Auferstehung der Antike in Karlsburg

Grandioses „Festivalul Roman Apulum“ auf der Festung Carolina

Dienstag, 14. Mai 2019

Legionäre der berühmten Garde „Leg XIII Gemina“ vom 2012 gegründeten „Kulturverein für Lebendige Geschichte“ Alba Iulia beim Festivalul Roman Apulum

Dakische Krieger bei der Parade

Ruhepause Dakischer Krieger mit dem Priester im Feldlager

Der in die Uniform des Legionärs geschlüpfte Cristian Ciomaga des Hermannstädter Vereins „Asociatia Veteres Milutes Sibiu“, gegründet 2018 an der Universität Lucian Blaga, als Kommandeur der Legio VI Ferratae

Kampf der Gladiatoren des Klubs „Lupte de gladiatori“ Alba Iulia auf Leben und Tod und um die Gunst des Publikums. Zeigt der Daumen der Zuschauer nach unten, bedeutet das den Tod des Verlierers des Kampfes. Fotos: der Verfasser

Die Festung Carolina in Karlsburg/Alba Iulia  bot vom 3. – 5. Mai ein grandioses Ereignis der Extra-Klasse: Festivalul Roman Apulum unter dem Motto „AUFSTAND“. Mitgewirkt haben an diesem Mega-Event über 200 Akteure, bei einer spannenden Inszenierung zur Auferstehung der Antike des 2. und 3. Jahrhunderts vor Christi mit authentischen Aufführungen aus der Historie, militärischen Demonstrationen von Legionen und römischen Hilfstruppen, zum Beispiel aus Spanien und dem Alten Rom. Es gab Dakische Krieger und Gladiatorenkämpfe, einen Sklavenmarkt sowie Tanzdarbietungen verführerisch wirkender Nymphen der Tanzgruppe „Nimfele Dace“ zu bestaunen. Zudem luden Werkstätten wie Töpfereien und Webereien im Stile der damaligen Zeit zu Bastelworkshops zum Mitmachen ein. Auch das Bogenschießen erfreute sich großer Beliebtheit. Das Festivalul Roman Apulum 2019 war bereits die VII. Edition. Dieses Kulturereignis ist eine der wichtigsten vom Rathaus organisierten Veranstaltungen und stellt ein markantes Markenzeichen auch außerhalb Siebenbürgens dar.


Festivalul Roman Apulum ist zugleich Bildungsveranstaltung


Das Festivalul Roman Apulum ist das größte historische Rekon-stitutionsfestival in Rumänien. Als Veranstaltungsort ist Alba Iulia besonders prädestiniert, denn die Ortschaft wurde auf den Ruinen des antiken Apulum erbaut, der einst größten römischen Stadt in der Provinz Dacia, ehemals politisches, wirtschaftliches sowie kulturelles und nicht zuletzt auch militärisches Zentrum. Zudem sind die 2012 aus der Taufe gehobene Asocia]ia Culturală pentru Istorie Vie / Kulturverein für lebendige Geschichte mit der berühmten Legion XIII Gemina und Lupte de Gladiatori sowie das Nationalmuseum zwei starke Argumente, das Erbe der alten Stadt und ihre Rolle in der Geschichte Rumäniens anhand dieses Festivals medienwirksam sichtbar zu machen.


Der Bürgermeister von Alba Iulia, Mircea Hava, machte in seiner Eröffnungsrede deutlich, dass es sich bei diesem Ereignis keineswegs lediglich um Darbietungen der Kampfkünste der Römer und der Dakischen Krieger handele, sondern vielmehr um die Wiederbelebung antiker Geschichte zur Wissensvermittlung der Kultur und ihrer Rolle in der Gegenwart. In der Tat zeigte sich bei der Durchführung des Programms der Bildungsanspruch, etwa dadurch, dass ein Moderator dem Publikum sachliche Erklärungen lieferte. Beispielsweise erläuterte er beim Aufstand der Daker gegen die Römer die Waffenarten und Strategien der Kontrahenten, etwa die Formation „Schildkröte“, bei der sich die Legionäre in der Gruppe rundum und oben gegenseitig mit ihren Schilden abdeckten und - sich in dieser Weise vor Pfeilen und Stichwaffen der Gegner unverwundbar machend - blitzschnell ihrerseits auf den Gegner loszuschlagen vermochten.


