Banater Bergland gut zum Aufwärmen vor einem Wintersporturlaub

Der Wunsch nach einem wahren Skiressort bleibt hier weiterhin unerfüllt

Dienstag, 13. Februar 2018

Touristen können von einem Winterurlaub wie im Ausland auf dem Muntele Mic nur träumen. Die moderne Anlage von Romeo Dunca (im Bild) bleibt diese Saison geschlossen.
Foto: die Verfasserin

Die ersten Schneefälle sind da, die Schneeschicht ist großzügig, die Sehnsucht nach Wintersport groß: Die Saison kann anfangen. Auf ins Auto und ab zum Muntele Mic, dem Skigebiet im Verwaltungskreis Karasch-Severin/Caraş-Severin, heißt´s für viele Temeswarer. Wenn man rasch durch Strecken der Schnell- und Umgehungsstraßen die Städte Lugosch/Lugoj und Karansebes/Caransebeş hinter sich lassen kann, beginnt das Fahrabenteuer erst auf der schmalen Kreisstraße nach Borlova und schließlich auf der Bergstraße bis hoch auf den Muntele Mic. Meistens schneefrei, weil geräumt, aber trotzdem oft mit einer kleinen Schnee- oder Eisschicht belegt, geht es langsam und vorsichtig voran. Dann ist man schließlich nach rund 130 Kilometern in knapp drei Stunden (von Temeswar aus) da, im Wintersportgebiet auf einer Seehöhe von 1530 bis 1730 Metern im Banater Bergland.

Oben auf der Bergplatte wurde ein Parkplatz eingerichtet – „eingerichtet“ mag wohl etwas übertrieben ausgedrückt sein, denn eigentlich findet man da ein unasphaltiertes, oft schlammiges Gelände, oberflächlich mittels Bulldozern begradigt, auf dem man organisiert parken kann. Dabei muss man pro Auto 20 Lei für einen Parktag begleichen. Im Preis sei auch die Instandhaltung und Schneeräumung der Straße beinhaltet, heißt es seitens der Männer, die den Parkplatz verwalten und die Autofahrer zu den freien Parkplätzen weisen. Einige hundert Plätze sind da vorhanden – meistens sind sie alle belegt. So parken Winterfreunde auch am Straßenrand auf dem schmalen Weg zum Skigebiet, sodass das Hinauf- und Herabfahren auf der Bergstraße manchmal nur etwas kompliziert erfolgen kann.

Doch das entmutigt die Wintersportfreunde und Schneebegeisterten, die vor allem am Wochenende Ausflüge auf den Muntele Mic unternehmen, noch nicht, auch wenn die Eintagesausfahrt meistens durchs Warten charakterisiert wird. Das Schlangestehen endet nicht mit der Ankunft im Wintersportgebiet: Zuerst wartet man, um einparken zu können, dann beim Skilift bzw. Sessellift und in der Mittagspause muss man ebenfalls bei den wenigen Gasthäusern und Imbissstuben vor Ort minutenlang allein schon auf einen Sitzplatz warten. Trotz all dieser Unzulänglichkeiten bleibt der Muntele Mic jedoch beliebt, vor allem für Temeswarer, Arader und Reschitzaer, für deren Wintersportleidenschaft nur wenige Angebote in der Gegend vorhanden sind.

An einem Skitag auf dem Muntele Mic stillt man seine Sehnsucht nach Wintersport, sei es Ski oder Snowboard oder die einfache Lust, ein bisschen im Schnee zu spielen. Meistens bleibt der Muntele Mic bloß ein Eintagsreiseziel für Touristen, die morgens auf den Berg kommen und abends wieder nach Hause fahren. Nur die wenigsten bleiben hier mehrere Tage – meistens Schülergruppen und Skianfänger. Der Ort hat immer noch wenig Abwechslung zu bieten: wenige moderne Unterkunftsmöglichkeiten und Gasthöfe und vor allem wenige Skipisten. Unangenehm sind noch die Streitigkeiten und der ehrgeizige Wettstreit unter den Skipistenbetreibern, die immer noch keinen gemeinsamen Skipass für ihre Touristen anbieten wollen/können.

Auf dem Muntele Mic stehen derzeit zum Skifahren und Snowboarden sieben Pisten zur Verfügung – nicht alle sind aber derzeit offen und befahrbar. Borlova 1 und Borlova 2 mit je 1000 Metern und einem sanften Schwierigkeitsgrad stehen eher für Neueinsteiger (absolute Beginner und Kinder sowie für Familien) da. Für erfahrene und fortgeschrittene Wintersportbetreiber stehen weitere Pisten zur Verfügung: Nordica (1200 Meter), Valea Soarelui und Isai von je 1400 Meter – eine Abfahrt verlangt jedoch deutlich mehr Kraft, Ausdauer, Mut und im allgemeinen viel Geduld. Fünf Lifte befördern die Gäste hinauf. Die Schlepplifte (auch Tellerlifte,T-Bügel- oder Anker-Lifte genannt) sind veraltet, bewegen sich langsam, bleiben oft stehen und bieten den Touristen Null-Komfort. Solche Lifte werden schon lange im Ausland allein für Anfängerpisten, die bloß einige hundert Meter betragen, angewandt. Einen Sessellift gibt es nur seit kurzer Zeit auf dem Muntele Mic. Der alte Sessellift, der bis vor einigen Jahren den Zugang ins Skigebiet ermöglichte, bleibt auch diese Saison eingestellt.

