Beeindruckende Eröffnung der ersten Haferland-Kulturwoche

In Deutsch-Kreuz wurden nach Renovierungen Kirche und Thois-Orgel wiedereingeweiht

Donnerstag, 01. August 2013

Bischof Reinhart Guib (Mitte) zusammen mit dem Repser Pfarrer Siegmar Schmidt (links) und Pfarrer Kurt Boltres bei der Einweihungshandlung während des Festgottesdienstes.

Die Kronstädter Korona-Tanzgruppe führte deutsche Volkstänze auf.

Michael Schmidt und Peter Maffay erwarten voller Zuversicht zusammen mit Dr. Bernd Fabritius (von rechts nach links) den Auftakt zur ersten Haferland-Kulturwoche.

Die Deutsch-Kreuzer Thois-Orgel – eine wertvolle, nun gerettete Orgel.
Fotos: Ralf Sudrigian

Am Sonntag, dem 28. Juli, war Deutsch-Kreuz/Criţ der Mittelpunkt des Haferlandes, diesmal vielleicht aber auch eines weit größeren Umfeldes. Bereits Stunden vor Beginn des Festgottesdienstes füllten sich die Straßen im Dorfzentrum mit Pkws der angereisten Gäste. Die Burzenländer Blaskapelle spielte schon ab 10 Uhr auf - die Blasmusik und später das Glockengeläut kündigten den Festtag an. Es sollten gut über 600 Teilnehmer zu dieser Veranstaltung eintreffen. Rund ein Sechstel der Anwesenden waren Deutschkreuzer, fast alle von ihnen aus Deutschland zum ersten Heimattreffen der HOG in Deutsch-Kreuz angereist.

Unter den Teilnehmern waren Persönlichkeiten des Landesforums anwesend (DFDR-Vorsitzender Dr.Jürgen Porr, Unterstaatssekretärin Christiane Cosmatu, DFDKK-Vorsitzender Wolfgang Wittstock) sowie aus der Führung der evangelischen Landeskirche (Bischof Reinhart Guib, Landeskirchenkurator Friedrich Philippi, Alt-Bischof Dr. Christoph Klein). Selbstverständlich fehlten jene nicht, denen die erste Auflage der Haferlandwoche zu verdanken ist: Peter Maffay und Michael Schmidt – die Initiatoren, durch ihre Stiftungen, dieser Veranstaltungsreihe.

Ein weiterer Mitveranstalter, der Verband der Siebenbürger Sachsen war durch seinen Vorsitzenden, Dr. Bernd Fabritius, auf höchster Ebene vertreten. Als Ehrengäste aus Hermannstadt begrüßt wurden der deutsche Generalkonsul Thomas Gerlach sowie der Hermannstädter Oberbürgermeister Klaus Johannis. Unter den Teilnehmern konnten auch weitere Persönlichkeiten aus der Politik (Senator Mircea Geoană, der Abgeordnete Bogdan Niculescu Duvăz), der Wirtschaft und der Kulturszene erkannt werden. Die überraschend große Resonanz des „Sachsentreffens“ in Deutsch-Kreuz, (wie diese Veranstaltung inoffiziell und spontan benannt wurde) ist wohl dem Bekanntheitsgrad der Hauptveranstalter zu verdanken, wie auch der Tatsache, dass diese Veranstaltungsreihe unter der Schirmherrschaft von Dr. h.c. Susanne Kastner, Vorsitzende der Deutsch-Rumänischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages, steht.

Der bekannte Politologe und Journalist Emil Hurezeanu sagte gegenüber der KR, Deutsch-Kreuz sei dank dieses Fests zu „einem Ort der Erinnerungsgemeinschaft“ geworden. Er sei froh und überrascht, nach langer Zeit, so viele Leute aus so verschiedenen Orten und Bereichen bei so einer Veranstaltung anzutreffen. „Wenn es wieder solche Orte der Gemeinschaftserinnerung gibt, wie es die mittelalterlichen Kirchenburgen, Kirchen, und die damit verbundenen Feste sind, so bedeutet das auch eine Chance, dass wir im vereinten Europa wieder zusammenfinden“, so Hurezeanu. Rumäniens Botschafter in Berlin, Lazăr Comănescu, hob die Brückenfunktion der deutschen Minderheit aber auch jene der ausgewanderten Siebenbürger Sachsen in den rumänisch-deutschen Beziehungen hervor. „Ich bin sehr froh, an so einer schönen Veranstaltung teilnehmen zu können. Ich bin der rumänische Botschafter in Deutschland. Aber Michael Schmidt und Peter Maffay sind es auch“, sagte uns der Botschafter auf Deutsch.

