Automarkt hängt am Tropf der Abwrackprämie

Umweltgebühr lässt auch den Binnenmarkt schwächeln

Mittwoch, 30. April 2014

Käufer von Gebrauchtwagen verlassen sich meist auf die eigene Prüfung, andere ziehen sich den Rat eines Freundes hinzu. Nur 23 Prozent der Käufer haben ihren Wagen in eine Fachwerkstatt der gekauften Marke gebracht. So die Auswertung einer Autovit-Umfrage, erstellt Ende 2013.

Das erste Quartal 2014 hat keine spektakuläre Erholung des rumänischen Automobilmarktes ergeben. Auch in diesem Jahr wird nämlich eine Ankurbelung des Verkaufs von der Abwrackprämie und von der Umwelttaxe für Gebrauchtwagen auf dem Binnenmarkt abhängen. Letztere könnte einige Änderungen erfahren, vermutet Autovit.ro. Dass sich die ersten Monate jeden Jahres als wenig ergiebig für den Automarkt zeigen, ist bekannt, doch auch die bisher allbekannte saisonbedingte Konjunktur mit Höhepunkten im Frühjahr und Herbst weicht massiv von den Erkenntnissen mittelfristiger Statistiken ab.

 

Keine deutliche Erholung in Sicht

 

Das vergangene Jahr war das sechste in Folge, in dem auf dem rumänischen Neuwagenmarkt rückläufige Zahlen verzeichnet wurden. Der interne Handel mit Gebrauchtwagen ist ebenfalls zurückgegangen: um 40 Prozent. Wachstum gab es einzig und allein bei der Einfuhr von ausländischen Gebrauchtwagen. Verglichen mit dem Bezugsjahr 2007 wurden in manchem der folgenden Jahre – gekennzeichnet vom Einbruch des Marktes – acht Mal weniger Neuwagen abgesetzt. Auch in diesem Jahr warten viele potenzielle Käufer auf das Abwrackprogramm, dass in den letzten Jahren oft erst sehr spät angekurbelt wurde. So wurden 2013 die ersten Tickets erst ab Juni vergeben.

Auf die letzten sechs Jahre bezogen, wurde in den Jahren 2010 und 2011 ein Tiefstand verzeichnet, als in den ersten drei Monaten des jeweiligen Jahres landesweit 8.800 bzw. 9.700 Fahrzeuge verkauft wurden. In diesen beiden Jahren erreichten jedoch die Verkäufer von Gebrauchtwagen auf dem Binnenmarkt Rekordwerte von 90.000-100.000 Wagen innerhalb von drei Monaten.  2014 wurde nur noch etwa die Hälfte davon registriert.

Die Einfuhr von Gebrauchtwagen ist ihrerseits in den letzten sechs Jahren verschiedenartig verlaufen, als sich Wachstum und Rückgang oft auf unerwartete Weise abwechselten, was auch von den häufigen Änderungen bei der Festlegung der Erstzulassungsgebühr bedingt war.

In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres lag die Tendenz bei importierten Gebrauchtwagen über jener von 2012, doch im November und Dezember wurde ein Einbruch verzeichnet, dessen Trend sich auch im ersten Quartal 2014 fortsetzt.

In den drei ersten Monaten d.J. entwickelte sich der Automobilmarkt verschiedenartig: So wurden im Januar 5.100 Neuwagen verkauft. 15.500 kamen vom Gebrauchtwagenmarkt aus dem Ausland, und 16.000 wurden auf dem rumänischen Binnenmarkt unter den Autohaltern abgesetzt. Der Februar war dann der bislang absatzschwächste Monat in diesem Jahr. So wurden in diesem Monat nur 3.650 Neuwagen abgesetzt, 15.100 Gebrauchte aus dem Ausland zugelassen und nahezu 16.700 gebrauchte Autos wurden auf dem rumänischen Binnenmarkt neu eingeschrieben. Im März d.J. war die Tendenz erneut steigend: fast 4.600 Neuwagen wurden abgesetzt, 16.250 gebrauchte Wagen aus dem Ausland eingeführt und 17.800 Gebrauchte wechselten in Rumänien ihren Besitzer.

