Auszeichnung für europäisches Engagement

Medaille "Mérite Européen" für Erwin Josef Țigla

Mittwoch, 18. Juli 2018

Überreichung der Medaille an Erwin Josef }igla durch Ingeborg Smith Foto: privat

Am Wochenende erfuhr ein bekannter Banater eine hohe europäische Ehrung in Österreich:  Im Rahmen des Europa-Forums Neumarkt 2018 (im „Karl Brunner“-Europahaus in Neumarkt in der Steiermark) wurde Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen, mit der angesehenen Medaille „Mérite Européen” in Silber für seine Verdienste um Verständigung in Europa und sein europäisches Engagement durch Ingeborg Smith (Mérite Européen, Luxemburg) ausgezeichnet.  Die Luxemburger Stiftung " Fondation du Mérite Européen", die unter der Schirmherrschaft des jeweiligen luxemburgischen Ministerpräsidenten steht, zeichnet seit über 30 Jahren verdiente Europäer aus. Sie ehrt damit engagierte Persönlichkeiten, die sich für die „Vereinigung der europäischen Völker in Freiheit, Frieden und Brüderlichkeit“ einsetzen und weiter an der Entwicklung eines europäischen Bewusstseins arbeiten, das Voraussetzung ist für die Gestaltung eines freien, demokratischen und geeinten Kontinents. Die Auszeichnung kann als Medaille mit Urkunde in den Stufen Bronze, Silber und Gold erfolgen, sowie durch eine Anerkennungs- oder eine Ehrenurkunde. Die Medaille zeigt – umgeben von 12 Sternen – Jupiter und Europa vor dem geografischen Umriss Europas und die Worte VOULOIR – CONNAITRE – AGIR = Europa wollen – seine Probleme kennen –  sich für die Verwirklichung Europas einsetzen. Die Stiftung wurde 1970 von dem renommierten französischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Dr. Francois Visine initiiert, nachdem er mit seiner Enzyklopädie „L’ABC de l’Europe" (5 Bände) gangbare Wege zur europäischen Einigung gewiesen hatte. Nach den abschreckenden Erfahrungen zweier Weltkriege knüpfte er an die Weitsicht hervorragender Männer wie Robert Schuman, Josef Bech, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer an,  die dem zerfallenen Europa wieder seine geschichtliche Dimension und Zukunftsaufgabe zurückgeben wollten.  Dazu zählt auch Jean Monnet, zunächst Mitschöpfer des Schuman-Plans, und danach Präsident der im Plan vorgesehenen Hohen Behörde der Montanunion. Francois Visine appellierte mit der Gründung des Mérite Européen an die große internationale Verantwortung der Menschen für das Weiterbestehen des kulturellen Europas im und nach dem 20. Jahrhundert. Nach 20 Jahren vielfältiger, erfolgreicher Tätigkeiten erhob der Großherzog von Luxemburg  die Stiftung Anfang 1990  zu einer gemeinnützigen Anstalt.  Dabei appellierte Jacques Santer, damals luxemburgischer Regierungschef, späterer Präsident der Europäischen Kommission und heutiger  Stiftungspräsident, an die Frauen und Männer, die an der europäischen Idee festhielten und zu dem Einsatz für Europa stehen.


Die Medaille Mérite Européen

Die Medaille für VERDIENSTE UM EUROPA hat einen Durchmesser von 62 mm und wiegt 110 g. Die Vorderseite zeigt die geographische Darstellung Europas, wobei die 12 Sterne der Fahne des Europarats kreisförmig angeordnet sind (Symbol des Willens für eine Europapolitik) und JUPITER in Stiergestalt die Göttin Europa trägt (symbolische Verbindung von Mythologie und schöpferischem Willen). In die Medaillenrückseite sind die Begriffe „VOLONTE, CONNAISSANCE, ACTION (pour l’Europe)“ (WILLE, WISSEN, TAT (für Europa) und die Worte „MERITE EUROPEEN décerné à ...“ (als Auszeichnung für Verdienste um Europa verliehen an...) eingraviert. Eine jede Medaille wurde nach handwerklichem Verfahren gegossen, so dass jede von ihnen im Gegensatz zu den geprägten Medaillen ihren eigenen Charakter hat.


