Aus der „Geburtsklinik“ der Wälder

Der Botanische Garten von Matscha: Pflanzensamen für die ganze Welt

Freitag, 22. Februar 2013

Sehenswert ist auch das 200jährige Schloss inmitten des Botanischen Gartens von Matscha: Es wurde in den letzten Jahren gründlich saniert.
Foto: Zoltán Pázmány

Ach was, es ist doch nur ein Garten. Wohl ein richtig schöner Fleck im Grünen, doch nur ein anderer, willkommener Ersatz für den eingepferchten, ungepflegten Stadtpark, ein Weekend-Ausflugsziel für die genervten Städter und eingefleischten Picknickfans, ein anderer Tummelplatz für die unausstehlichen Kinder, die sich hier endlich mal austoben können: So irgendwie sieht das falsche Image vieler über den Botanischen Garten von Matscha/Macea, 23 Kilometer von der Kreishauptstadt Arad entfernt, einer der derzeit schönsten und wertvollsten Naturschutzzonen der Westregion, aus.

Welcher wahre Schatz hier schlummert, wird von dem jährlich vom Botanischen Garten „Pavel Covaci“, seit 1990 von der Arader Westuniversität „Vasile Goldiş“ verwaltet, herausgegebenen „Index seminum“ angezeigt. Die 21. Ausgabe des hauseigenen Samenkatalogs enthält die Samen aller hier gedeihenden Pflanzenarten aus der letzten Vegetationszeit bzw. von 1278 Arten, darunter 74 Harzpflanzen, der Rest Laubhölzer, die insgesamt 114 Pflanzenfamilien angehören. Was wir alle an diesem Garten haben und nicht vergessen sollten, in einer Zeit des weltweiten Waldsterbens, der unaufhaltsamen Abholzung oder Zerstörung, selbst in den meisten rumänischen Naturschutzzonen, der unverantwortlichen Attacken aller Art durch den Menschen, leider weiterhin der größte Schädling der Natur, versucht Dr. Ing. Ioan Don, Leiter des Botanischen Gartens, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: „Man kann den Garten mit einer Geburtsklinik der Wälder vergleichen. Es geht hier nicht nur um Naturschutz, es wird mit umsichtiger Pflanzenzucht und ständiger genetischer Bereicherung der Pflanzensammlungen und -samen  gezielt auf eine Erhaltung und Wiederbelebung der Wälder aus allen Zonen Rumäniens und weltweit hingearbeitet.“

Das Wertvollste des universitären Botanischen Gartens macht die Sammlung von insgesamt 3750 Pflanzenarten aus. Der Garten, der nicht nur ein Forschungs- und Experimentierfeld für Lehrkräfte und Studenten abgibt, unterhält derzeit eine gegenseitig vorteilhafte Kooperation, vor allem durch Austausch von wertvollen Pflanzensamen, mit über 200 gleichartigen Institutionen aus dem ganzen Land (19 Institutionen – botanische Gärten, Baumschulen, wissenschaftliche Pflanzensammlungen), aber auch mit solchen von allen Kontinenten, u.a. aus Ungarn, England, Deutschland, Frankreich, Spanien, den USA. Der Botanische Garten von Matscha ist Mitglied des Vereins der Botanischen Gärten Rumäniens und des Botanic Gardens Conservation International BGCI mit Sitz in England.
Zu den wichtigsten Vorhaben des laufenden Jahres zählt Direktor Ioan Don die Gründung einer Samensammlung der Flora unserer Westregion, die mit Hilfe eines EU-Projekts finanziert und verwirklicht werden soll.

Banater Urwald:  Monumentale Roteichen von 300 Jahren

Obwohl etliche wertvolle Naturzonen in der Westregion schon vor Jahren unter das Dach der Naturschutzgesetze gebracht wurden, haben derzeit nur wenige das glückliche Los des Botanischen Gartens von Matscha: Dieser kam, wie erwähnt, schon 1990 unter die Fittiche der Fachleute von der Arader Uni  „Vasile Goldiş“. Nicht nur dessen Bewahrung und Gedeihen wird von diesem Team gesichert, ein Schutzpersonal sorgt auch dafür, dass in dem Garten nicht Zerstörung und Raubbau herrschen, wie es z.B. immer öfters aus dem anrainenden, flächenmäßig weit größeren und berühmteren Naturschutzgebiet der Maroschau gemeldet wird. Der Botanische Garten von Matscha hat eine Gesamtfläche von 21,5 Hektar. Seine schöne Geschichte begann vor fast drei Jahrhunderten, davon zeugen heute fünf Prachtexemplare der monumentalen Roteiche (Quercus robur), deren Alter auf zirka 300 Jahre geschätzt wird.

Wie zahlreiche Baumarten aus den Wäldern der Arader Ebene anzeigen, entstand der Garten aus einem Urwald, wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach 1724 wurde in seiner Mitte auf Initiative des Adligen Mihai Cernovici ein Herrenhaus gebaut. 1820 begann sein Enkel Paul mit dem Bau des heutigen Schlosses. Aus dieser Gründerzeit stammen zwei Gingko biloba Exemplare, sieben Exemplare der Schweinekastanie und elf Platanen. Ende des 19.  Jahrhunderts kaufte die Familie Karoly Schloss und Park, Gyula Karoly stellte 1900 den bekannten Gärtner Josef Prohaska ein. 1935 kaufte Adam Iancu aus Curtici das Gut und holzte zehn Hektar des Waldes ab. Nach schwierigen Jahren für den Park, 1935-1968, erhielt dieser 1968 den Status eines dendrologischen Parks (insgesamt nur 68 Arten bei einer Inventur).

Zurzeit werden hier etwa 2000 Baum- und Sträucherarten sowie zirka 500 Gräserarten angepflanzt. Der Garten besteht aus drei Teilen: Zehn Hektar sind dem Publikum erschlossen. Die dendrologische Sammlung von hohem wissenschaftlichem Wert erstreckt sich auf 3,5 Hektar Fläche und kann nur von organisierten Besuchergruppen besichtigt werden. Diese Sektion enthält auch das 1986 gegründete Alpinarium (u.a. Edelweiß, rote Akazie). Eine Attraktion bietet in jedem Frühjahr die Hauptallee mit den blühenden japanischen Kirschbäumen und den Zedern (Cedrus atlantica). Diese Sektion des Gartens enthält mit seinen Baum- und Sträucherarten aus aller Welt eine der reichsten Sammlungen dieser Art in Rumänien. Bei den Kleinsten höchst beliebt sind nach wie vor die thematischen Ecken, „Legende“ (Sträucher in Form von Märchengestalten oder als Sphinx und Pyramiden geschnitten), die Eminescu-Lichtung, die Zoo-Ecke mit Fasanen, Tauben und Schildkröten.

Es folgen die Baumschule (0,5 Hektar) und das hauseigene Museum (290 Quadratmeter). Im Letzteren ist das Herbarium zu bewundern: Es handelt sich um eines der ältesten des Landes bzw. um die zirka 1860  angelegte Sammlung des bekannten Botanikers L. Simonkai. Seit 1993 gibt es hier auch ein ethnografisches Museum auf einer Fläche von 85 Quadratmetern. Dieses ist eine Schenkung des Arader Lehrers D. Schemmel.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*