 

Faktor „Sicherheit“ bleibt oft auf der Strecke

 

Für den Handel mit Gebrauchtwagen auf dem Binnenmarkt war die Einführung der neuen Umweltgebühr im März 2013 besonders wichtig und deren Auswirkung war deutlich erkennbar. So galt es als selbstverständlich, dass in den Jahren 2011 – 2012 monatlich mehr als 20.000 Wagen in Rumänien ihren Besitzer wechselten. Im Gesamtjahr 2013 wurde dieser Wert nur ein einziges Mal überboten und in den ersten drei Monaten diesen Jahres kamen die Zahlen kein einziges Mal an diese Absatzgrenze heran. Dies zeigt klar auf, dass die Umweltgebühr den Verkauf auf dem Binnenmarkt erheblich eingedämmt hat. Die Autohalter wurden nämlich dazu veranlasst, ihre Wagen lieber zu behalten. Vor allem bei der Veräußerung eines Wagens älteren Baujahres als 2007 liefen sie Gefahr ein schlechtes Geschäft zu machen. Die Umweltgebühr beträgt nämlich mindestens einige Hundert Euro und  in manchen Fällen gar mehr als 1000 Euro, „ein Aspekt, der bei manchen Wagen nicht ein Detail, sondern ein entscheidendes Element ergibt“, schreibt Autovit. Der Regionalleiter des Rumänischen Autoregisters RAR, Cosmin Costa, glaubt, „die Kriterien der Umwelttaxe müssten abgeändert werden, damit das Interesse der Bürger für einen Neuwagenkauf angeregt wird. Ich bin ein Verfechter der Idee, dass ein Neuwagenkauf die beste Lösung von allen ist“, so Costa, auf Nachfrage der Banater Zeitung. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens haben die meisten Anwärter zunächst die Absicht, eine Fachwerkstatt aufzusuchen, viele tun es im Endeffekt jedoch nicht. „Die Erklärung dazu ist einfach. Der Erwerb eines Autos ist mit vielen Emotionen verbunden. Auch wenn wir zunächst eine ganze Reihe von Sicherheitsmaßnahmen vornehmen möchten, verzichten wir jedoch darauf, um je schneller in den Besitz des Wagens zu gelangen,“ erklärt der Business-Manager von Autovit, Mihai Cune, warum trotz guter Vorsätze letztendlich viele Vorkehrungen, die der Sicherheit dienen, ausbleiben.

Was die Automarken betrifft, wurden in den ersten drei Monaten 2014 vor allem Dacia-Neuwagen abgesetzt – fast jedes dritte Fahrzeug gehörte zu dieser Automarke. Der Skoda kam auf Platz zwei mit 10,4 Prozent, gefolgt von Ford (9,2 Prozent), sowie den deutschen Marken VW und Opel. Bei den aus dem Ausland eingeführten Wagen dominierten die deutschen Markennamen. Fast zu einem Drittel waren es in der Zeitspanne Januar – März Fahrzeuge des deutschen Herstellers VW, gefolgt von Opel, Ford, Audi und BMW. Auch im Inland verkaufte sich in „zweiter Hand“ der VW am besten, gefolgt vom Opel, dem rumänischen Dacia, Ford und Skoda.

 

Leise Hoffnung auf Absatzplus

 

Die Experten von Autovit glauben, dass die Schwelle von 57.000 abgesetzten Neuwagen aus dem vergangenen Jahr nun 2014 überboten werden kann. Grund für diese Annahme sei vor allem das Abwrackprogramm, dessen Beginn diesmal bereits früher angesetzt ist, als im vergangenen Jahr. Dazu könnte auch das neue Format mit der Nutzung elektronischer Tickets beitragen, wodurch vorgebeugt werden kann, dass Tickets ungenutzt bleiben. Davon ausgehend, dass im ersten Trimester 2014 um etwa 2000 Einheiten mehr abgesetzt wurden, als im vergleichbaren Zeitraum des vergangenen Jahres, könnte man bis zum Jahresende von einem Gesamtvolumen von 65.000 verkauften Neuwagen ausgehen.

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