Balladen im Spiegelsaal

Gesungene historische Ereignisse und Gruselgeschichten zur Musik von Carl Loewe

Donnerstag, 09. Mai 2013

Ursula Philippi, Elisa Gunesch und Melinda Samson (v. l.) ermöglichten einen niveauvollen Musikabend. Foto: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Eine musikalische Zeit- und Fantasiereise boten am Dienstagabend Melinda Samson, Elisa Gunesch und Ursula Philippi im Spiegelsaal des Forumshauses. Die drei Künstlerinnen interpretierten Balladen und Lieder von Carl Loewe. Der deutsche Komponist machte im 19. Jahrhundert die Ballade als erweiterte Form des Sololiedes bekannt und geriet im 20. Jahrhundert in Vergessenheit.

„Die von Loewe geschriebenen Balladen waren nicht für Frauenstimmen gedacht“, erklärte nach dem Konzert Ursula Philippi. In Hermannstadt/Sibiu mangelt es aber an guten Männerstimmen und so mussten die Sopranistin Samson sowie die Mezzosopranistin Gunesch in die Bresche springen. Bedauert hat es bestimmt niemand. Die beiden jungen Sängerinnen wurden nach jedem Lied von den Zuhörern gebührend mit Beifall belohnt. Und da das Publikum sie nach dem Programm nicht entlassen wollte, sangen sie ein Duett aus „Figaros Hochzeit“ und entschwanden.

Die Zeitreise begann im Jahr 1500 mit dem Lied „Wiegenfest zu Gent“, in dem die Geburt des späteren Kaisers Karl V. aus der Sicht des Dichters Anton Alexander Graf von Auersperg, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Anastasius Grün, erzählt wird. Danach sprang man zurück in das 10. Jahrhundert, um die Berufung von Heinrich I. auf den Kaiserthron zu erleben.

Die Ballade „Der Blumen Rache“ entführte die Zuhörer in die Welt der Fantasie: Die gesungene Gruselgeschichte wäre einer Verfilmung durch Alfred Hitchcock würdig. Die „geistergleichen Duftgebilde“ der Rose, des Eisenhutes, der Lilie, des Türkenbundes, der Kaiserkrone und der Narzisse rächen sich an dem Mädchen, das sie „von der Erde Mutterbrüsten grausam gerissen“ hat. Die Musik und der Gesang schaffen eine Spannung, die sich bis zur Racheandrohung steigert, um danach mit Trauer festzustellen, dass das Mädchen vom Blumenduft getötet wurde. Gänsehaut ist bei diesem Lied garantiert. Nicht weniger gruselig ist auch Loewes Vertonung des bekannten Gedichts „Erlkönig“ von Wolfgang von Goethe. Die Musik ist zwar weniger wuchtig als die von Schuberts Vertonung derselben Geschichte, jedoch schafft der Komponist mit leiseren Tönen die entsprechende düstere Stimmung.

Der freie Eintritt zum Liederabend wurde durch den selbstlosen Einsatz der drei Künstlerinnen ermöglicht, die auf jegliches Honorar verzichtet hatten, weil sie sich in die Loewes Lieder und Balladen „verliebt haben“. Das Hermannstädter Forum unterstützte das Konzert durch die kostenlose Überlassung des Spiegelsaals.

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