Auf Viperngefahr vorbereitet

Gesundheitsdirektion behauptet, über ausreichend Serum gegen Vipernbisse zu verfügen

Mittwoch, 15. Mai 2013

Im Kreis Karasch-Severin herrscht im Sommer Viperngefahr. Foto: Zoltán Pázmány

Unlängst gehörte es zu den Sensationen in den Abendnachrichten des Fernsehens, dass ein Wanderer in der Bukowina von einer kleinen Viper am Finger gebissen wurde – ohne dass angegeben wurde, ob es sich um eine Sand- oder eine Hornviper gehandelt hat. Sicherheitshalber hatte der Gebissene das kleine Tier in einer PET-Flasche gleich gefangen und mitgenommen, um es im Krankenhaus zeigen zu können.

Die wahre Sensation war dabei die Tatsache, dass die Viper so weit im Norden Rumäniens aufgetaucht ist, wo doch bislang immer nur die Karstgebiete des Südteils des Landes als Viperngebiete bekannt sind.

Gegenserum für Vipernbisse

Der Banater Karst – das ausgedehnteste kompakte Karstgebiet Rumäniens – meldet Jahr für Jahr unter Wanderern und Urlaubern Opfer von Vipernbissen, und nicht immer ist das Gesundheitswesen gut auf die „Vipernsaison” vorbereitet gewesen. Denn das Gegenserum für Vipernbisse wird seit Jahren nicht mehr in Rumänien hergestellt und muss vom Pariser Pasteur-Institut oder einem Budapester Pasteur-Institut gekauft, also importiert werden. Sein Nachteil: Es muss ständig im Kühlschrank aufbewahrt werden und die Haltbarkeit des teuren Gegengifts läuft nach höchstens einem Jahr ab. Also müssen die Vorräte immer wieder erneuert werden. Und beim Finanzzustand des rumänischen Gesundheitswesens ist das eine Belastung, bzw. ein Posten, an dem gern herumgestrichen wird.

Im Banater Bergland soll das in diesem Jahr nicht der Fall sein. Zumindest versichert das Dr. Dragoş Luca, der Direktor der Kreisdirektion Karasch-Severin für Öffentliche Gesundheit. Denn (erst) ab diesem Jahr ist Karasch-Severin offiziell unter die Verwaltungskreise aufgenommen worden, wo Viperngefahr herrscht, also sind dem Südbanat auch mehr „Portionen” Gegengift gegen Vipernbisse zugeteilt worden. So fällt es Dr. Luca auch nicht schwer, vollmundig zu erklären: „Das Gesetz verpflichtet uns, Antivipernserum auf Lager zu haben, das in dem Maße, in dem sich sein Verfallsdatum nähert, auch erneuert werden muss. Das ist im Durchschnitt sechs-acht Monate nach dem Herstellungsdatum. Gegenwärtig haben wir zehn Phiolen auf Lager, weitere 20 sollen dieser Tage ankommen, teilweise schon Ersatz für Serum, das entsorgt werden muss. In der Notfallaufnahme des Reschitzaer Kreiskrankenhauses sind weitere Vorräte gelagert, die im Januar 2014 ablaufen. Aber auch die Krankenhäuser von Orawitza und Karansebesch verfügen über Serumvorräte.”

Vipern nähern sich Häusern

Gemessen an den durchschnittlich drei Vipernbissen pro Jahr/Sommersaison, die aus dem Banater Bergland in vieljährigen Beobachtungen verzeichnet sind, scheinen die Vorräte sogar groß zu sein – allein wenn man bedenkt, dass in den 1990er Jahren im Banater Bergland meist insgesamt bloß 2-5 Phiolen Gegengift gelagert waren.

Fakt ist, dass mit zunehmender Länge der Dürreperioden in den vergangenen Jahren – also der Klimaveränderungen - sich im Banater Bergland die Meldungen über Begegnungen mit Vipern (vor allem Hornvipern) mehren. Bisse allerdings sind ausnahmslos nur dann gemeldet worden, wenn Wanderer oder Gelegenheits- und Wochenendurlauber den sich sonnenden Vipern aus Unaufmerksamkeit, filmeinspiriertem Übermut oder aus einfacher Unkenntnis der Gegebenheiten und Gefahren den Vipern so sehr genähert haben, dass diese sich bedroht fühlten und Verteidigungsstrategien zeigten. Also auch zugebissen haben.

Andrerseits wird festgestellt, dass sich die Vipernpopulationen vergrößern und dass ihre natürlichen Habitate allmählich zu klein werden: sie werden zunehmend in der Nähe menschlicher Behausungen besichtet – vor allem der im Banater Bergland üblichen Sennhütten („sălaşe” = ein- oder zweiräumige, aus Kalkbruchstein gemauerte Hütten mit offener Feuerstelle in einem der Räume, zur Unterbringung von Vieh und zum Übernachten der Menschen). Im Südbanat sind die Gegenden mit den größten Vipernpopulationen das Donautal und die Almăj-Senke, die Karstklammen der Karasch und der Nera, der Raum um die Gemeinde Gârli{te und die Gârlişte-Klamm und der Karst und das Kalksteingebirge von Herkulesbad. 2012 gab es zwei Meldungen von Vipernbissen mitten in Reschitza und eine aus Karansebesch – allerdings haben sich diese nicht bestätigt. Sicher ist hingegen, dass auf dem Gelände der immer stärker verwaisenden Reschitzaer Werke -  vor allem auf den Betonpisten der Räume zwischen den Werkshallen - immer öfter Vipern gesichtet werden.

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