Auf Wahltour durch das Banat

Ovidiu Ganţ trifft Sympathisanten

Mittwoch, 05. Dezember 2012

In Großsanktnikolaus war die Begegnung auch von Weihnachtsstimmung geprägt.
Foto: Siegfried Thiel

Temeswar - Weil die „rumänischen Politiker meist korrupt sind, sympatisieren wir mit den Deutschen, dem deutschen Forum und mit Kandidaten für die Abgeordnetenkammer“, sagen Männer in der Nähe des Stadtzentrums von Hatzfeld/Jimbolia. Wenige Minuten zuvor befanden sie sich noch auf einer Wahlversammlung beim Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen, wo der Abgeordnete und Kandidat für ein neues Mandat, Ovidiu Ganţ, zur Wählerschaft gesprochen hatte. Auf einer seiner Reisen durch Banater Ortschaften kam Ganţ zu Wochenbeginn nach Hatzfeld, Großsanktnikolaus und Billed. Keine Gehälter und Renten könne er als ein Parlamentarier der deutschen Minderheit versprechen, sagte Ganţ, aber umso mehr könne er über das Heranziehen von Investoren und Vermittlung von Kontakten zusehen, „dass sich die wirtschaftliche Lage des Landes verbessert“.

Die parlamentarischen Anfragen oder Initiativen des Abgeordneten, die zu Gesetzen wurden, sprach der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB), Karl Singer, an. Die Bemühungen des Abgeordneten seien „sowohl im Interesse der Allgemeinheit, als auch im Interesse der Deutschen“, sagte Singer. „Es ist keine Wahl für Herrn Ganţ, sondern für uns“, so der Hinweis des DFDB-Vorsitzenden. Der Abgeordnete selbst stellte seine Arbeit unter dem Motto „Welches sind die Aufgaben eines Parlamentariers der deutschen Minderheit?“ vor. Er sprach über das von ihm initiierte Gesetz zur Belohnung von Schülern, die Preise bei internationalen Olympiaden erhalten haben, oder die politische Unterstützung für eine n Parlamentskollegen, um das Gesetz durchzubringen, wonach Morde nicht verjähren.

Das Thema Schule stand in Großsanktnikolaus zur Debatte. Hingewiesen wurde sowohl auf die Problematik in den Schulen, auf die schwierige Aufgabe des Unterrichtens von Schülern, die meist in der Familie nicht deutsch sprechen, aber auch  auf die Erfolge der letzten Jahre in Großsanktnikoluas, wo allein in der ersten Klasse 24 Schüler eingeschrieben sind. Dies ist vor allem den gratis angebotenen Sprachkursen der Lehrer für die Kinder im Vorschulalter zuzuschreiben. Der DFDR-Kandidat Ovidiu Ganţ wies trotz aller Problematik auf die hohe Anzahl der Abiturienten an deutschen Schulen und Abteilungen hin: „Dies trotz zuletzt verschärfter Überwachung bei den Prüfungen“. Eine Aspekt, ebenfalls schulischer Natur, tat sich in der Gemeinde Billed auf. Mit den derzeit mehr als 20 Kindern an der deutschen Abteilung des Kindergartens ergibt sich theoretisch die Möglichkeit, zumindest im Simultanunterricht erneut Grundschulklassen in Deutsch-Muttersprache ins Leben zu rufen. Für erfolgreichen Simultanunterricht brauche man jedoch eine erfahrene Lehrerin, sagten Karl Singer und Ovidiu Ganţ, beide selbst Pädagogen. Letztendlich bliebe nämlich abzuwägen, ob Simultanunterricht von so hoher Qualität gesichert werden könne, dass dieser einer gewöhnlichen Bildung an der rumänischen Abteilung vorzuziehen sei, so die Überlegungen.

Restitutionsgesetz und Arbeitsmarkt kamen bei den Treffen von Ovidiu Ganţ zur Debatte, auch deshalb, weil bei allen Begegnungen Berufstätige und Jugendliche zugegen waren. Nicht vergessen wurden aber auch Themen, die über die Schule hinaus den Fortbestand des Deutschtums garantieren. Das heißt im Klartext nicht nur die Finanzierung der Foren und deren Tätigkeit, sondern auch der Erhalt der deutschen Zeitung: „Ohne die ich mich weniger Zuhause fühlen würde“, so die Vorsitzende des Ortsforums Großsanktnikolaus, Dietlinde Huhn. Genau genommen, ist das Wort „Wahlkampf“ im Falle von Ovidiu Ganţ fehl am Platz. Er traf sich auf seiner Reise durch das Land – denn er kann in jeder Ortschaft Rumäniens für die Abgeordnetenkammer gewählt werden - eher mit Freunden.

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