Auf Safari

Freitag, 07. Februar 2014

Symbolfoto: sxc.hu

Freunde der Tierwelt beklagen sich immer, Tierbeobachtungen seien teuer. Ob Bären-Gucken im Bucegi oder Fotosafari in Afrika, man muss schon einen guten Batzen Geld hinlegen dafür, und das alles mit zweifelhaftem Erfolg, denn Tiere sind launisch. Über Safaris in Afrika kann ich nur müde lächeln, ich habe die big five vor der Türe. Jeden Morgen gehe ich auf die Pirsch – ich fahre mit dem Auto zum Dienst. Und komme so unweigerlich an einem Kreisverkehr vorbei, die Wasserstelle der endemischen Fauna. Da haben wir zum einen das Erdmännchen. Das Erdmännchen ist zumeist im Kleinwagen unterwegs und springt im Zickzack durch den Kreisverkehr, jede noch so kleine Lücke ausnützend. Man sieht es meistens regungslos mit dem Fuß auf dem Gaspedal lauernd, um sich alsbald wieselflink ins Gewühl zu stürzen.

Als nächstes kommt der Bison. Ausgestattet mit einem mächtigen Vorbau, wenig Hirn und kaum sozialer Intelligenz trampelt er mit rasender Geschwindigkeit durch den Kreisverkehr,
ohne auch nur auf jemanden zu achten. Zum Glück ist er von Weitem zu erkennen, so kann man ihm ausweichen. Er trägt ein weithin zu sehendes B auf dem Nummernschild (von Bison) oder die Aufschrift Atlassib auf der Seite. Ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial birgt die Antilope. Die Antilope ist, wie es auch der Name sagt, meist weiblich. Wenn sie erschreckt wird, und das passiert im Kreisverkehr unweigerlich, rast sie schnurgerade durch den Kreisverkehr, alle Fahrspuren schneidend. Wehe, man ist auf der rechten Spur, dann hat man sie unweigerlich erlegt.
Das Nilpferd oder Hippopotamus bringt nichts aus der Ruhe. Gemächlich schiebt es sich Zentimeter für Zentimeter durch den Kreisverkehr, zuerst die eine dann die andere Spur einengend. Ist der Verkehr schließlich zum Erliegen gekommen, fährt es, wohin es ihm beliebt. Blinken kennt das Nilpferd nicht. Seine Hautfarbe ist in den meisten Fällen gelb.

Pech hat, wer die Schildkröte begegnet. Die Schildkröte, meist Männlein oder Weiblein im vorgerückten Alter, hat in der Fahrschule gelernt, dass man erst fahren darf, wenn der Kreisverkehr leer ist und kein anderes Auto mehr kommt. Dass es in der Zeit, als sie Autofahren gelernt hat keine Kreisverkehre gab und in der Stadt höchstens drei Autos, blendet sie geflissentlich aus. Sie wartet geduldig. Hinter ihr bildet sich sofort die Schlange, ein hässliches, giftig fluchendes und hupendes Tier.
Die interessanteste Gattung trifft man vornehmlich im Sommer, den Lemming. Die Lemminge sind in den allermeisten Fällen auf zwei Rädern unterwegs, motorisiert oder nicht, und werfen sich mit wahrer Todesverachtung in den brodelnden Kreisverkehr. Man sieht sie kurz im Rückspiegel, wie sie Gas geben, und dann sind sie auch schon an ihrem beliebtesten Aufenthaltsort, der Mitte zwischen Spur eins und Spur zwei. Die Lemminge führen dann im Kreisverkehr derart artistische Manöver auf, dass es jedem Verkehrsteilnehmer Respekt abnötigt. Paradoxerweise überleben die meisten, was wohl auf die Solidarität im Tierreich zurückzuführen ist.
Safaris in Afrika? Sparen Sie sich das Geld. Der Kreisverkehr ist gratis. Und steht allen offen. Buchstäblich.

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