Ausstellung „Gaben der Natur“ am Brukenthalmuseum

Über Mäßigung und Überfluss im Barockzeitalter

Mittwoch, 04. Februar 2015

Jeremias van Winghe und Georg Flegel: Die flämische Köchin, um 1610-20

Hermannstadt - Erstaunen prägte das Verhältnis zur Natur in der Frühen Neuzeit: Jede Frucht der Natur war eine wundersame Gabe von Gottvater oder Mutter Natur. Aus dem Erstaunen entsprangen zwei Gefühlsbewegungen: einerseits die größte Bewunderung für die Köstlichkeiten der Schöpfung, andererseits das intensive Bedürfnis nach einem behutsamen, gottesfürchtigen Umgang mit den Gaben der Natur.

Wie die Künstler des lebensfrohen Barockzeitalters diesen beiden Gefühlen Ausdruck verliehen, kann ab dem 12. Februar in einer faszinierenden Kabinettausstellung des Brukenthalmuseums anhand eines Ensembles meisterlicher Gemälde und Grafiken aus dem Besitz des Brukenthalmuseums erlebt werden.
Die gemalten und gezeichneten Naturgaben strotzen von symbolischer Bedeutung: die Fruchtgirlande und die Weizenähren, die Weintraube und das Brot werden zu Symbolen Jesu Christi, höchstes Zeugnis der Freigiebigkeit Gottes und vollkommenstes Vorbild an Bescheidenheit zugleich; auf anderen Bildern warnt rohes Fleisch vor sexueller Begierde und Völlerei, einfaches Gartengemüse und irdener Krug sind zu einem Aufruf zur Askese vereint.

Viele Werke drücken ihre Botschaft in gelehrten Beischriften aus: Jahreszeiten-Zyklen führen des im göttlichen Heilsplan eingebetteten Jahreslaufs vielfältig vor Augen; eine Darstellung der zechenden Menschheit vor der Sündflut ermahnt den Betrachter zur Enthaltsamkeit; das Bild einer protestantischen Tischgesellschaft wird als Musterbeispiel frommer Bescheidenheit empfohlen. So richten diese unvergesslichen Kunstwerke auch heute noch die Frage an uns: Wie sparsam, wie verschwenderisch ist das Leben, das wir führen?

Zur Vernissage am Donnerstag, 12. Februar um 16 Uhr im Multimediasaal des Blauen Hauses, Großer Ring Nr. 5 wird herzlichst eingeladen. Die Ausstellung ist Teil des Projekts „Die Grüne Sendelbinde“ und bleibt bis zum 30. April geöffnet.

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