„Bega! Lumen“

Performance soll alten Hafen wiederbeleben

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Die Temeswarer mussten den Treffpunkt zunächst wiederentdecken: der Hafen der Stadt. Foto: Zoltán Pázmány

Samstagabend fuhren mehr Autos als gewöhnlich Richtung Nordbahnhof und Silo, in der Josefstadt rumorte es und Straßen wie Crizantemelor oder Mangalia, die sonst kurz vor 20 Uhr verschlafen daliegen, waren nun animierter denn je zuvor. Es hatte sich herumgesprochen, dass der Freitagabend ein Erfolg war.

Die Temeswarer haben sich am Wochenende erinnert, wo der alte Hafen der Stadt liegt. Das war auch der eines der Vorhaben, die sich die Veranstalter der Performance-Show „Bega Lumen!“ gesetzt haben. Denn mit der Lichter-, Tanz- und Akrobatik-Show, die an drei Abenden präsentiert wurde, sollte eigentlich auf einen zurzeit wenig besuchten Teil der Stadt aufmerksam gemacht und ein Stück Geschichte beleuchtet werden, das vorwiegend den Alttemeswarern noch gegenwärtig ist.

Das Kulturzentrum PLAI hat in Zusammenarbeit mit mehreren Vereinen und Institutionen aus Temeswar sowie mit Unterstützung der Stadt die Performance produziert, die eines der Kernprojekte für Temeswar 2021 darstellt: „Bega!“ Dieses Jahr war es „Bega! Lumen“, wodurch noch einmal auf das Motto der Kulturhauptstadt hingewiesen wurde: „Erhelle deine Stadt!“ Lokale Kulturakteure sind unter der Choreographie von Kevin Finnan, dem Choreografen der paralympischen Spiele in London, künstlerischer Leiter von „Motionhouse“, die Musik wurde von Sophy Smith und Cári Tibor komponiert, für das Videomapping war die baskische Firma Logela zuständig.

Kurzgefasst ging es in der Show um die Stadtgeschichte auf Fast Forward gedrückt angefangen mit der Geburt des Hafens und der damaligen Normalität des Reisens und des Austauschs, die Tänzer, die an der Show teilgenommen haben, nahmen Abschied voneinander, winkten sich zu, nahmen Reisegepäcke mit. Es sollte ein lebhafter Hafen gezeigt werden, die Vaporetti und ein paar Boote sollten dies aufzeigen, der Effekt blieb etwas dürftig. Es folgte – im Fast-Forward-Modus die Zäsur, die der Kommunismus brachte: Plötzlich waren graue Wohnblocks wie ein schlechtes Pattern auf dem Gebäude projiziert, dann die traurige Erinnerung an die Feiern, die den Persönlichkeitskult füttern sollten, die Fahnen des 23. August und die Menschen, die wie Rädchen in einem Mechanismus aneinandergereiht standen. Ein weiterer Einschnitt bedeuteten die für Temeswar in den 1980er Jahren symbolischen Antennen, die Menschen änderten die Orientierung der Antennen, holten sich die Information aus anderen Quellen, sahen und hörten anders, lernten anders. Diese Andersartigkeit brachte dann das Licht. Und plötzlich ist der Hafen wiederbelebt, bunter und leuchtender denn je, modern, lebensbejahend, strahlend.

Nicht nur die Lichtershow und das Video-Mapping haben zur Vorstellung entscheidend beigetragen, die wahrscheinlich bedeutendsten Momente mit Aha-Effekt bot die Akrobatik, die mit Hilfe zweier riesiger Kräne durchgeführt werden konnte, als beispielsweise vier Fahrräder samt Radfahrer aufgehoben wurden und in der Höhe ein Ringelspiel ergaben.

Das Publikum war so zahlreich erschienen, dass nicht nur die offiziell für die Zuschauer vorgesehene markierte Zone besetzt war, sondern auch das Ufer der Bega. Nächstes Jahr soll im alten Hafen wieder eine Performance stattfinden. So lässt sich auch eines der Hauptzwecke des Gesamtprojektes der Kulturhauptstadt erkennen, Stadtteile wiederzubeleben, ihnen eine Stimme verleihen.

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