Fast für jeden einzelnen Skilift muss man eine andere Fahrkarte kaufen. Der Preis einer einzigen Fahrt mit den Skianlagen schwankt von 4 bis 8 Lei und kann infolge der Anzahl von Fahrten sinken. Einen gemeinsamen Skipass gibt es auf dem Gebiet nur zum Teil: Mit demselben Skipass gibt es Zulass allein auf den Borlova- und Isai-Pisten. Zwischen diesen Pisten befindet sich Nordica, die Skipiste hinter dem Felix-Hotel. Allerdings muss man aufpassen, da nicht all diese benachbarten Skipisten einen gemeinsamen Skipass haben. Für Nordica gilt ein anderer Skipass. Die 1200 Meter lange Piste wird von einem T-Bügel-Lift bedient, wobei eine Fahrt 4 Lei kostet; 75 Lei beträgt der Skipass für den ganzen Tag, nicht aber für sämtliche Pisten.

Mitte Januar wurde auch der neue Isai-Sessellift eingeweiht. Die Skianlage befördert Gäste auf eine Skipiste von insgesamt 1400 Metern. Mit dem Sessellift kostet eine Fahrt 8 Lei, zwei Fahrten kosten 15 Lei und drei 18 Lei. Ein Vollpass für den ganzen Tag kostet 85 Lei. Hier sind auch Anlagen für künstlichen Schnee vorhanden. Doch das größte Problem der Verwalter ist derzeit nicht der Schnee, sondern die Liftanlage an sich. Diese sieht etwas veraltet aus, fährt langsam und oft gibt es Situationen, in denen das Transportmittel nicht funktioniert oder wo es zu Staus kommt.
Trotzdem bleibt dies eine gute Alternative zu den vorhandenen Skipisten und Anlagen vor Ort. Der Isai-Betreiber hat noch weitere Investitionen auf dem Muntele Mic vor: Ein Fünf-Stockwerke-Hotel soll demnächst eröffnet werden. Das Hotel ist derzeit zu etwa 80 Prozent fertig gebaut, heißt es auf der Facebookseite des Betreibers (Isai Muntele Mic). Vorläufig wurde jüngst 30 Meter von der Skianlage entfernt das Restaurant „La Moara lui Isa“ eröffnet.

Neue Investitionen sind immer wieder in diesem Skigebiet zu entdecken, auch wenn es Investoren nicht immer leicht mit den Behörden haben. Dies konnte der Temeswarer Geschäftsmann Romeo Dunca neulich erleben. Auch wenn der Unternehmer und Wintersportfan mit etwa fünf Millionen Euro auf dem Muntele Mic die Skipiste Vâlsanu modern ausgestattet hat (Nachtbeleuchtung und moderner Sessellift), bleibt diese Anlage in der laufenden Skisaison geschlossen, nachdem das Rathaus Turnu Ruieni ihm die Herausgabe des Übergabeprotokolls für das Gelände verweigerte. Derzeit läuft ein Prozess in diesem Fall (die ADZ berichtete).

Viele Hürden und Unannehmlichkeiten nehmen rumänische Wochenendtouristen weiterhin auf dem Muntele Mic in Kauf. Das wissen auch die jeweiligen Geschäftsleute und Investoren vor Ort, sodass die Geschäfte weiter in „rumänischer Art“ betrieben werden. Mit welchem Recht sollte man sie auch kritisieren, wenn trotz aller erwähnten Problemen die Touristen doch kommen? Das erste Januarwochenende brachte die bisher größte Touristenzahl auf den Muntele Mic, meldeten die jeweiligen Verwalter der Skipisten im Internet. Rund 900 Autos und fast 3000 Leute besuchten an einem einzigen Tag das Wintersportgebiet – dass die Anlagen, Gasthöfe und Parkmöglichkeiten überfordert waren, ist kein Thema. Als ein Zentrum für Wintersporttourismus kann man den Muntele Mic wahrlich noch nicht bezeichnen. Nicht so lange das Gebiet bloß ein Ziel für einen Eintagestrip ist und erst das Aufwärmen für einen wahren Skiurlaub im Ausland ermöglicht. Touristen verbringen ihren Winterurlaub bevorzugt in den Wintersportgebieten in Österreich, Frankreich und Italien sowie in den benachbarten Ländern Serbien und Bulgarien, in Koaponik und Bansko. Serben und Bulgaren haben den Begriff „Wintertourismus“ schon längst kapiert und betreiben ihre Wintersportgebiete modern und organisiert.

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