So wurde die von der EU geförderten Kirchenburg zu einer Stätte der Begegnung, was sowohl in der Kirche als auch bei den anschließenden Ansprachen wiederholte Male hervorgehoben wurde – sowohl auf Rumänisch als auch auf Deutsch. Dr. Bernd Fabritius begrüßte die Tatsache, dass in Siebenbürgen sächsische Kultur und Traditionen lebendig bleiben; Dr. Jürgen Porr unterstrich etwas ganz Besonderes: gleichzeitig konnte eine evangelische Kirche und ihre wertvolle Orgel wiederhergestellt und eingeweiht werden. Und das geschieht in einer kleinen Ortschaft, die noch vor vier Jahren abgelegen und vergessen war, praktisch der „Versunkenheit“ preisgegeben, wie Landesbischof Reinhart Guib in seiner Festpredigt festhielt.

In derselben Predigt vor einer vollen Kirche unterstrich der Bischof: „Gott hat aber noch viel mit uns vor.“ Es ginge um eine Weichenstellung, um neue Wege, deren wir uns einzeln aber auch als Gemeinschaft in Gottesvertrauen bewusst sein sollten. Peter Maffay griff diesen Gedanken auf, als „absoluter Optimist“, der aber nicht realitätsfremd sei, wie er der KR erklärte. In Bezug auf den Zusammenhalt, ohne den nichts erreicht werde, sagte er: „Es schwingt immer ein bisschen Sentimentalität mit. Aber es bleibt dabei. Das bestätigt sich immer mehr. Aus allen Teilen der Gesellschaft kommen Leute zusammen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: nämlich diese Geschichte, diese Lebenskultur zu respektieren, lebendig zu machen. Und das fängt an zu gelingen.“

 Die einmalige siebenbürgische Landschaft habe „unglaublich viel zu bieten: menschlich, kulturell, geschichtlich in jeder Form. Das muss man für die nachkommenden Generationen erhalten.“
Dieser Aufgabe hat sich auch die „Michael Schmidt Stiftung“ verschrieben. Michael Schmidt hatte nämlich den Vorschlag, als er von Peter Maffay von dem „Tag der offenen Türen“ in Radeln hörte (am Samstag im Programm der Haferland-Woche), auch andere Ortschaften dieses Gebietes („Haferland“) in eine Veranstaltungsreihe mitaufzunehmen. Das sind: Bodendorf, Meschendorf, Deutsch-Kreuz, Deutsch-Weißkirch, wobei auch Reps hinzukommt. „Ich bin zufrieden. Wir hoffen, dass alles gut läuft“, fasste Michael Schmidt die ersten Eindrücke zusammen, wobei er auch viel Wert darauf legte, dass für das leibliche Wohl sämtlicher Teilnehmer gesorgt wurde (die Stiftung spendete nämlich das Festessen).

Über weitere Pläne der Stiftung für seine Heimatgemeinde Deutsch-Kreuz sagte Schmidt auf KR-Anfrage: „Was wir uns vorgenommen haben, werden wir fertigbringen. Leider gab es dieses Unglück mit dem ehemaligen Pfarrhaus. Wir haben inzwischen aber alle Genehmigungen und werden das Haus genauso herrichten, wie es war.“ Dafür werden alle Kräfte konzentriert, sodass andere ursprüngliche Projekte (die der Kirchenburg direkt benachbarte ehemalige deutsche Dorfschule, heute eine Bauruine, als Pension einzurichten) wohl noch aufgeschoben werden müssen.

Dipl.-Ing. Karl Hellwig dankte in seiner Ansprache all jenen von nah und fern, die zum Gelingen dieser Renovierungen beigetragen haben, sei es durch Spenden, Arbeitseinsatz, moralische Unterstützung oder auch … durch Kritik, die die Verantwortlichen aufmerksamer und pünktlicher gemacht hätten. Ein besonderer Dank ging an alle Deutsch-Kreuzer aus dem Dorf aber auch von der HOG Leitung (Vorsitzender Johann Hellwig und der ehemalige Vorsitzende, gegenwärtig Ehrenvorsitzender Johann Imrich).