Das Stadtoberhaupt von Alba Iulia dankte den Akteuren des In- und Auslandes für ihr großes Engagement, Momente der Antike anschaulich wiederzubeleben und auf attraktive Weise Wissen zu vermitteln. Alle Akteure sind Freiwillige, im Berufsleben zum Beispiel Ingenieure, Designer oder Handwerker wie Töpfer, aber auch Studenten und Rentner.


Terra Dacica Aeterna Association: Gründungsvater der Antik-Vereine


Die Terra Dacica Aeterna Association (TDA) aus Klausenburg / Cluj-Napoca ist quasi der Gründungsvater des ersten Vereins zur Wiederbelebung bzw. Rekon-struktion der Antike in Rumänien. Der Verein wurde 2007 aus der Taufe gehoben und befasst sich mit zivilen und militärischen Lebensaspekten der  dakischen und römischen Kulturen. TDA ist Initiator des Konzeptes „Lebender Geschichtsunterricht“ - einer Alternative zum Geschichtsunterricht für Schüler. Der Verein beschäftigt sich auch mit experimenteller Archäologie und der Herstellung von Schutzkleidung für Krieger der Antike, etwa Kettenhemden. Unglaublich, aber wahr: Für ein Kettenhemd fertigte Vereinsmitglied Enar Chaminschi 40.000 Ringe aus Draht in fünf Monaten. Auch Schuppenschutzwesten, bestehend aus 2000 – 3000 Schuppen (Ochsenleder in Bienenwachs getränkt), stellt der Handwerkskünstler in seiner Freizeit her.


Höchst interessant ist auch der Fakt, dass Studenten und Absolventen der Fakultät für Geschichte und Kulturerbe der Universität „Lucian Blaga Sibiu“ die Asociatia Veteres Milutes Sibiu gründeten. Der im vorigen Jahr ins Leben gerufene Verein beschäftigt sich speziell mit der Legio VI Ferratae während des I. Dakerkrieges Traians (101 – 102 v. Chr.) und des II. Dakerkrieges (105 – 106 v. Chr.). Mitglieder des rund 50 Personen umfassenden Vereins wirkten in dem dokumentarischen Spielfilm „141 AD / Mission in Dacia“ des Regisseurs Octavian Repede mit.


 Der Verein ist nicht nur beim Festivalul Roman Apulum ein gefragter Kooperationspartner, sondern neuerdings auch in Deutschland, freut sich Vereinspräsident Augustin Unguranu über die erste Auslandsreise: Der Hermannstädter Verein ist zu Pfingsten eingeladen, an den „Römer- und Germanentagen“ in Kalkriese teilzunehmen. Hierbei steht die Varusschlacht vor 2000 Jahren im Zentrum der Aufmerksamkeit.


Legendäre Garde „Leg XIII Gemina Apulum“


Über 200 Akteure von Legionen und Verbänden aus Rumänien, Spanien, Kroatien sowie Russland und Bulgarien wirkten am VII. Festivalul Roman Apulum mit. Im Fokus des Interesses der zahlreichen Zuschauer standen insbesondere die legendäre Garde „Leg XIII Gemina Apulum“ aus Alba Iulia, symbolisch dargestellt von 15 Legionären und 5 Offizieren, angeführt vom gefürchteten Zenturio Cassius Proculeianus, unter der blutroten Flagge mit dem Löwen, dem Symbol der Legion, in den Händen des kampferfahrenen Offiziers Marius Martinus Aquila. Die spannungsgeladenen Gladiatorenkämpfe „Lupte de gladiatori“ ließen die Zuschauer mitfiebern. Ihre größte Sympathie, ausgedrückt mit Anfeuerungsrufen „Dacia, Dacia, Dacia“, galt jedoch den Kämpfern von König Dacian Decebal im Aufstand gegen die Legionäre des römischen Kaisers Traian. Der Fackelzug der Römischen Legionäre und ihrer Hilfstruppen bildete das letzte Highlight des VII. Festivalul Roman Apulum.

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