Auf der Suche nach dem übergeordneten Ganzen

Mosaikbilder von Anna Khodorkovskaya: „Your history is wrong“

Sonntag, 19. Mai 2019

Anna Khodorkovskaya, hier vor einem ihrer abstrakten Werke, stellt zum zweiten Mal in Bukarest aus. Foto: George Dumitriu

“I am HUNGRY”. “Later that day”. “Good girl is over”. “No one said anything, so I continue”. Wie greifbare Gedanken hängen sie an der weißen Wand, wo jeder sie auffangen, betrachten, anfassen kann. Bruchstücke aus Texten - dem Gespräch mit Freunden, dem Ohrwurm, dem gelesenen Roman, der Schlagzeile einer Zeitung – als Mosaike aus Glasbruch. Satzfragmente oder auch einzelne Worte, manchmal suggestiv gruppiert: “HERO” - “or” - “stupid” - “?”Aus dem Kontext genommen, verändern sie ihre ursprüngliche Bedeutung. Werden abstrakt. Jeder ordnet sie anders in sein persönliches Puzzle ein. “FORGET THAT QUESTION”. Oder: “Your history is wrong.” So lautet auch der Titel der Ausstellung von Anna Khodorkovskaya.


Was hat die Künstlerin dazu inspiriert? „Unser Leben ist so groß, man kann es nicht als Ganzes wahrnehmen”, philosophiert Khodorkovskaya. „Alles, was wir sehen, sind Bruchstücke.” Sie lächelt: „Bruchstücke - das Wort gefällt mir auf Deutsch.” Vielleicht, so hofft sie, kann man das Ganze irgendwann doch erfassen, wenn man die Bruchstücke immer wieder aufs Neue kombiniert. Wenn man festhält, was in unserer schnelllebigen Zeit ständig aus seiner Geometrie fließt. Die Mosaiktechnik unterstreicht die Idee.


Es ist die zweite persönliche Ausstellung der 33-jährigen Russin, die in der Galerie Mobius vom 9. Mai bis zum 10. Juni in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum gezeigt wird. Anna Khodorkovskaya studierte nach einer Ausbildung als Grafikerin in Moskau an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo sie heute hauptsächlich lebt. Die Stadt hat die vielseitige Künstlerin, die am liebsten Art-Performances mit Publikumsbeteiligung aufführt, aber auch malt und zeichnet, zur Mosaiktechnik inspiriert. Auf langen Spaziergängen studiert sie dort die Gebäude aus der Nachkriegszeit: graue Betonblocks aus den armen 50er und 60er Jahren, die häufig nur ein Mosaik aus bunten Glassteinen ziert. „Von heutigen Künstlern werden diese Bauwerke noch nicht als Kulturerbe betrachtet und daher wenig beachtet”, erklärt sie, warum sie sich ausgerechnet mit dieser Nische befasst. Die Vorliebe für das geometrische Erfassen kombiniert sie mit einer zweiten Leidenschaft: der Arbeit mit Texten und Kommunikation.


“Just” - “say” - “OK”. “Intention”. Oder: “something that no one needs”? - Anna Khodorkovskaya will ihre Kunst nicht interpretieren. „Kunst steht für sich selbst”, findet sie. „Wenn man sie erklärt, ist das, als erkläre man einen Witz .”

 

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