Blasmusik und die Aufführung der Kronstädter Korona-Tanzgruppe sorgten für den Folklore-Teil des Festes – der Beweis, dass die sächsische Volkskunst weiter lebt. Nicht nur, aber besonders dafür, gab es reichen Applaus. Die Wanderausstellung mit Roll-ups, mit Fotos und Begleittexten zu den Haferland-Ortschaften, zusammengestellt unter Leitung von Dr. Martin Rill (auch als Teilnehmer in Deutsch-Kreuz mit dabei) war im Eingangsbereich der Kirchenburg zu sehen. Sie und auch das Dorfmuseum in Räumlichkeiten der Wehrmauer untergebracht (mit alten Werkzeugen und Haushaltsgegenständen sowie Fotos und Malereien), sprachen vor allem von der Vergangenheit aber auch von der Gegenwart dieses ehemals sächsischen Dorfes.

Am Nachmittag folgte ein besonderes Festkonzert zu Ehren der Thois-Orgel ,die nun zu ihrem 200-jährigen Jubiläum, gleichzeitig auch das Jubiläum der Deutsch-Kreuzer Kirche, mit klarem, sauberem Klang die Zuhörer und Gottesdienstteilnehmer erfreuen kann. Das Konzert bestritten an der Orgel Steffen Schlandt, Ursula Philippi, Wilhelm Schmidts und Klaus Untch begleitet von einem Projektchor mit Sängerinnen und Sänger aus Kronstadt und Hermannstadt (Solisten Melinda Samson, Sopran, und Wilhelm Schmidts, Bass) sowie ein Kammerorchester (Solist Horst Schuster, Klarinette), beide unter Leitung von Kurt Philippi.

Der Dirigent schlüpfte gekonnt auch in die Rolle eines erzählenden Moderators, als es um die Geschichte eines aus Schweischer stammenden Organisten ging, der auch an dieser Orgel gespielt hat. Einleitend hatte Ferdinand Stemmer die Orgel anhand von Musikbeispielen von Steffen Schlandt vorgestellt. Die Orgel wurde nämlich unter Leitung von Ferdinand Stemmer und Barbara Dutli von den Mitgliedern der Honigberger Orgelbauwerkstatt restauriert. Es war ein interaktives Konzert, weil auch die Zuhörer bei drei Liedern durchs Mitsingen einbezogen wurden. Dank moderner Technik konnte das Publikum auf einem Großbildschirm auch die Organisten an der Altarorgel mitverfolgen, da ansonsten aus dem Kirchenraum kein Sichtkontakt besteht.

Kommentare zu diesem Artikel

Paul Schuster, 22.01 2014, 14:05
Lieber Herr Hedrich,

gerne glauben wir Ihre Behauptungen, fordern Sie aber auf, schriftliche Beweise vorzulegen.
1. Es ist schriftlich bewiesen, daß das Pfarrhaus in Deutsch-Kreuz kein Denkmal war.
2. das Pfarrhaus ist während der Renovierungrarbeiten zum Teil eingestürzt, worauf hin der originalgetreue Wiederaufbau des Hauses beschlossen wurde, unter Verwendung der noch brauchbaren Materialien vom alten Haus.
Sind sie nur Neidisch oder was ist Ihr Problem? Unlängst hat Sie jemand gefragt, was mit dem Pfarrhaus in Waldhütten geschehen ist und das Thema scheint Ihnen wohl zu uninteressant, weil Sie dafür nicht bezahlt werden. Sie werden dafür bezahlt, die gesamte Gesellschaft zu beschmutzen ohne aber eigene Leistungen vorweisen zu können. Sie sind eine bedauernswerte Gestalt.
Name egal!, 06.08 2013, 20:33
Hans Hedrich´s Erörterung ist korrekt in der Ausführung, aber etwas zu boshaft ausgedrückt. Bemüht euch, in ein paar wenigen und kurzen Sätzen ein Problem aufzudecken. Zum Beispiel so: Bischof Reinhart Guib ist eine Führungsperson, die leider nicht in der Lage ist, selbstständig gesellschaftspolitische Position zu beziehen. Im Gegenteil, er wird seinerseits von anderen Leuten in Position gerückt, wie eine Spielfigur. Hat sich einen Bestechungs-BMW andrehen lassen und schafft es nicht, über der misslungenen und korrupten Politik zu stehen, die ihn und uns alle umgibt. Schade, dass so jemand die evangelische Kirche A.B. in Rumänien führt und auch noch von links und rechts unterstützt wird. Da liegt der Hase im Pfeffer, nicht in den schon geschehen Unfällen mit verbranntem Pfarrhaus, etc.
hans hedrich, 05.08 2013, 18:19
Waere die Haferland-Woche keine offensichtliche Imagewaesche der Denkmalabreisser der MSS und der sie unterstuetzenden moralisch/ethisch verirrten saechsisch-rumaenischen VIP-Seilschaften gewesen, gaebe es an der Veranstaltung nichts zu bekritteln. Im Gegenteil: die Organisatoren waeren zu beglueckwuenschen (gewesen), denn konstruktive und kreative Impulse sind fuer die Belebung abgelegener Kulturregionen mehr denn je gefragt.

