Bedrohliche Populismusfalle

Donnerstag, 16. Mai 2019

Populismus, das ist eine politisch unkonventionelle und richtungsunabhängige Ideologie, die von extrem rechts bis extrem links existiert (Lenin war ein Populist, auch Hitler, beide skrupellos, primitiv, geschickt). Populismus verspricht umsetzbare Sofortlösungen für soziale Tagesprobleme, weckt (und nutzt) Emotionalität und verwendet affektive Symbolik, weshalb umfassende Vernunft-Lösungen gar nicht erst gesucht werden. Für Populismus sind Vernunft-Blitze Hindernisse.


Populismus polarisiert bewusst, schafft gezielt soziale Gräben und begünstigt bipolare Gesellschaftsspaltungen (meinen Cas Mudde und Guy Hermet): hie Patrioten, da Vaterlandsverräter; hie Freunde des Volkes, da „Sorosisten”; hie fleißige Vaterlandsväter, da Opposition, die alle „Errungenschaften der Guten” rückgängig machen will; hie Hinwendung zum Geist Europas („eigentlich” der „papistași”, der Papstanhänger), da Neigung zum orthodoxen Osten, „der schon immer zu uns, als urchristliches Volk, am besten passte”; hier Kommunismus („wo eigentlich nicht alles gar so schlecht war”), da Antikommunismus (sprich Kapitalismus: der Westen will, dass wir unser Land verkaufen, unsere Kinder ihm überlassen, ihm unsere Bodenschätze gratis geben usw.)


Das Polarisierungsspektrum, das vom Populismus gefördert und erweitert wird, ist viel breiter (arm-reich, jung-alt, unternehmerisch-sozialleistungsabhängig, gebildet-ungebildet, ländlich-städtisch, Mittelklasse-Unterklasse usw, usf.,). Herausgegriffen wurden in obiger Aufzählung vor allem jene Gegensatzpaare, die von rumänischen Populisten eifrig bemüht werden. Es gibt zudem den Makrogegensatz zwischen einem zivilisierten europäischen Geist, wo europäische Spitzenpolitiker sich wie ganz gewöhnliche Hermannstädter (oder Gelegenheitstouristen) über den Großen Ring bewegen und die primitiv-schäbigen Gegendemos der (ungezwungen die Strafecke besetzenden) PSD-Chefs Liviu Dragnea und Vasilica Dăncilă (die von Polizei- und Sicherheitskohorten vor der Wut der gegen sie Angetretenen geschützt werden mussten und die zurecht vom europäischen Großereignis in Hermannstadt von ihrem eigenen Parteienbund dazu nicht eingeladen wurden – deren populistischer Gegenschlag lautet: Präsident Johannis habe sie ausgeladen). „Rache ist die Waffe der Dummen”, besagt ein rumänisches Sprichwort. Wir haben vergangenen Donnerstag Rachedemos der PSD-Spitzen gesehen... Alle Achtung vor jenen Jassyern, die mutig zu Gegenprotesten angetreten waren!


Lesenswert zum Thema Populismus (für das es keine allgemein akzeptierte Definition gibt, so dass der Begriff diffus und ambivalent bleibt, er aber nichtsdestotrotz sozial-politisch wirkt) ein jüngst erschienenes Buch: Robert Adam - „Două veacuri de populism românesc”/ „Zwei Jahrhunderte rumänischer Populismus”, Humanitas, 2018, 296 Seiten. Es ist die zum Buch umgearbeitete (und ins Rumänische übersetzte) Doktorarbeit des jungen Forschers.


Robert Adam bündig: „Populismus ist die Überbewertung des Volkes zuungunsten der Eliten”. Dass er das Buch im Populismus-Superjahr 2018 („Hundertjahrfeier”) in rumänischer Sprache veröffentlichte, kann kein Zufall sein.
Adam beweist, dass man ab 1821 auf dem späteren Gebiet Rumäniens, am massivsten in Großrumänien nach 1918, den Populismus konsequent instrumentiert hat (am schlimmsten: den Mythos Eminescu), quer durch Kultur- und Politikströmungen, und dass sich seine Kurz- und Langzeitfolgen im öffentlichen Raum mühelos identifizieren lassen. Adam weist nach, dass die neuzeitliche Geschichte Rumäniens mittels des Sachschlüssels Populismus neu interpretiert werden kann – der Leser versteht: was wir heute an Populismus-Exzessen der Politiker erleben, ist nichts Neues.
Die größte Bedrohung laut Adam: wenn der Populismus durch künstliche Intelligenz hochgezüchtet wird, mutiert er zur hinterlistigen Propaganda.
Das steht zu befürchten.

 

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 17.05 2019, 11:56
Populismus war für die Griechen ein anderes Wort für Demokratie.
Was soll dieses BRD-typische Haargespalte über ein Wort hier in der ADZ?

Die ADZ verkommt immer mehr zu einem Präsentationsorgan für Naivitäten und Blödheiten unbedarfter Autoren "Journalisten" will ich solche Leute nicht nennen.

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