos problemlos landen können.

Auf den Spuren der Habsburger

Ankunft in Funchal, Hauptstadt und Hafen von Madeira: Kaum an Land, schiebt sich eine weibliche Statue, in Bronze gegossen und in Lebensgröße stehend, in einem bunten Kleid mit einem Buch in ihrer linken Hand, ins Blickfeld: Das Denkmal der Kaiserin  „Sissi“ Elisabeth von Österreich-Ungarn, westlich vom Stadtzentrum, im Casino-Park. Von November 1860 bis April 1861 weilte die Kaiserin zur Genesung einer Lungenerkrankung auf der wegen ihres milden Klimas berühmten Insel.

Mühsam schlängelt sich der Bus auf den engen Serpentinenstraßen von Funchal (funcho = Fenchel) in Richtung Monte, des 600 Meter über der Stadt gelegenen Luftkurortes empor. Die engen häuserbegrenzten Bergstraßen brächten gar manchen Flachlandchauffeur ins Schwitzen, vor allem wenn in den Kurven zwei aus entgegengesetzten Richtungen kommende Busse mit einem schier endlosen Appendix von Fahrzeugen aneinander vorbei müssen und bloß ein millimeterenger Spalt die drohende Berührung vermeidet.

Mit zunehmender Höhe werden die Häuser entlang der Straße größer, bis schließlich Villen mit blühenden Gärten – doch die gibt es auf Madeira überall und zu jeder Jahreszeit – unsere Blicke fesseln. Betuchte Engländer haben sich hier eine schicke Bleibe eingerichtet: Zur Kolonialzeit hatten sie sich, ehe sie aus Übersee in ihre klimatisch unwirtliche Heimat zurückkehrten, hier einen Akklimatisierungsstopp von mehreren Wochen gegönnt. Viele kamen wieder und blieben, wie die Familie Blandy zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Heute kontrolliert sie den Weinhandel mit dem berühmten und unverwechselbaren Madeira-Wein, den Immobilienhandel und vieles mehr.

Dementsprechend liegt auch die Familienresidenz in einer für Besucher gegen Entgelt zugänglichen Parkanlage mit exotischen Bäumen und Blumen aus allen Erdteilen. Hier könnte man – wie auch im Botanischen Garten oder im Tropischen Garten  - tagelang verweilen, denn dort, wo jeweils zirka 20.000 verschiedenartige Gewächse Augen und Nasen erfreuen, gelangt eine vorstellbare paradiesische Pracht zur Entfaltung. „Very british“ ist auch das Teehaus inmitten von Blandy’s Garden; die himmlische Ruhe wird hin und wieder von den Motoren der Gärtnergeräte und vom Vogelgezwitscher unterbrochen und deutet darauf hin, dass wir eigentlich doch noch auf Erden weilen…

Man drängt zur Weiterfahrt, hinauf zur Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte (unserer Gottesmutter von Monte). In dieser Wallfahrtskirche, die alljährlich am Marienfeiertag, dem 15. August, von tausenden Pilgern besucht wird, befindet sich das Grabmal des unglücklichen Habsburg-Monarchen Karl I. Wir mühen uns vom oberen Plateau die 147 Stufen hinauf zur kleinen Barockkirche, die vom Hafen aus gut sichtbar ist und abends beleuchtet als Blickfang wirkt. Auf dem Vorplatz der Kirche die riesige Statue des am 3. Oktober 2004 selig gesprochenen Ex-Kaisers, ein Fotomotiv nicht nur für Monarchisten. An der Kirchenwand erinnert eine Gedenktafel an den „imperador“. Hier oben in Monte verstarb er am 1. April 1922 als letzter gekrönter Kaiser der Doppelmonarchie, nachdem er sich am 9. März 1922 eine schwere Erkältung zugezogen hatte. Der bereits vom Tode gezeichnete Monarch hatte den Wunsch geäußert, ihm hier oben, in der Kirche Nossa Senhora in Monte, oberhalb von Funchal, seine letzte Ruhestätte zukommen zu lassen. Die tiefgläubigen Insulaner verehren den „imperador“ als einen der ihren und pflegen das Andenken an die tragische Gestalt des letzten Habsburg-Kaisers. Beliebt sind von Monte aus die Korbschlittenfahrten hinunter nach Funchal – ein besonderes Erlebnis für so manchen Touristen.

Sehenswürdigkeiten rund um die Hauptstadt

Die im Süden der Insel gelegene Hauptstadt Funchal mit ihren ca. 100.000 Einwohnern gleicht einem meerwärts abfallenden Amphitheater, im Hintergrund von imposanten Bergen bewacht, eingebettet in Gärten und Bananenplantagen. Im Mai, beim großen Fest der Blumen, breiten sich über die Straßen der Stadt wahre Blütenteppiche aus, die in ihrer bunten Farbenvielfalt alle ähnlichen Feste weltweit übertreffen. Kinder und Frauen, Burschen und Männer in Nationaltracht wetteifern in Grazie und Eleganz.