Michael Schmidt beweist jedoch durch seine Aussagen waherend der Kulturwoche wieder einmal, was er von der Wahrheit und der Einhaltung der Gesetze im Bereich Denkmalschutz haelt: wenig bis gar nichts - seine Aussage, die MSS haette alle fuer den Wiederaufbau des Pfarrhauses benoetigten Genehmigungen beisammen, ist hoechstwahrscheinlich eine neue monumentale Luege seinerseits. Trotz unserer Recherchen konnten wir die Genehmigung des Kulturministeriums fuer das Wiederaufbauprojekt NICHT finden.

Mein persoenliches Fazit: Die MSS mit ihrem Abriss des Pfarrhauses 2012, die Tabaluga-Stiftung mit ihrem denkmalschaenderisch-gutsherrenhaften Getue in Radeln, der Mihai-Eminescu-Trust mit seiner Unterstuetzung der MSS- und Tabaluga-Veranstaltung entgegen besseren Wissens, der Herr Bischof mit seinem Festklammern an korrupten BMW-X5-Geschenken seitens der MSS, der Genosse Karl Hellwig mit seinem balkanesisch-schmierigen Herumscharwenzeln um den Talar des Bischofs und anderer Kirchenmaechtigen, der Herr Dr. Fabritius mit seinem obsoleten Brueckenbauerdiskurs von MSS-Gnaden - sie alle sind mit diesem ihrem Tun auf dem morschen Holzweg in die Sackgasse, selbst wenn die massenmanipulatorische Meisterleistung der Haferland-Tage bei den nichtsahnenden oder nichtwissenwollenden Gaesten darueber hinwegzutaeuschen vermag.

Moechte hiermit auch den wesentlichen Beitrag des Vereins Neuer Weg zum Gelingen der Hafrland-Veranstaltung hervorheben: Durch unser bewusstes Fernbleiben und den Verzicht auf eine Informations- und Protestaktion haben wir den Gaesten die Freude und die Illusionen nicht getruebt und das Image des straffaelligen BMW-Dealers Michael Schmidt und seiner zu Komparsen umfunktionierten Unterstuetzer in Kirche und Politik nicht zusaetzlich laediert. Dadurch haben wir unseren Teil zum Erhalt des saechsischen geistigen Erbes des Verschweigens und Vertuschens von Missstaenden sowie des Herumkluengelns mit zweit- bis drittklassigen Maechtigen beigetragen... ;-)

Hans Hedrich
stellvertretender Vorsitzender
Verein Neuer Weg
Fogarasch
St. Änkerer, 01.08 2013, 19:06
Is doch alles schön gewesen, nicht wahr? Ganz besonders erhebend war die Anwesenheit von M.(elonen-) Geoana und seiner "Mihaela, dragostea mea". Nächste Irritation: gibt es jetzt auch bei uns Evangelischen den "sobor de preoti" bei jeder Gelegenheit?
D. Enker, 01.08 2013, 17:40
Wie gut, dass das Pfarrhaus nach dem Unglück (gemeint ist wohl der Kauf durch die Stiftung???) nun wieder hergerichtet wird.
Nennt man einen Neubau nach einem Abriss (oder Zusammenprall) neuerlich Herrichtung?

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