Auf ins schöne Haferland!

Haferland-Kulturwoche vom 15.-24. August: Mit sanftem Tourismus Natur- und Kulturerbe retten

Sonntag, 25. Mai 2014

Deutsch-Kreuz: ein schmuckes, verträumtes Bauerndorf

Herrliche Kulisse zum Joggen: vor der Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch

Deutsch-Kreuz: vom MET restaurierte Häuserfassade

Felmern: Eine Büffelherde trottet von der Weide nach Hause.
Fotos: George Dumitriu

Vom Weinland haben wir ja schon gehört - aber vom Haferland? So nennt sich die Gegend, die sich ungefähr zwischen Reps/Rupea und Schäßburg/Sighi{oara erstreckt und in der das Wetter für professionellen Rebenanbau zu rau ist, so dass sich die Bauern dort auf Hafer spezialisierten. Der wächst zwar schon lange nicht mehr flächendeckend vereinend, doch die griffige Bezeichnung für die pittoresk in der Landschaft verstreuten Dörfer eignet sich trotzdem gut für einen touristischen Slogan – assoziiert man damit doch weite grüne Felder, kernige Frische und bäuerliches Umfeld. Was das Haferland noch alles zu bieten hat, erschließt in geballter Form die zweite Haferland-Kulturwoche,die vom 15.bis 24. August verschlafene Bauerndörfer für einige Tage ins Zentrum des brodelnden touristischen Lebens rücken soll.

Das Experiment ist schon einmal gelungen: Über 5000 Besucher – darunter eingesessene Siebenbürgen-Fans, heimwehgeplagte Sommersachsen aus Deutschland, unternehmungslustige Expats und neugierige Rumänen – strömten im letzten Jahr in die Gegend, in der schon Prinz Charles von Wales sein Herz verloren hat. Angelockt von Orgelkonzerten in trutzigen Kirchenburgen, bunter Folklore und lebendigem Brauchtum, fröhlichen Dorffesten und kreativen Workshops, den kulinarischen Versuchungen der siebenbürgischen Küche und vielem mehr... Nun haben sich die Veranstalter vorgenommen, die Haferland-Kulturwoche weit über die Region hinaus und über die Landesgrenzen zu einem Begriff für nachhaltigen Natur- und Kulturtourismus zu machen.

Ein zukunftsträchtiges Konzept

Neben den ursprünglichen Initiatoren, der in Deutsch-Kreuz/Criţ ansässigen Michael Schmidt Stiftung und der Peter Maffay Stiftung für traumatisierte Kinder in Radeln/Roadeş, haben sich den Veranstaltern dieses Jahr  die Stiftung Adept aus Keisd/Saschiz und der um Deutsch-Weißkirch/Viscri zentrierte Mihai Eminescu Trust (MET) angeschlossen. Mit vereinten Kräften, zudem unterstützt von lokalen Bürgermeistern, zieht man nun an einem Strang. Gemeinsames Anliegen ist es, auch weniger bekannte Orte als die Touristenmagnete Schäßburg, Reps oder Deutsch-Weißkirch als Ziele für sanften, nachhaltigen Tourismus in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken:  Deutsch-Kreuz, Keisd/Saschiz  – immerhin wie Deutsch-Weißkirch Teil des UNESCO-Welterbes, Bodendorf/Buneşti, Meschendorf/Meşendorf, Schweischer/Fişer und Radeln. Mit Festen, Musikevents, Fahrradtouren oder Pferdewagenfahrten, mit Führungen durch lokale Kirchenburgen, Besichtigungen von Werkstätten und sozialen Projekten, mit kulinarischen Momenten anlässlich festlicher Tafeln in Pfarrhäusern  oder auf Picknicks in der freien Natur, mit Orgelkonzerten und gemeinsamer Kontemplation in Gottesdiensten, Seite an Seite mit den noch verbliebenen   oder hierfür wieder angereisten ehemaligenDorfbewohnern in den alten sächsischen  Kirchen.

Als besonderes Highlight wurde für die diesjährige Haferlandwoche die Einrichtung einer 40 Kilometer langen Fahrradpiste angekündigt, die Reps, Deutsch-Kreuz, Meschendorf und Deutsch-Weißkirch verbinden soll. Weitere Attraktionen sind verschiedene Workshops, etwa zum Einkochen von Marmelade nach lokalen Rezepten, aber auch Filmvorführungen wie der von der Michael Schmidt Stiftung finanzierte Dokumentarstreifen über die Rettung alter, siebenbürgischer Orgeln oder der britische Naturfilm „Wild Carpathia“, in dem Prinz Charles für nachhaltigen Tourismus in Rumänien wirbt.

