Begeisterung für die Bühne

Petra Antonia Binder betreut die neue Theatergruppe des Honterus-Lyzeums

Donnerstag, 22. Februar 2018

Petra Antonia Binder leitet seit Oktober 2017 die Theatergruppe des Honterus-Lyzeums.

Teambuilding in Măgura

Aufwärmungsübungen vor den Proben
Fotos: privat

Experten sind sich einig: Theaterspielen hat einen positiven Effekt auf die intellektuelle, emotionale und soziale Komponente der Persönlichkeit. Man lernt nicht nur deutlich und artikuliert zu sprechen, sondern auch, sich in eine Gruppe einzufügen und entwickelt Selbstbewusstsein, Kreativität und Fantasie.

In den letzten Jahren gab es beim Honterus-Lyzeum die Impuls-Schülertheatergruppe. Eine Zeitlang sind die jungen Schauspieler sogar ohne Betreuer klargekommen, am Ende hatte die Gruppe jedoch keine Kontinuität mehr.

Nun wird die Theatertradition am Honterus-Lyzeum wieder aufgenommen, diesmal mit Finanzierung des Deutschen Forums. Betreuerin der neuen Schülertheatergruppe ist Petra Antonia Binder. Für die 26jährige ist es nicht das erste Theaterprojekt.
 

Sie impliziert sich aktiv in die Kronstädter Kulturszene

„Wir haben noch keinen Namen für die Gruppe gefunden. Sie wird aber nicht mehr ImPuls heißen, sondern es wird ein neuer Name sein, den die Schüler selbst bestimmen werden“, meint Petra, die seit Oktober die Leitung der Gruppe übernommen hat. Die Arbeit mit den 13 Schülern startete gleich mit einem Teambuilding in Măgura an einem Herbstwochenende. Dort haben sie unter anderen auch die Problematik des Textes besprochen, den sie in ein paar Monaten auf die Bühne bringen werden.

Im Jahr des 120. Jubiläums von Bertolt Brecht bereiten die Schüler eine Aufführung nach seiner Sammlung von Parabeln vor: Geschichten vom Herrn Keuner.

Die Dramatisierung macht Petra selbst. Die Arbeit an Theatertexten ist ihr nicht fremd. Nach einem Germanistikstudium in Bukarest absolvierte sie den Masterstudiengang „Szenisches Schreiben“ an der Bukarester Hochschule für Theater und Film (UNATC).

Vor zwei Jahren ist Petra Antonia Binder in ihre Heimatstadt Kronstadt zurückgekehrt und versucht, zusammen mit anderen jungen Künstlern aus verschiedenen Bereichen, die kulturelle Szene der Stadt aufzufrischen. Das ist ihr und ihren Kollegen auch gelungen: Mitte Februar wurde die Tanz-, Musik- und Lyrikperformance „Biofilm“ sowie „Eminescu n-a existat“, eine Performance über den rumänischen Nationaldichter, wo Petra auch mitmacht, für die Kronstädter Kulturpreise nominiert. Außerdem hat Petra vor Kurzem zwei Bücher ins Rumänische übersetzt: Burzenländer Sagen und Ortsgeschichten, koordiniert von Friedrich Beimesch und Zeidner Persönlichkeiten, herausgegeben von Helmuth Mieskes.
 

„Die Schüler sind an Politik interessiert“

In „Geschichten von Herrn Keuner“ (auch bekannt als „Geschichten vom Herrn K.“) setzte sich Brecht im Laufe von etwa dreißig Jahren mit den Themen Frauen, menschliche Tugenden und Natur in knappen Texten in oft humorvoller und überraschender Weise auseinander. „Die Texte sind sehr aktuell, es scheint, als ob sie für unsere Gegenwart geschrieben sind“, meint Petra.

Bevor sie sich für die Brecht-Adaptation entschloss, hat sie viel mit den Schülern über Gesellschaft und Politik unterhalten. „Wir haben über die Themen geredet, mit denen sich die Texte beschäftigen. Ich war beeindruckt, wie gut sie über die aktuelle politische Lage Rumäniens informiert sind. Sie sind sehr kritisch und haben wirklich eine Einstellung, was man vielleicht von 15jährigen nicht unbedingt erwartet. Viele von ihnen waren bei den Straßenprotesten dabei, obwohl sie noch kein Wahlrecht haben. Sie haben mir auch gesagt, dass sie an Geschichte interessiert sind“.
 

Ende Mai kommt die neue Aufführung

Für Petra Antonia Binder ist es nicht das erste Theaterprojekt mit Schülern. 2016 hat sie sich beim Deutschen Jugendforum als ifa-Kulturassistentin engagiert. Gemeinsam mit Jugendlichen hat sie ein Theaterprojekt umgesetzt. Das Stück „Spiegel … der Zeit“ brachte Geschichte und Gegenwart der Siebenbürger Sachsen in mehreren szenischen Lesungen vor das Publikum.

Das Stück haben die Schüler nach einer ausführlichen Dokumentationsarbeit im Honterus-Archiv, nach Gesprächen mit Historikern, Zeitzeugen, einfachen Leuten und einer Serie von Workshops, alles unter der Koordination von Binder, erarbeitet. In ihren Reisen durch mehrere siebenbürgische Dörfer haben sie viel fotografiert und gefilmt. Am Ende haben sie alle Informationen gesammelt. Letztes Jahr erschien das Stück im Aldus-Verlag, in einem von Petra Antonia Binder koordinierten Band: „Begegnung mit der Dramatik. Kronstädter Schüler schreiben Theater“. Neben dem Stück „Spiegel der Zeit“ umfasst das Buch auch andere kurze Stücke, die von den Schülern verfasst wurden.

Die Premiere der Brecht-Adaptation wird Ende Mai stattfinden. Bis dahin ist jedoch viel zu tun. „Es wird nicht einfach sein, was sie machen. Vorläufig sprechen wir über die Personen, die sie spielen werden. Sie versuchen, diese Personen zu verstehen. Wichtig ist, dass sie ein Team werden, dann arbeitet man anders auf der Bühne zusammen. Sie unternehmen auch privat viel“, meint Petra.

Die neue Schülertheatergruppe des Honterus-Lyzeums besteht aus Schülern der 9. und 11. Klasse: Ghiţă Miruna Maria, Negrea Maria Claudia, Antohe Brianna, Druia Lorena Elena, Vulcan Alexandra, Oltean Flavia, Tontsch Antonia, Ducaru Remus George, Adam Alexandru, Ionescu Tudor, Oancea Alexandru, Călin Teodora, Predoiu Mara.

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