BANATER KIRCHEN

Die Pfarrkirche der Inneren Stadt - Viele Persönlichkeiten des Banater Klerus waren in der „Katharinenkirche“ tätig

Mittwoch, 22. Februar 2017

Innenansicht der Temeswarer Katharinenkirche. Das Kirchengebäude ist Eigentum der Stadt Temeswar.
Foto: Mihai Botescu, 2011

Die heutige Temeswarer „Katharinenkirche“ ist eigentlich ein fast ganz neu erbautes Gotteshaus, welches 1887-1889 errichtet wurde. Am selben Ort wurde 1753-1756 eine erste Katharinenkirche innerhalb der Festung erbaut. Die Weihe der jetzigen Kirche fand am 25. November 1889, am Fest der Heiligen Katharina von Alexandrien, statt. Historisch gesehen ist diese Kirche ebenfalls ein Nachfolgebau der mittelalterlichen Katharinenkirche, die sich in der Großen Palanka befand (hinter dem heutigen Postpalais, in der Nähe des „Carmen Sylva“/Pädagogischen-Lyzeums). Hier, in der Gruft dieser verschwundenen Kirche, wurde 1317 die Königin Ungarns, Maria Katharina, die Ehefrau des Königs Karl-Robert von Anjou, bestattet.

Der angevinische König residierte 1316-1330, samt seinem Hofe, in der damals kleinen Festung Temeswar, und hatte praktisch hier, zeitweilig, seine Hauptstadt. Die mittelalterliche Kirche, die den Franziskanern der Ordensprovinz „Sanctissimi Salvatoris“ gehörte, wurde nach 1718 renoviert. Die kaiserliche Verwaltung begann aber schon 1722 Verhandlungen mit den Franziskanern, um das Gotteshaus samt dem benachbarten Kloster abzureißen, da die neue und große Stadtfestung schon im Plan war. Erst 1756 wurde die Kirche dem Abriss übergeben und so kamen auch die Söhne des heiligen Franziskus von der Großen Palanka in der Inneren Stadt, in der heutigen Bolyai János-Straße (ehemalige Pietrosul), wo sie ihre zweite Kirche, auf dem Platz einer ehemaligen Mühle, ein Geschenk der Kaiserin Maria Theresia, 1753-756 bauten. Eine leider inzwischen verlorene Darstellung des alten Klosters und der alten Kirche in der Großen Palanka, sowie parallel, des neuen Klosters und der neuen Kirche, wurde 1906 im Band des Dr. Kováts Sándor zur Geschichte des Temeswarer Priesterseminars veröffentlicht.

Der neue Sakralbau hatte ebenfalls die heilige Katharina von Alexandrien zur Schutzpatronin und wurde im Barockstil erbaut. Hier sowie im benachbarten Kloster blieben die Franziskaner bis 1806. Hier unterhielten sie auch eine öffentliche Knabenschule. Genau 150 Jahre lang war die Katharinenkirche nur eine einfache Klosterkirche. So kann man sich höchstwahrscheinlich auch ihre bescheidenen Dimensionen erklären. Erst, nachdem die ehemalige Jesuitenkirche „ad Sanctam Mariam Serenam“ (als „Georgskirche“ bekannt) zur Seminarkirche (für die im selben Jahre gegründete Römisch-Katholische Theologische Akademie) bestimmt wurde, erhielt die Katharinenkirche den Status einer Pfarrkirche für die innenstädtische katholische Gemeinde.

Der Umbau von 1887-1889 war von so einem großen Ausmaß, dass man fast sagen kann, dass die alte Kirche, aus dem 18. Jahrhundert, neu erbaut wurde. Allein die heutige Sakristei ist ein Rest des alten Sakralbaus. Die Katharinenkirche wurde dem neuklassischen Stil angepasst, behielt aber eine ganze Reihe von barocken Kirchengerätschaften, dekorativen Elementen und Möbelstücken. Der Turm ist 39 Meter hoch. Die Glocken der Kirche wurden im Ersten Weltkrieg für Kriegszwecke requiriert, so dass sich heute nur noch eine einzige im Turm befindet. Das Taufbecken ist aus weiß-grauem Marmor, vermutlich noch vor 1739 gemeißelt, und stammt aus einer alten katholischen Kathedrale aus Belgrad. Es wurde von Bischof Franz Anton Engl von Wagrain (1702-1777), vor dem Einmarsch der Osmanen in der Stadt, gerettet und kam später, wie sein Retter selbst, nach Temeswar. Die Orgel wurde im Jahre 1896 vom Temeswarer Orgelbaumeister Leopold Wegenstein gebaut. Das Instrument erhielt im selben Jahr den ersten Preis der internationalen „Millenniums”-Ausstellung in Budapest, die auch Kaiser Franz Josef persönlich besuchte.

In der Kirche gibt es viele Gemälde und weitere barocke Kultgegenstände, wie die Darstellungen der heiligen Katharina von Alexandrien, der hl. Mutter Anna mit der Jungfrau Maria, des hl. Franz von Assisi, des hl. Antonius von Padua oder der Kreuzigung des Herrn. Das Hauptaltarbild ist das Werk des Malers Ferdinand Schiessl. Die Kirche wurde das letzte Mal im Jahre 1976 saniert, jedoch nur im Außenbereich. Im Inneren ist die Malerei von 1889 immer noch sehr gut zu sehen.

Da diese Kirche Eigentum der Stadt Temeswar ist, genau wie das benachbarte Pfarrhaus, sind Renovierungen mit einer Unterstützung seitens der Pfarrei und des Bistums vorläufig eine schwierige Angelegenheit. Die Absicht – zumindest die des „Mieters“ – ist, diese Symbole der katholischen Präsenz in Temeswar zu bewahren. Das Pfarrhaus wurde im Laufe der Jahrzehnte, nach 1948, an verschiedene Personen vermietet, so dass man heute nur über eine relativ bescheidene Pfarrwohnung verfügt. Der Religionsunterricht innerhalb der Pfarrei wird in der Sakristei von der Franziskanerschwester Tereza Cernic abgehalten.

Im Laufe der Jahrhunderte waren hier viele Persönlichkeiten des Banater Klerus als Pfarrer oder Kapläne tätig. Einer von Ihnen war Pfr. Josef Brand (1841-1909), passionierter Physiker und Pionier der banater Photographie, ein Freund Josef Kossáks. Der Generalvikar des Bischofs Augustin Pacha (1870-1954), Josef Plesz (1880-1969), ebenfalls ein Bekenner des katholischen Glaubens in den kommunistischen Gefängnissen, war ebenfalls hier Pfarrer. Genau wie der spätere innenstädtische Seelsorger, Ferdinand Hauptmann (1913-1989), war Generalvikar Plesz eine Zeit lang, 1950-1951, auch „Ordinarius substitutus“ des Bistums Temeswar. Ordinarius Hauptmann (1981-1983), der als solcher nie vom kommunistischen Staat anerkannt wurde, war ein großer Verehrer der Musik und unterstützte in seiner Pfarrei ein reges musikalisches Leben.

Hier werden heilige Messen in deutscher, rumänischer, ungarischer, slowakischer und englischer Sprache zelebriert. Als Pfarrer ist hier Generalvikar Msgr. Johann Dirschl ernannt. Die Pfarrei hat auch einen Kaplan in der Person des jungen Seelsorgers Mihai Milan M. Sima. Der emeritierte Pfarrer, Josef Hajdu, hilft hier ebenfalls oft aus.

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