Autoverkauf durch Rabla-Programm

Landesprogramm zieht wenige Kunden an

Freitag, 02. August 2013

Dacia war 2012 die meistverkaufte Automarke im Kreis Temesch. Die alten Dacias, wie das Modell im Bild, wurden jedoch zum Schrotthändler gebracht.
Foto: Zoltán Pázmány

Der Autoverkauf ist in ganz Europa drastisch gesunken. Seitdem die Wirtschaftskrise ausgebrochen ist, fällt der Verkauf neuer Fahrzeuge von Jahr zu Jahr. 2013 sieht es bis jetzt nicht besser aus und in Rumänien war der Verkauf von Autos noch nie so schwach, klagen die Automobilhändler. Auch das sogenannte Rabla-Programm, das den Neuwagenmarkt beleben sollte, ist nun dem Scheitern nah. Das Programm zur Erneuerung des Auto-Fuhrparks in Rumänien (REMAT) hat als Ziel die Förderung des Verkaufs neuer Fahrzeuge mit finanzieller Hilfe vom Staat. Das Programm startete jedoch in diesem Jahr später als in den vergangen Jahren und brachte gleichzeitig zahlreiche Veränderungen mit sich. Die ersten Tickets kamen vor etwa einem Monat auf den Markt. Sie haben einen Wert von 1500 Euro und eine Gültigkeit von insgesamt 45 Arbeitstagen seit der Übernahme durch das Entsorgungsunternehmen, wo das Auto zu Schrott wird. Kunden können anhand eines einzigen solchen Tickets eine Ermäßigung beim Kauf eines neuen Wagens bekommen.

Im Verwaltungskreis Temesch/Timiş konfrontierten sich die Auto-Händler mit großen Schwierigkeiten, da das Landesprogramm zur Erneuerung des Auto-Fuhrparks in Rumänien erst Mitte Juni – etwa drei Monate später im Vergleich zum Vorjahr – gestartet wurde. Die größte Hoffnung, die sich die Autohändler für den Verkauf neuer Autos gemacht haben, war das REMAT-Programm. „Auch wenn in diesem Jahr der Staat eine größere Summe für ein REMAT-Ticket anbietet – 1500 Euro – und der Kauf eines neuen Autos mit nur einem solchen Ticket, statt drei, wie es im Vorjahr der Fall war, möglich ist, leisten sich die Leute kein neues Auto mehr“, sagt Petre Lăzărescu, Verkaufsmanager bei Autoglobus Temeswar/Timişoara. Ein Problem war beim Start des sogenannten Rabla-Programms die Ausstellung falscher Tickets. Die Tickets wurden am 18. Juni verteilt und sind alle mit diesem Datum versehen. Einigen Temeswarern wurden jedoch Tickets mit einem falschen Datum (12. Juni) ausgegeben und sie durften diese nicht verwenden. Erst nach etwa zwei Wochen wurde auch die Gültigkeit dieser Scheine anerkannt.

Insgesamt 20.000 Abwrackbescheinigungen wurden in diesem Jahr vom Staat erlassen. 17.000 davon sind für natürliche Personen bestimmt, der Rest geht an Firmen. Im Kreis Temesch wurden rund 350 solche Tickets ausgestellt. Die Gültigkeit vieler läuft jedoch bald ab, ohne dass sie entwertet worden sind. Grund dafür sind die zahlreichen Spekulanten, die sich solche Scheine besorgten und danach versuchten, diese weiter zu verkaufen. Beim Start des Landesprogramms verlangten sie sogar 3500 Lei für ein solches Ticket. Da das Interesse der Kunden dennoch niedrig geblieben ist und die Gültigkeit bald abläuft, sank auch der Preis der Tickets. So werden für viele dieser Scheine nur noch 1000-1200 Lei verlangt. Trotzdem werden sie nicht erworben. „Es besteht die Möglichkeit, dass die Gültigkeitsdauer dieser Tickets bald ausläuft – dann wird das REMAT-Programm plötzlich enden, denn die meisten, die ein altes Auto besaßen, haben bereits das Fahrzeug entsorgt und sich das Ticket beschafft“, sagt Petre Lăzărescu.

Die Lage in den Temeswarer Showrooms ist kritisch. „Die meisten Kunden kommen über das REMAT-Programm zu uns“, sagt auch Ovidiu Benea, Verkaufsberater bei Mega Group, Temeswarer Dealer der französischen Automobilmarke Peugeot. „Da der Start des Programms ziemlich spät kam, geht es mit dem Verkauf nicht voran. Wir haben seit Beginn des Programms elf Verträge für neue Autos geschlossen“, sagt Ovidiu Benea. Der Kaufpreis eines Neuwagens liegt für die meisten Kunden durch das REMAT-Programm meistens bei 13.000 Euro. Die Ermäßigung von 1500 Euro vom Staat trägt dazu bei. „Die Kunden wählen ein teures Auto, das dann mit staatlicher Unterstützung etwas erschwinglicher ist“, sagt Verkaufsberater Benea. „Interesse besteht, die Gültigkeit der Tickets zu verlängern“, äußert der Temeswarer Berater des Mega-Group-Dealers.

Der rumänische Automarkt hat 2012 das niedrigste Niveau der letzten fünf Jahre erreicht. Das gesamte Verkaufsvolumen für das Vorjahr wird bei etwa 85.000 Fahrzeugen geschätzt – ähnlich wie in den Jahren 1994-1995. Landesweit war das letzte Jahr mit einem Autoverkaufswachstum in Rumänien 2007. Nun wurde 2012 ein Rückgang von etwa 77 Prozent registriert. Im Kreis Temesch wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2492 Autos verkauft, im Vergleich zu 3860 Fahrzeugen in 2011. Auch die Fachleute vom rumänischen Verein für Automobilhersteller und Importeure schieben die Schuld des schwachen Jahres 2012 auf den langsamen Start des Landesprogramms mit unzureichenden Fonds. Das hat auch den Kauf von Gebrauchtwagen gefördert. Aus der gesamten Anzahl von neu verkauften Automobilen 2012, war die Automarke „Dacia“ die gefragteste im Kreis Temesch. Insgesamt 645 Dacia-Fahrzeuge wurden verkauft, in 294 Fällen war es der „Logan“. Landesweit deckte Dacia über 27 Prozent der Gesamtverkäufe im Vorjahr ab. Die nächste meistverkaufte Marke war die des deutschen Automobilherstellers Volkswagen und Skoda auf Platz drei mit 8,4 Prozent der Verkäufe. Im Kreis Temesch lag es etwas anders: Platz zwei der Verkäufe belegte Skoda mit 345 verkauften Fahrzeugen und den dritten Platz Volkswagen mit insgesamt 281 verkauften Autos.

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