Als Synergieeffekt einer Förderung des sanften Tourismus erwartet man Impulse für den Schutz des Artenreichtums in diesem seit dem Mittelalter nahezu unveränderten biologischen Ökosystem – einem der letzten natürlichen Landstriche Europas. Einen wichtigen Beitrag hierfür leisten lokale Kleinbauern mit ihren immer noch traditionellen Methoden, die jedoch unterstützt werden müssen, denn im Zeitalter der Globalisierung und Industrialisierung sind sie alleine nicht mehr wettbewerbsfähig. Hinzu kommen Kleinunternehmen und soziale Projekte, die der touristischen Region durch passende Aktivitäten Mehrwert hinzufügen können.

Multiplikatoren setzen auf Synergie

Die Bedeutung der Initiative demonstrieren auch die Schirmherren der diesjährigen Haferlandwoche. Hinter dem Projekt stehen Dr. Günter Krings,Bundestagsmitglied und Staatssekretär im deutschen Innenministerium, Bernd Fabritius, Bundestagsmitglied und Präsident der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen,und Ovidiu Ganţ, DFDR-Abgeordneter im rumänischen Parlament.

Die Initiatoren und Organisatoren sind bereits bekannte Multiplikatoren in der Region: Seit 2008 betreibt die Tabaluga-Stiftung des aus Kronstadt stammenden Sängers Peter Maffay in Radeln ein Ferienheim für traumatisierte Kinder, seit 2013 gehört dazu auch  ein Erlebnisbauernhof. Zahlreiche Besucher aus dem Ausland werden dort empfangen. Die Aktivitäten der Peter Maffay Stiftung  in Deutschland dienen zudem der Schaffung einer breiten Allianz von Entscheidungsträgern aus den Bereichen Medien, Politik, Kultur, Religion, Wirtschaft und Gesellschaft, mit dem Ziel, die Lebensumstände von Kindern zu verbessern.

Der Mihai Eminescu Trust unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles begann seine Aktivitäten zur Unterstützung sächsischer Dörfer in den Landkreisen Kronstadt, Mureş, Hermannstadt und Covasna bereits im Jahr 1999. Neben über 800 Projekten zur Restaurierung von Häusern, Fassaden und Kirchenburgen mit traditionellen Methoden gehören auch die Unterstützung lokalen Handwerks – z.B. Schmiede, Ziegelei, Korbflechten, Leinenherstellung oder Stuckwerk  – und Naturschutz zum Programm. Die erste schilfbasierte Naturkläranlage in Deutsch-Weißkirch, die heuer in zehn weiteren siebenbürgischen Dörfern eingeführt werden soll,  geht ebenfalls auf das Konto des MET. Nationale Direktorin ist die seit Jahren sehr aktive Caroline Fernolend in Deutsch-Weißkirch.

Auch die Stiftung Adept in Keisd hat sich dem Erhalt des Ökosystems und der traditionellen Landwirtschaft in Siebenbürgen verschrieben. Beratender Fachmann ist der bekannte britische Botaniker John Akeroyd. Lokale Kleinbauern, die im 21. Jahrhundert nicht mehr rentabel sind, sollen durch Einbindung in touristische Aktivitäten, etwa den Verkauf traditioneller Produkte durch Integration in die „Slowfood international“ Bewegung, unterstützt werden. Da dies bisher mit außerordentlichem Erfolg geschieht, begreifen  auch die lokalen Bewohner, dass Naturschutz einen wirtschaftlichen Wert hat, freut sich Mitglied Bennone Mehedin. Die Stiftung betreibt in Keisd übrigens einen kleinen Laden in der Burgmauer, wo man lokale Produkte und Souvenirs erwerben und sich über die zahlreichen Projekte von Adept informieren kann.