Im Story-Center erhält man Basisinformationen zur Geschichte der Stadt, die man anschließend in historischen Stadtvierteln mit ihren zahlreichen Kirchen und Klöstern aus dem 15. Jahrhundert bummelnd erreichen kann, wobei man unbedingt Zeit für die Kathedrale Sé und die Capela de São Vicente einplanen sollte.

Im unweit von Funchal gelegenen Fischerdorf  Câmara de Lobos (Höhle der Mönchsrobben) – brechen des Nachts ganze Bootsflotten zum Degenfischfang auf. Der Fisch wird in 1000 Metern Tiefe mittels Angelhaken gefangen und mit Bananen zubereitet. Berühmtheit erlangte der Ort an der malerischen Bucht durch ein Gemälde von Winston Churchill; eine Gedenktafel erinnert daran und zieht auch deshalb tausende Touristen an. Weiter bergwärts erreicht man die höchste Klippenwand der Welt: Am Cabo Girão fällt die Steilwand 580 Meter hinunter zum Meer.  
Weinbau wird in Madeira seit 1540 in großem Stil betrieben: Diverse Sorten sind weltberühmt und erfreuen Kenner wie Kunden. Madeiras Weinfest, vom 31. August bis 7. September mit Licht, Gesang und Folklore-Einlagen  gefeiert, nimmt seinen Beginn in Câmara de Lobos und sollte keinesfalls versäumt werden.

Eher Wander- als Strandparadies

Wanderungen entlang der vor allem im Norden der Insel einst von maurischen Sklaven angelegten Wasserkanäle (Levadas) bzw. durch ausgedehnte Eukalyptuswälder führen zu den Orten Santana und Porto da Cruz mit ihrem typischen Flair. Die ehemaligen Bauernhäuschen in Santana mit ihren Strohdächern sind zur Besucherattraktion geworden und gehören seit 2011 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Wer den höchsten, aus Lavagestein geformten Berg Pico Ruivo (Rote Spitze ) mit 1862 Höhenmetern ersteigen möchte, breche zeitig am Morgen auf, weil gegen Mittag hin die Berge wolkenumhüllt sind.

Ausgedehnte Badestrände sucht man auf Madeira vergebens: Felsige, bis zu 600 Meter hohe Steilhänge recken sich aus dem Meer empor; bloß kleine Badebuchten stehen vereinzelt zur Verfügung. Gartenflächen hängen gleich Schwalbennestern über dem Abgrund - jede noch so kleine Anbaufläche wird genutzt. Der badehungrige Urlauber kommt auf der kleinen Insel Porto Santo - mit der Fähre zwei bis drei Stunden Überfahrt oder 20 Minuten Flug - auf seine Rechnung: Der neun Kilometer lange Sandstrand ist zwar zweckdienlich, doch weniger interessant als die Hauptinsel.

Beeindruckende Fauna

Spärlich ist die Inselfauna Madeiras: Mauereidechsen als wichtige Blütenbefruchter sind die einzigen Inselreptilien – Schlangen gibt es nicht. Das Goldkehlchen – der kleinste Vogel Europas – ist hier ebenso heimisch wie der Madeira-Buchfink. Rebhühner und Hasen hatte man seinerzeit für die Jagd zu Zeiten Kaiser Karls auf der Insel ausgesetzt.

Von der Südküste Madeiras gelangt man zur Inselgruppe der 1,5 Quadratmeter großen Ilhas Desertas (verlassene Inseln) – ein Naturschutzgebiet mit 16 verschiedenen Vogelarten. In dunklen Höhlen haust die fast acht Zentimeter große Madeira-Tarantel - für den Menschen allerdings ungefährlich. Entlang der Desertas-Küsten befindet sich das Reich der vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben mit nur noch 350 Exemplaren. Man nennt sie Lobo Marina (Seewolf), wegen ihrer heulenden Stimme.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 30.01 2015, 19:36
das Wort "madeira" (von lateinisch: materia) heißt auf Portugiesisch schlicht und einfach Holz. Das andere ist eine italienische Bezeichnung auf alten Seekarten, bzw. die Übersetzung des Namens in ein altertümliches Italienisch (ital.: legno = Holz), lo ist der Artikel und darf nicht mit dem Substantiv zusammengeschrieben werden. Die Buchstabenkombination "ng" gibt es übrigens im Portugiesischen nie, auch im Spanischen nicht, kann also nur italienisch sein.

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