BEGA! Eine Performance mit Temeswarern für Temeswarer

Die britische Gesellschaft MotionHouse trägt zur Choreografie bei

Donnerstag, 22. März 2018

Vertreter der MotionHouse-Gesellschaft kamen Ende Februar nach Temeswar. Hier setzten sie sich mit lokalen Kulturschaffenden zusammen, um das Thema und Szenario einer komplexen Performance auf der Bega zu entwickeln.

Das Konzeptthema des Kulturhauptstadtjahres 2021 in Temeswar ist klar: „Shine your light! Light up your city“ (deutsch: Lass dein Licht ans Licht kommen! Beleuchte die Stadt!). Verstanden wird das etwa so: Lass den Stadtgeist ans Licht kommen und werde auch du Mitglied der Temeswarer Gesellschaft und Teil des Programms. Das erklären die Vertreter des Vereins „Temeswar Kulturhauptstadt Europas 2021“ immer wieder.

Die Stadt soll nun in diesem Jahr Teil eines der größten Projekte werden, die vom TM-2021-Verein in der Start-Up-Etappe organisiert werden: Eine Performance auf der Bega, unter Mitwirkung der britischen Theatergesellschaft MotionHouse, in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kulturgruppen aus Temeswar. Die Vertreter der Theatergesellschaft MotionHouse kamen Ende Februar nach Temeswar, um Ideen zu sammeln, Leute kennenzulernen und die ersten Schritte im Hinblick auf das Großevent „BEGA!“ zu unternehmen. Dabei trafen sich die Kulturschaffenden mit zahlreichen Gruppen aus Temeswar, die Teil der Performance sein wollen. Einige Hundert Menschen sollen dazu beitragen, dass der Bega-Kanal Anfang Oktober zu einem Schauplatz für Musik, Tanz und Aufführungen wird.

Das Programm für performative Kunst ist ein Konzept von PLAI, den Veranstaltern des Worldmusic-Festivals im Dorfmuseum von Temeswar, zusammen mit der kreativen Gemeinschaft der Stadt. Ziel des Konzepts ist es, die Bega-Ufer attraktiver zu gestalten und dabei die Bürger von Temeswar heranzuziehen.

Das Projekt wurde im Hinblick auf die Kandidatur Temeswars für den Titel einer Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2021 entwickelt. Das war auch eines der Hauptprogramme bei der Bewerbung der Stadt. Das Projekt wurde ursprünglich unter dem Namen „Mega Bega“ vorgestellt und beinhaltet Projekte und verschiedene künstlerische Aktionen, die den Bega-Kanal in den Vordergrund rücken lassen. All diese sollen bis 2021 durchgeführt werden. Ab 2022 wird dann „BEGA!“ alle zwei Jahre stattfinden.

Der Hauptgedanke des Projekts ist, Temeswarer Kulturschaffende mitwirken zu lassen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, verschiedene Ideen zum Ausdruck zu bringen und ihre Werke und Projekte der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen – auch außerhalb der Kulturräume, mitten in der Gesellschaft, heißt es seitens der Initiatoren. „Der Einsatz von BEGA! im Kontext von TM2021 geht weit über eine künstlerische und kulturelle Handlung hinaus. Das Projekt hat soziale und sogar infrastrukturelle Auswirkungen“, sagen die Veranstalter weiter.

Das Projekt verläuft in Etappen: Die erste dieser Etappen ist, den ehemaligen Flusshafen der Stadt (in der Gegend der ehemaligen Solventul-Fabrik) wiederzubeleben. Die Performance zielt darauf ab, eine gegenwärtige Geschichte der Stadt zu erzählen, wobei die Schauspieler Bürger der Stadt sind. Alles wird von Kevin Finnan MBE, Choreograf der Paralympischen Spiele in London 2012 und künstlerischer Leiter der britischen Gesellschaft MotionHouse, koordiniert. Die Musik wird die Britin Sophy Turner in Zusammenarbeit mit lokalen Musikern komponieren.

Über 300 Leute aus Temeswar werden Teil von BEGA! 2018 sein. Die ersten Schritte in dieser Hinsicht wurden bereits gemacht. Der britische Choreograf und die Komponistin kamen nach Temeswar und trafen Vertreter der lokalen Gruppen und Vereine: Unfold Motion, Tango Timi{oara, Timi{oara Gospel Project, Kratima, Prin Banat, Cries, Solidart, I.S.O.T, Ceva de Spus und În Comunitate. All diese Temeswarer Kulturgruppen werden ihre Projekte umsetzen, die dann Teil des Großprogramms sein werden. Im Mai werden die ersten Workshops und Werkstätten in dieser Hinsicht stattfinden, wobei solche aber auch kleinere, individuelle Aufführungen das ganze Jahr über organisiert werden.

Noch steht das genaue Thema der BEGA!-Performance im Oktober nicht fest. „Unsere Absicht ist, Spaß zu haben; Spaß mit den Bürgern aus Temeswar“, sagte Kevin Finnan bei seinem Besuch in der Bega-Stadt. „Im Sommer kehre ich mit einem konkreten Szenario zurück. Bis dahin werden wir noch Ideen sammeln“, setzte der Choreograf fort. Allein einzelne Elemente wurden bisher festgelegt: Hundert beleuchtete Drohnen (in Zusammenarbeit mit dem Temeswarer Unternehmen Symme3D), zwei Kräne, Videoprojektionen, Boote und Lastkähne sowie andere technische Elemente werden Teil der Performance sein, die abends, nach Einbruch der Dunkelheit, am 5., 6. und 7. Oktober gezeigt wird.

„Die Bega teilt die Stadt, doch steht sie auch im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit? Die Bega kann auch eine Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft darstellen“, betonte Simona Neumann, die Geschäftsführerin des Vereins „Temeswar Kulturhauptstadt Europas 2021“. „Diese Show soll als ein Vermächtnis für die Stadt nach dem Jahr 2021 bleiben“, so Simona Neumann.

Die Theatergesellschaft MotionHouse wurde 1988 von Louise Richards und Kevin Finnan MBE gegründet. Die Gesellschaft verbindet Theater und Tanz mit Akrobatikelementen und hat im Laufe der Jahre bereits Produktionen rund um die Welt auf die Beine gestellt. Unter anderen wurde MotionHouse mit der Choreografie der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele, London 2012, beauftragt. Für diese Leistung wurde Kevin Finnan zum MBE (Member of the Order of the British Empire) erklärt. Dies ist ein britischer Verdienstorden, der 1917 von König Georg V. gestiftet wurde. Kevin Finnan hat bereits Erfahrung mit europäischen Kulturhauptstädten. Im Vorjahr hat der Choreograf die Show „Watermusic“ – eine Freilichtshow zum Anlass der Eröffnungsfeier der europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2017, Aarhus in Dänemark – konzipiert.

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