Ein Engagement wie eine unendliche Geschichte

Laudatio auf Erwin Josef Țigla. Von Christa Hofmeister, Mitglied der Europäischen Föderalistischen Bewegung Österreichs, Filiale Steiermark

"Das Europa der Vielfalt bleibt in der Einheit stecken, wenn wir es versäumen, Europäer heranzubilden". Jeder von uns muss zu diesem freien, friedlichen und demokratischen Europa beitragen und sich im Besonderen für die Friedensidee Europa einsetzen. Dies scheint Erwin Țigla in die Wiege gelegt worden zu sein.

Im 18. Jahrhundert wurden Steirer und Steirerinnen im Banater Bergland im heutigen Rumänien angesiedelt. Viele von deren Nachfahren haben sich bis heute ihre Sprache und ihre Verbundenheit zur Heimat ihrer Vorfahren bewahrt. So gibt es beispielsweise die Orte mit den  Namen Wolfsberg, Tirol und Steierdorf.

Erwin Josef Țigla wurde 1961 in Reşiţa/Reschitza, Kreis Karasch-Severin, im Banater Bergland, Rumänien geboren. Nach seinem Abitur besuchte er eine Schule für Bibliothekare und man kann ihn als Schriftsteller, Kulturmanager, Verleger, Bibliothekar und Volksgruppenpfleger bezeichnen.

Er war Mitbegründer der deutschen Abteilung der Reschitzaer Volkshochschule, des unmittelbaren Vorläufers des heutigen Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ und er leitet diese kulturelle Institution bis heute. Dieser Verein ist der Träger der deutschsprachigen/steirischen Kultur im Banater Bergland schlechthin. Er hat die steirisch-bergmännischen Traditionen bewahrt und nach der politischen Wende in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Steiermark das steirische Volkslied-, Volkstanz- und Trachtenwesen wiedererweckt.

‚Europa‘ hat er 1991 bei den Europäischen Föderalisten anlässlich eines Besuches in der Steiermärkischen Landesregierung entdeckt und streut seither den Europagedanken in seinem Heimatland. Dabei bediente er sich gerne der Hilfsmittel der EFB Steiermark – denkt man besonders an die Ausstellungen der EFB Steiermark, die ihm gerade vor dem Beitritt Rumänien zur EU sehr willkommen waren. Seine Veranstaltungen zum Europatag in Schulen suchen seinesgleichen.

Seine jährlichen Literaturtage im Frühling und im Herbst die Kulturdekade, stehen stets in Einbeziehung des Europagedankens mit Referenten der EFB, denke Erich Wörister, bei Steirern u.a. an den leider Anfang Dezember verstorbenen Rupert Dirnberger.

Kinder und Jugendliche fördert er durch den zweijährlich stattfindenden Wettbewerb „Kinder malen ihre Heimat“ an dem sich auch steirische, slowenische, ungarische und polnische Schulen beteiligen. Die jährliche Teilnahme einer Delegation an den Minderheitenseminaren zu Pfingsten an der internationalen Jugendbegegnung und am Europa-Forum Neumarkt prägten die Programminhalte.

Erwin Țigla und sein Engagement - eine unendliche Geschichte….:

Erwin Țiglas Initiativen, wurden u.a. 2001 mit der Goldenen Ehrennadel der EFBÖ, 2004 mit dem Ehrenzeichen in Silber für Verdienste um die Republik Österreich überreicht durch den Botschafter der Republik Österreich in Bukarest, Dr. Christian Zeileissen, und 2009 mit dem Josef Krainer-Heimatpreis gewürdigt.

Wir gratulieren zur Verleihung des Mérite Européen!


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