Ausrutscher des Finanzministers und Wirtschaftspläne lassen Börse einbrechen

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Dienstag, 04. Juli 2017

Bukarests Börse brach förmlich ein nach dem unglücklichen Ausrutscher des neuen Finanzministers bezüglich der privaten gesetzlichen Rente. Schon der Wochenbeginn stimmte nicht besonders optimistisch. Alle Indizes schlossen den ersten Handelstag der vergangenen Woche mit fetten Verlusten, der Hauptindex BET wies ein Minus von 2,7 Prozent auf, der Energiewerte-Index sogar minus 5,2 Prozent. In den darauffolgenden Tagen vertieften sich die Verluste um jeweils weniger als einem Prozent. Doch der simple Satz „Die zweite Rentensäule wird aufgelöst“, die der Minister Ionut Misa später widerrief, löste eine Schockwelle aus. Am Donnerstag brach die Börse um 3,9 Prozent ein, der Energiewerte-Index verlor 4,9 Prozent. Auf Wochensicht zeichnete sich ein verheerendes Bild ab. Kein Index hatte weniger als 3 Prozent verloren, mit einem Minus von 10,5 Prozent stand der Energiewerte-Index einsam an der Spitze. Der Hauptindex BET lag mit minus 7,2 Prozent dahinter, der ROTX-Index hatte 4,5 Prozent eingebüßt und der Finanzwerte-Index BET-FI musste Federn in Höhe von 3,3 Prozent lassen.

Handel läuft trotz allem

Dabei war der Handel alles andere als lahm. Im Durchschnitt wurden in der letzten Juniwoche umgerechnet 13,9 Millionen Euro mit Aktien umgesetzt. Eine Spitze gab es am Donnerstag, als bei einem Umsatz von umgerechnet 24 Millionen Euro der Markt einbrach. Die Angst, der Staat könnte die seit 2008 eingezahlten gesetzlichen Beiträge der Rentenversicherten in die privat verwalteten Fonds verstaatlichen und somit der Börse Milliardenbeträge entziehen, sorgte kurzfristig für eine panikartige Anlegerflucht. Die Aussage des Finanzministers dazu kam jedoch nicht allein. Ein neues Gespenst spukt in der Finanzpolitik. So sollen Unternehmen künftig nicht mehr nach Profit sondern nach Höhe des Umsatzes besteuert werden. So zumindest soll es im neuen Programm der neuen Regierung stehen, die vergangene Woche ihre Arbeit aufgenommen hat. Das dürfte vor allem staatlich gehaltene, börsennotierte Unternehmen treffen, die zukünftig immer höhere Steuern zu zahlen hätten, je stärker sie sich entwickeln (also je mehr Umsatz sie schaffen). Dann hätten diese Unternehmen kein Geld mehr für hohe Dividenden. Zu allem Überfluss diktierten auch eine anhaltende Ölpreisschwäche, weitere Regulierungen durch rumänische Behörden und der Ablauf von Dividendenstichtagen das Börsengeschehen.

Energiewerte hart getroffen

So drückte der Plan der Energie-Regulierungsbehörde ANRE, Vertriebspreise für Energie weiter zu reduzieren, den Preis der Transelectrica-Aktien (TEL, 27,35 Lei, ISIN ROTSELACNOR9) in der Woche um 4 Prozent. Seit Monatsbeginn haben diese Aktien 12 Prozent verloren. Nicht anders erging es dem Erdgasversorger Transgaz (TGN, 358 Lei, ISIN ROTGNTACNOR8), dessen Aktien im Laufe der Woche 20 Prozent einbüßten. Minus 13 Prozent gab es für die Aktien des Erdölkonzerns OMV Petrom (SNP, 0,2835 Lei, ISIN ROSNPPACNOR9), wegen der anhaltenden Schwäche des Erdölpreises. Und schließlich verloren die Papiere des Pipelinebetreibers Conpet (COTE, 95,2 Lei, ISIN ROCOTEACNOR7) 26,8 Prozent, weil dort der Dividendenstichtag abgelaufen ist, bis zu dem man als Anteilseigner registriert werden konnte, um in den Genuss einer äußerst großzügigen Dividendenrendite zu kommen. Das Unternehmen wird eine Dividendenrendite von 12,5 Prozent auszahlen, bei einem Preis von 131 Lei je Aktie. Nach Ablauf des Stichtages fiel die Aktie auf 95 Lei zurück.

Devisen

Den Leu scheinen die jüngsten Entwicklungen der rumänischen Wirtschaftspolitik nicht in Mitleidenschaft gezogen zu haben. Vor allem gegenüber dem US-Dollar konnte sich die rumänische Währung in der vergangenen Woche behaupten, das Plus lag bei 0,1 Lei oder 2,64 Prozent. Die US-amerikanische Währung schloss die Handelswoche ganz knapp unter der 4-Lei-Marke. Die europäische Gemeinschaftswährung war indes nicht so leicht in die Knie zu zwingen. Hierzu legte der Leu nur 0,02 Lei zu in der Woche, oder 0,6 Prozent, und es reichte nicht zur Unterschreitung irgendeiner psychologischen Grenze. Bei einem Stand von 4,5539 Lei notiert der Euro immer noch recht hoch.

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