Auf der Suche nach Utopien

Ingmar Brantsch ist einer der „100 wirklich wichtigen Kölner“

Samstag, 17. November 2012

„Macher, Promis, Immis und Individualisten“ – das sind die 100 wirklich wichtigen Kölner, die der Journalist Andreas Kersting in dem Band „Wer macht Köln?“ (Verlag, edition-empirica, Köln, 2012) vorstellt. Der 1940 in Kronstadt geborene Studienrat und Schriftsteller Ingmar Brantsch gehört eher zu den Immis (Immigranten) und Individualisten. „Eine Muse, Schauspieler, Musiker, Modedesignerinnen, ein Kriminalbiologe, Unternehmer, Architekten, ein Parfumhersteller, Intendanten, eine Tanzweltmeisterin, ein Kardinal, eine Nachrichtensprecherin, Karnevalisten, Banker, Galeristen, ein Adenauer und viele mehr erzählen ihre Geschichte, was sie tun und lassen, an Köln mögen oder auch nicht, wie sie es mit dem Karneval halten, oder verraten ihre Hobbys“, heißt es in der Kurzbeschreibung dieses 256 Seiten starken Bandes.

Brantsch selbst beschreibt sich in kurzen Antworten zu vorgegebenen Stichwörtern. Einige davon lauten wie folgt:

„Persönliche Rangliste: Für mich zählt die Gemeinschaft in Familie, Freundeskreis, Arbeitsumfeld und Nachbarschaft.
Persönliches Motto: Ich wollte den Sachen auf den Grund gehen, seitdem bin ich unterwegs.
Hobbys: Reisen, naive Malerei, Mozart in jeder Hinsicht (inklusive der Kugeln).
Persönlicher Blick in die Zukunft: Nachdem alle Utopien gescheitert sind, wünsche ich mir zeitgemäßere Utopien.“

Kersing schreibt, Brantsch sei „kein Freund der Konformität“, was bereits durch seine Flucht in den Westen erkennbar sei, weil er sich in im kommunistischen Rumänien „von Parteiführern keine Ideologien aufzwingen lässt“.  Seine „Lebensreise“  aus der Geburtsstadt in seine gegenwärtige Heimatstadt beschreibt Brantsch mit der ihm typischen Ironie und Vorliebe zum Wortspiel: „Ich bleibe dennoch ein K.-und k.-Mann, also jemand, den es aus Kronstadt nach Köln verschlagen hat“.

Den Schriftsteller Brantsch charakterisiert Kersing als „Individualist mit Hang zur Gemeinschaftlichkeit“, als ehrlichen Mensch der durch seine Autobiografie „Ich war kein Dissident“ kein Anspruch auf irgend eine Form von Heldentum erhebt. Brantsch erweise sich auch im Alltag als „Querdenker“: „Für ein vermeintliches Vergehen einst zu einer Zahlung von 80DM verurteilt, nahm Brantsch lieber eine achttägige Haftstrafe in Kauf, als sich dem seiner Meinung nach juristischen Fehlurteil zu beugen.“
Der Pädagoge Brantsch hatte in seiner beruflichen Laufbahn viel mit dem Gefängnis zu tun: er war Lehrer für praktische Philosophie in der Jugendvollzugsanstalt Ossendorf, wobei er vielen Jugendlichen zu einem Schulabschluss verholfen hat, obwohl dieser hinter Gittern erfolgte. Nicht nur dort war er ein wichtiger Ansprechpartner sondern auch in seiner Eigenschaft als Mitglied der Literarischen Gesellschaft Köln und im Exil-P.E.N. wo er sich für die Unterstützung deutschsprachiger Autoren vor allem in Russland und Osteuropa einsetzt.

Der vielseitige Ingmar Brantsch (er ist Romanist, Germanist, Slawist, Historiker, Philosoph, Pädagoge und Theologe) lebt seit 1978 in Köln und feierte am 30. Oktober seinen Geburtstag zum 72. mal. Die Aufnahme in die Reihe der 100 wichtigsten Kölner habe ihn sehr überrascht aber auch gefreut. Diese Anerkennung rechtfertigt seinen Optimismus zu dem Brantsch auch heute noch steht. „Ich bin treuherzig und blauäugig. Trotz aller Rückschläge im Leben trage ich aber immer noch das Urvertrauen in mir, dass man sich arrangieren kann“, antwortete Ingmar Brantsch auf die Frage, welches seine größte persönliche Schwäche sei.

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