Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien

Gedanken zum Kirchentag 2017

Freitag, 29. September 2017

Der Kirchentag aus Anlass des Reformationsjubiläums wird am Erinnerungsort der siebenbürgischen Reformation stattfinden: in Kronstadt.

500 Jahre Reformation – was gibt es da zu feiern? Wenn es ums Feiern geht, muß nicht lange gesucht werden, Anlässe dazu finden sich jederzeit. Zwar sollen Festlichkeit und Geselligkeit nicht fehlen, Sinn und Zweck des Kirchentags in Kronstadt ist jedoch die Frage nach dem evangelischen Glauben. So hat die Vorbereitungsgruppe keine bunt geschmückte theologische Konferenz organisiert. Nicht Traditionen oder Persönlichkeiten sind ausschlaggebend, sondern das Fragen nach der evangelischen Identität im heutigen Rumänien, in der gegenwärtigen Situation der evangelischen Gemeinden, im persönlichen Umfeld der Gläubigen. Solches Fragen hat die Vorbereitungsgruppe im Vorfeld des Kirchentags durch Besuche in mehreren Gemeinden der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) und Veröffentlichungen in der Presse angeregt. Was ist mir heute an meinem evangelischen Glauben wichtig? Worin besteht er im Wesentlichen? Was ist mir daran unverzichtbar? Wie gebe ich ihn konkret an meine Kinder und Enkel weiter?

Bei Pfarrversammlungen gab es spannende Diskussionen zur Frage, wie wir heute zu bestimmten Inhalten der lutherischen Theologie stehen. Was bedeutet uns z.B. das Kürzel „A.B.“, das wir im Namen unserer Kirche tragen? Welche Relevanz hat das Augsburgische Bekenntnis noch im kirchlichen Alltag? Wie erklären wir es unseren Zeitgenossen, ohne bei der Verlegenheitsgeste zu verbleiben, daß im Falle mancher Kirchen „A.B.“ für „außer Betrieb“ stehen kann?
Die Vorbereitungsgruppe für den Kirchentag hofft, dass die rund 1000 angemeldeten Kirchentagsteilnehmer offen für die aktuellen Glaubens- und Identitätsthemen anreisen und im Verlauf des Kirchentags ihre Fragen äußern, sich aktiv an den Gesprächen in den Bibelarbeiten, Workshops, bei der Podiumsdiskussion und zwischendurch beteiligen. So dürfen wir zuversichtlich sein, dass Gott uns anspricht, uns ermutigt und wir zuversichtlich und gestärkt in den Alltag zurückgehen. Im Blick auf den „Erfolg“, den man der Vorbereitungsgruppe für den Kirchentag immer wieder gewünscht hat: Sie hat das erprobte Modell des Volksfestes bewusst gemieden und das traditionelle Format von Großveranstaltungen verlassen, die in unserem Raum erfolgreich Fuß gefasst haben (Blasmusik, Volkstanzgruppen, Verkaufsstände u.a.m.). Die, von diesem Standpunkt aus betrachtet, asketische Gestaltung soll dem Schwerpunkt des Kirchentags dienen.

Dieser wird am Freitag (29. September) bei der Eröffnung des Kirchentags in der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Bahnstraße/Iuliu Maniu, Nr.2, von Bischof Reinhart Guib und Bischofsvikar József Zelenák angesprochen. Der Einstieg in den Haupttag (Samstag, 30. September) geschieht – aus gutem Grund – mit der Bibel in der Hand. Dort steht geschrieben, daß das Evangelium „eine Kraft Gottes ist, die selig macht, alle, die daran glauben“. Was meint der Apostel Paulus damit? Welche Rolle hat diese Kraft bei der Reformation gespielt? Wie prägt sie unsere Kirche? Wie erfahren wir sie heute?
Mit den „vier Zeiten“ (Eröffnungsgottesdienst) sind unterschiedliche Epochen der Geschichte der EKR gemeint, in welchen sie mit entscheidenden Herausforderungen konfrontiert wurde. Welches waren die Antworten darauf? Inwiefern prägen sie uns heute noch? Die vierteilige Predigt lädt zum Nachdenken darüber ein.

Evangelischer Glaube wird weithin als weltoffen und vielfältig verstanden. Die zwölf Workshops und ihre unterschiedlichen Themen bieten einen Einblick in die Vielfalt evangelischer Identitäsmerkmale. Die Kirchentagsteilnehmer mögen sich fragen: Wo finde ich mich darin wieder? Wofür kann ich mich begeistern? Auf dem Hintergrund der Vielfalt evangelischer Identität wird im Rahmen der Podiumsdiskussion gefragt, was evangelische Gläubige (trotzdem) eint. Das musikalische Werk Credo in Unum Deum („Messe von Kronstadt“) und seine Urauführung am Samstagabend in der Schwarzen Kirche ist ein Musterbeispiel für gelingendes Miteinander in der Vielfalt von Tradition, Sprache und Konfession, die als Bereicherung und Segen erfahren wird – authentischer Ausdruck gelebter Ökumene.

„Gehet hin in alle Welt“ – der Sonntag (1. Oktober) ist mit dem synchronen Glockengeläut in allen deutschsprachigen evangelischen Gemeinden und den ungarischsprachigen evangelischen Zentrumsgemeinden des Burzenlandes (einige weitere kommen hinzu) ein Symbol für die Ausbreitung der Reformation und die Verkündigung des Evangeliums bis an das Ende der Welt. Es geht darum, in der Kraft Gottes, die sich uns im Evangelium erschließt, Zeugnis abzulegen von der erfahrenen Gnade Gottes. Dazu gibt es einen guten Grund, und zwar keinen anderen, „als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (Paulus).

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