Hauptziel der erst 2010 gegründeten Michael Schmidt Stiftung  in Deutsch-Kreuz ist die Erhaltung sächsischen Kulturerbes und die Entwicklung von Programmen zur Föderung der deutschen Sprache in Rumänien.  Für die Restaurierung von Gebäuden und die Bewerbung des Haferlandes als touristische Region wurden bisher Millionen Euro ausgegeben, informiert die Stiftung in einem Pressekommuniqué. Zu den bisherigen Aktivitäten  gehört auch die Restaurierung der Thois-Orgel in der Deutsch-Kreuzer Kirche einschließlich filmischer Dokumentation, die Hilfe für Überschwemmungsopfer  2010 in Botoşani, sowie finanzielle Unterstützung sozialer und kultureller Projekte anderer Stiftungen. Ins Kreuzfeuer geriet die Stiftung 2012 wegen des umstrittenen Einsturzes des Deutsch-Kreuzer Pfarrhauses während Sanierungsarbeiten, das jedoch mitterweile nach originalen Plänen wieder aufgebaut wurde und zur Haferland-Kulturwoche eingeweiht werden soll.  

Neugierig geworden? Na dann - auf ins schöne Haferland!

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Programm für die Haferlandwoche

15.8. Keisd/Saschiz:

Die Stiftung „Fundaţia Adept“ stellt sich vor und bietet den Besuchern die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops teilzunehmen. Gleichzeitig findet ein vom Rathaus Keisd organisiertes Gemeindefest statt.

16.8. Deutsch-Kreuz/Criţ:

Gottesdienst und Einweihung des rekonstruierten evangelischen Pfarrhauses; abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Konzert in der evangelischen Kirche und einem sächsischen Ball mit der deutschen Musikgruppe „Amazonas Express“.

17.8. Reps/Rupea:

„Baustellengottesdienst“ mit anschließendem Konzert in der evangelischen Kirche. Möglichkeit zum Besuch der rekonstruierten Repser Burg und der örtlichen ethnografischen Museen.

18.8. Deutsch-Weißkirch/Viscri:

Aktion „Ein traditionelles Dorf stellt sich vor“: lokale Attraktionen sind die Filzwerkstatt, die Ziegelbrenner, die Köhler und natürlich die Kirchenburg, die zum Welterbe der Unesco gehört. Der Tag klingt mit einem Orgelkonzert in der evangelischen Kirche aus.

20.8. Deutsch-Weißkirch und Deutsch-Kreuz:

Fahrt mit dem Pferdewagen von Deutsch-Weißkirch und organisiertes Picknick. Abfahrt mit Fahrrädern aus Deutsch-Kreuz auf den neuen Fahrradwegen in der Region. Miet-Fahrräder stellt der Organisator zur Verfügung.

22.8. Schweischer/Fişer:

Besuch des Altenheims in Schweischer mit Führung durch das Haus und Kennenlernen der Bewohner. Aufführung siebenbürgischer Volkstänze.

23.8. Meschendorf/Meşendorf:

Einweihung der restaurierten evangelischen Kirche in Meschendorf und Mitgliedertreffen der HOG im Gemeindesaal.

24.8. Radeln/Roadeş:

Die Tabaluga Stiftung bereitet zum Abschluss der Kulturwoche ein Sommerfest in kleinem Rahmen vor, mit Grillfest und  Besichtigung ausgewählter Projekte vor Ort.
 
Anmeldungen zu den Veranstaltungen unter www.haferland.ro

Kommentare zu diesem Artikel

Rudolf, 26.05 2014, 12:02
@Eddi:
Bzgl. der Strassenverhältnisse:
(MTB-Fahrradwege- Im Internet gibt es einge Seiten dazu, z.B.: http://mtb-tours.kerucov.ro/articol_traseu_mtb.php?artcod=479): sind die Strecke Deutsch-Weisskirch - Bodendorf - Deutsch-Kreuz - Meschendorf und zurück am 1. Mai dieses Jahres zusammen mit einigen Freunden geradelt. Fahrräder (+Helme) von MERIDA gab es aus Dt. Weißkirch zu mieten, (Telefonreservierung der Fahrräder einige Tage zuvor). Hatten viel Spass, obwohl die Strecke etwas zu lang für die untrainierten von uns war (kann man aber kürzen). Als Alternative kann man mit normalen Strassenfahrrädern auf den Asphaltstrassen zwischen den Dörfern (nicht Europastrassen) herumradeln. Macht aber nicht so viel Spass, und ab und zu fährt noch ein Auto vorbei. Am letzten Wochenende im Juli finden ein Marathon statt: http://tbtrace.ro/
Eddi, 25.05 2014, 14:49
Schön, dass sich was tut!! Bin allerdings skeptisch, was die Straßenverhältnisse und den Zustand der Leihräder anbetrifft!! Lasse mich aber sehr gerne eines Besseren belehren!!

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