Bach (ba)rockt!

Ein lustiges Treffen von Klassik und Jazz

Samstag, 29. Dezember 2012

Die Musiker des „Quintessence Saxophone Quintet“ begeisterten die Kronstädter Kinder für Bach und für den Jazz. Foto: Christine Chiriac

Barock-Musik bietet mit dem typischen „Basso continuo“ sicherlich viel Freiraum für Improvisation - aber auch für Jazz-Improvisation?! Daran denkt man wohl eher selten. Umso überraschender waren die Rhythmen und Harmonien, die am vergangenen Donnerstag in der Kronstädter Rédoute erklangen. Der deutschen Band „Quintessence Saxophone Quintet“ gelang es, ihrem Namen entsprechend, an die Quintessenz der Musik Johann Sebastian Bachs zu gelangen und diese in Jazzsprache zu „übersetzen“. Eine Übung, von der das junge Zielpublikum im überfüllten Saal vollkommen begeistert war.
Zwar lautete das Altersminimum „acht Jahre plus“, doch auch viel jüngere Knirpse hatten ihren Spaß an der pfiffigen Musik.

„Bach für Kinder“ hieß das ungewöhnliche Adventskonzert, das vom Deutschen Kulturzentrum Kronstadt unter der Mitwirkung der Deutschen Botschaft in Bukarest, des Goethe Instituts und der Saxonia Stiftung veranstaltet wurde. Die fünf Saxophonisten – Sven Hoffmann, Uli Lettermann, Kai Niedermeier, Anatole Gomersall und Andreas Menzel – erwiesen sich nicht „nur“ als hervorragende Musiker, sondern ebenso als Entertainer, die die Aufmerksamkeit der Kinder fesselten.

Sie spielten anfangs ein eigenes Jazz-Stück, dann ein Menuett und eine Bourrée von Bach in klassischer Bearbeitung für Saxophon-Ensemble. Sie demonstrierten den Kindern humorvoll „wie Bach übte, als er klein war“, was lautes Gelächter im Saal zur Folge hatte. Auch wurden kurz die Klangfarben der Saxophon-Familie vorgestellt. Fast unbemerkbar war der Übergang zum Jazz: plötzlich ertönte die imposante „Toccata und Fuge“ in d-Moll, das mit Abstand bekannteste Orgelwerk der Kunstmusik, in einer völlig neuen Fassung.

Ebenso kann Bach mit dem „verjazzten“ Choralvorspiel „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ über Jahrhunderte und Musikrichtungen hinweg „Wellen schlagen“. Ob der Komponist selbst das Saxophon kannte? Auf diese Frage antworteten die Kinder mehrheitlich mit einem lauten „Neeeeein“. Bei der abschließenden Zugabe in flinkem Tempo gab es beim Publikum keinen Halt mehr: alles kugelte, wackelte, jubelte, hüpfte und hopste zwischen den Stühlen.

2013 feiert das „Quintessence Saxophone Quintet“ sein zwanzigjähriges Bestehen. Es gilt bei den Musikkritikern und Zuhörern als führendes Ensemble im Bereich „Crossover Jazz-Klassik“: die originellen Arrangements nach Werken von Bach, Vivaldi, Beethoven, Mozart oder Händel ernten weltweit Beifall, Preise und Lob. Elf CDs und zwei DVDs stehen bereits in der Erfolgsbilanz der Band, ein weiteres Album soll im Frühjahr aufgezeichnet werden.

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