„Bei uns Christen ist alle Tage Ostern“

Osterbotschaft von Pfarrer Andreas Hartig, Zeiden

Sonntag, 27. März 2016

Der neugotische Altar der Kirche von Zeiden ist ein Werk des Kronstädter Künstlers Johann Barthel und wurde 1904 geschaffen. In der Mittelnische befindet sich eine Statue, die Jesus Christus darstellt.
Foto: Dieter Drotleff

Liebe Gemeinde,

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Mit diesem Ostergruß wollen wir am kommenden Sonntag uns begegnen. Unsere orthodoxen Brüder und Schwestern benutzen diesen Ostergruß nicht nur in ihren Gottesdiensten, sondern auch im Alltag. Sie bezeugen damit die einmalige Wundertat Gottes, die am Ostermorgen geschehen ist. Christus wird von den Toten zum ewigen Leben auferweckt. Christus, der als Mensch die Qualen des Todes erfahren musste, kehrt unter die Lebenden zurück.

Doch nicht nur ihm wurde das verheißen, sondern auch uns Christen, die an das Osterereignis wahrhaftig glauben. Stellen wir uns das einmal vor: Der Tod kann keine Macht mehr über uns ausüben. Er bleibt ein einfacher Pförtner, der uns nicht mehr aufhalten kann auf unserem Weg zum ewigen Leben. Das soll uns doch fröhlich stimmen, auch wenn wir diesen Vorgang mit unserer Vernunft nicht so richtig begreifen können. Ostern hat mit Glauben zu tun und weniger mit rationalen Antworten. Wer an mich glaubt, sagt Christus, der wird das ewige Leben empfangen. Das ist ja die Osterbotschaft.
Ostern also ein Freudenfest. Nach der langen Fastenzeit, die am Karfreitag, dem Tag des Sterbens Jesu am Kreuz, ihren Höhepunkt hat, leuchtet wieder das Licht in unserer Mitte auf. Aber nicht nur das Licht erhellt unsere Herzen wieder, sondern auch das Wiedererwachen der Natur zum Leben, der Frühling, unsere Familien, die wieder zusammenkommen, die Osterlieder, die Ostertraditionen. Von diesem einmaligen Ereignis wollen auch wir Zeugnis ablegen und es weitertragen und weitergeben unseren nächsten Generationen. Was Ostern bedeutet, dazu braucht es auch in diesen Tagen Zeugen. Menschen, die es anderen weitererzählen. So wie damals. Denn auch heute, so wie damals, gibt es Menschen, die die Auferstehung bezweifeln.

So bemüht sich der Apostel Paulus in seinem 1. Korintherbrief, einige vom Gegenteil zu überzeugen. Sie sagen nämlich, dass es keine Auferstehung der Toten gibt. Paulus ist darüber besorgt, denn es geht um den Kern des christlichen Glaubens. So schreibt er ihnen einen langen Brief und versucht Andersdenkende mit Argumenten zu überzeugen.
Er erinnert sie an das Evangelium, dass er ihnen verkündigt hat und das von ihnen auch angenommen wurde, „dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“
Gestorben, begraben, auferstanden, gesehen worden– so lautet auch unser Glaubensbekenntnis, das wesentlich älter ist als der 1. Korintherbrief. Paulus hat diese Worte aus der Tradition übernommen und in seinen Brief eingebaut. Interessant sind die Worte, mit denen Paulus es einführt: „Denn ich habe euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe.“ Durch die Weitergabe von überlieferten Texten hat uns der christliche Glaube erreicht. Weil es vor uns durch die Jahrhunderte hindurch Christen gab, die weitergegeben haben, was sie auch empfangen haben. Darum hatten auch wir eine Chance, Christen zu werden.

Zudem nennt der Apostel in seinem Korintherbrief auch zahlreiche Zeugen der Auferstehung. Doch wie Jesus auferstanden ist, wird nicht gesagt. Das bleibt Gottes Geheimnis.
Ihr Lieben! „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“ oder „Jesus ist von den Toten auferstanden“ kommt im Neuen Testament etwa 50mal vor, doch nirgends wird geschildert wie das passiert. Wieso wird das nicht erzählt? Es ist gar nicht mal so wichtig, wie sich die Auferstehung zugetragen hat. Wir könnten es sowieso nicht verstehen, weil das für die menschliche Vernunft unbegreiflich ist. Im Zentrum der Ostertexte steht nicht unbedingt der Prozess der Auferstehung Jesu. Vielmehr steht im Mittelpunkt der lebendige Jesus, der mit den Menschen wieder zusammen sein will. Indem er die Macht des Todes gebrochen hat, hat er sich auf die Seite des Lebens gestellt. Christus will aber den Weg des neuen Lebens nicht alleine gehen. Er möchte, dass die Menschen an diesem neuen Leben auch Anteil haben. In Galiläa nämlich, wo alles begann, will Jesus seine Jünger wieder treffen. Dort ist er ihnen zum ersten Mal begegnet. Der Auferstandene  will ihnen noch einmal Bruder unter Brüdern und Schwestern werden. Galiläa, das ist auch der Ort ihres Alltags. Dort sind sie ihrem Beruf nachgegangen, als Zöllner oder Fischer. In ihrem Alltag will Jesus ihnen begegnen.

Im Alltag begegnet Jesus uns auch heute. Er ist in unserer Nähe, wenn wir uns versammeln und Gottesdienst feiern. Er ist aber auch in der Not in unserer Nähe. In den alltäglichen Aufgaben, in den ständigen Anforderungen unseres Berufes, im Leistungsdruck der Schule, in unseren Familien. Und diese Nähe schenkt uns die Kraft, die nötigen Schritte im Alltag zu tun und unseren Lebensweg im Glauben zu bewältigen. Da hinein kommt Jesus als der Auferstandene, wenn wir uns dafür öffnen und daran glauben. Martin Luther sagte einmal: „Bei uns Christen ist alle Tage Ostern, denn der auferstandene Herr ist in unserem Alltag da.”
Das Grab ist leer. Jesus Christus kehrt zu uns zurück. Er möchte, dass wir auf dem Weg des Lebens zusammen mit ihm gehen. Sind das keine Gründe zur Freude? Christus will uns im Alltag ständig begleiten, aber auch im Tod. Auch dort will er mit uns sein. Mit dem Tod wird einmal nicht alles aus sein. Denn das neue Leben, dass Christus verheißt, wurde auch uns zugesprochen, jedem von uns. Und da wird der Kern der Osterbotschaft persönlich. Jesus Christus ist auferstanden, ich werde auch auferstehen. Das Vertrauen und die Hoffnung darauf ändern unser Leben, machen es freier und sinnvoller.
Ich wünsche uns allen, dass wir in unserem Alltag diesem Auferstehungsglauben begegnen. Denn seit Ostern hat sich etwas in unserem Leben verändert. Wir sind nicht mehr dem Tod überlassen. Christus will, dass wir mit ihm leben in alle Ewigkeit. Und genau das macht Ostern wunderbar und befreiend. Lasst uns uns daran freuen.



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