Bei Investitionsplänen: Ausländer zaudern und zögern

Schlechte Konjunktur, aber auch Hausgemachtes sind die Gründe

Samstag, 31. März 2012

Niederlassungsexpansion heißt für Continental auch Kontakte zur Regierung pflegen. Im Archivfoto: Christian von Albrichsfeld (rechts) mit Ex-Premier Emil Boc. Foto: Zoltán Pázmány

Die ausländischen Direktinvestitionen in Rumänien befinden sich seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise auf einer schier endlosen Talfahrt. Der Unternehmer aus dem Bereich erneuerbare Energien verschiebt seit fast einem Jahr immer wieder seine Niederlassungsgründung in Rumänien, ein anderer ist zwar von seiner Firmenerweiterung überzeugt, getätigt wurde die Investition bisher ebenfalls noch nicht. Nur 23 Millionen Euro wurden im Januar 2012 in Rumänien von Bürgern investiert, die ihren Wohnsitz im Ausland haben. Das ist ein herber Rückgang gegenüber Januar 2011, als 376 Millionen Euro ausländisches Kapital nach Rumänien flossen. Zwar wird der Monat Januar von Experten nicht als Maßstab für das jeweilige Jahr gewertet, doch der immense Abwärtstrend lässt gewisse Prognosen zu: Die 23 Millionen zeigen eine weitere Negativausrichtung im Investitionsklima in Rumänien. Dabei war gerade die Information durch die Unternehmerwelt gegangen, dass mit dem Anstieg der Löhne in Asien, so mancher Textilunternehmer erneut einen Standort in Südosteuropa suchen könnte.

 

Bereits im Jahr 2011 wurde mit 1,9 Milliarden Euro ausländischem Kapital das niedrigste Niveau der letzten neun Jahre verzeichnet, für dieses Jahr rechnen Experten kaum mit einem Anstieg und ein Ausgleich durch rumänisches Kapital ist ebenfalls nicht in Sicht. Zwischen 2003 – 2008 war der Kapitalfluss aus dem Ausland mit einer einzigen Ausnahme stetig steigend. 2004 waren es 5,18 Milliarden Euro, 5,21 im Jahr darauf und 9,05 Milliarden im Jahr 2006. Zwar setzte der Wirtschaftsaufschwung fort, doch die Auslandsinvestitionen erhielten 2007 einen leichten Dämpfer, an heutigen Summen gemessen, sind die 7,25  Milliarden von vor fünf Jahren jedoch ein regelrechter Geldsegen. 2008 erfolgte dann der absolute Investitionsrekord der Ausländer – 9,49 Milliarden Euro waren es in dem Jahr, das Wirtschaftskrise, Einbrüche und Rezession mit sich brachte. Die Zurückhaltung innerhalb eines Jahres war nicht nur ernüchternd, sondern geradezu erschütternd. Nur noch 2,48 Milliarden Euro kamen 2009 nach Rumänien, 2,2 Milliarden waren es 2010 und wie bereits erwähnt, ist das Investitionsvertrauen weiter gesunken und betrug im vergangenen Jahr nur noch 1,9 Milliarden, etwas mehr als ein Fünftel von dem, was die Ausländer im Jahr vor dem EU-Beitritt an Geld in Rumänien investierten.

Die Wirtschaftskrise und das somit aufgebaute Misstrauen in Investitionen, steht für viele an erster Stelle, wenn nach den Ursachen für diese Situation gefragt wird. Fehlende Infrastruktur, Instabilität in der Finanz- und Rechtssicherheit, Probleme auf dem Arbeitsmarkt und im Unterrichtssystem zählen rumänische Analytiker weitere Gründe auf. Die gekappten Gehälter im öffentlichen Sektor hätten das Konsumvertrauen erheblich geschmälert, was dazu führte, dass der rumänische Arbeitsmarkt an Attraktivität einbüßte, heißt es allgemein. Unternehmer und Werksleiter aus Westeuropa sehen die rückläufigen Zahlen der Direktinvestitionen aus dem Ausland nicht als ein speziell rumänisches Problem. Der Rückgang der Direktinvestitionen in Rumänien sei vor allem durch die gesamtwirtschaftliche Lage bedingt und somit nicht ein „typisch rumänisches Problem“, sagt Christian von Albrichsfeld, Entwicklungsleiter der Continental Automotive Romania SRL. „Zur Risikominimierung haben die Unternehmen ihre Investitionstätigkeit insgesamt gesenkt, jedoch insbesondere in Regionen, in denen sie ein höheres Investitionsrisiko sehen, wozu auch Osteuropa zählt“, sagt Albrichsfeld.

Rumänien könne trotzdem seine Attraktivität als Investitionsstandort gegenüber anderen Ländern erhöhen, indem weiterhin durch Haushaltsdisziplin eine stabile Fiskalpolitik verfolgt wird, die Verkehrsinfrastruktur weiter gefördert wird (Autobahnbau von der Westgrenze nach Zentralrumänien), und die Verfügbarkeit von geeigneten Arbeitskräften auf Universitätsniveau wie auch als Facharbeiter gesichert werde, sagt der Entwicklungsleiter von Continental und setzt fort: „Kurzfristig hilft besonders eine direkte finanzielle Förderung von Direktinvestitionen und unbürokratische und schnelle Genehmigung entsprechender Anträge“. Bei Continental wird Rumänien nach wie vor als ein strategisch wichtiger Standort angesehen. In den letzten zwölf Jahren hat der Konzern in Rumänien 575 Millionen Euro investiert und die Aktivitäten sollen weiter ausgebaut werden. „Dieses haben wir durch Unterzeichnung einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) mit der rumänischen Regierung im Oktober letzten Jahres manifestiert, in dem wir unsere Absicht dargelegt haben, bei entsprechender Unterstützung der Regierung weitere 2000 Arbeitsplätze in verschiedenen Standorten zu schaffen“, so Christian von Albrichsfeld der Banater Zeitung gegenüber.

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