„Bei uns wird es Print- und Online-Bücher noch lange parallel geben!“

Ein ADZ-Gespräch mit Erica Oteşteanu, Direktorin der Zentralbibliothek der Universität „Politehnica“ Temeswar

Mittwoch, 07. Januar 2015

Erica Oteşteanu leitet die Zentralbibliothek der Universität „Politehnica“ Temeswar Foto: Zoltán Pázmány

Das Wintersemester 2014-2015 hat an der Universität „Politehnica” Temeswar eine Premiere gebracht: Die Zentralbibliothek der Universität ist in ein neues Gebäude gezogen, an dem man acht Jahre gearbeitet und das bisher 10,8 Millionen Euro gekostet hat. Über die moderne Bibliothek sprach mit der Leiterin Erica Oteşteanu die ADZ-Redakteurin Ştefana Ciortea-Neamţiu.


Es hat fast zehn Jahre gedauert, bis das Bibliotheksgebäude errichtet wurde. Welches waren die konkreten Schritte, die durchgeführt wurden?

Es sind weniger als zehn Jahre, wenn Sie sich strikt auf die Errichtung des Gebäudes beziehen. Denkt man aber auch an die Projekt-Phase, dann wurde allerdings schon 1996 das erste Thema in Auftrag gegeben. Ungefähr zehn Jahre hat es gedauert, nur die Baugenehmigungen zu erhalten, Aktualisierungen und Regierungsbeschlüsse kamen hinzu. Die Ausschreibung für den Bau fand 2005 statt, erst 2006 hat man mit dem Bau begonnen.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Wenn die Studenten, die Leser zufrieden sind, dann sind wir es auch.

Wie viele Leser sind zurzeit eingeschrieben?

Es sind zwischen 7000 und 8000 Studenten.

Wer hat noch Zugang zur Bibliothek außer den Studenten und Professoren? Können sich auch Auswärtige einschreiben?

Das wird im Prinzip in Zukunft möglich sein. Das war auch unsere Politik in der alten Bibliothek, jeder Bürger der Stadt konnte sich gegen eine Gebühr und eine Garantie für die etwaige Nichtrückerstattung der Bücher einschreiben. Im neuen Gebäude haben wir das System noch nicht eingeführt, wir werden es aber nachholen, damit die Bibliothek auch für Auswärtige offen ist.

Der Zugang ist – sehr modern – mit einer Karte möglich.

Jeder kann kommen, um sich die Bibliothek anzuschauen, der Zugang ist offen, für die Dienstleistungen der Bibliothek braucht man allerdings eine Karte. Das ist im Falle der Studenten der Studentenausweis, im Falle der Angestellten der Universität der Arbeitsausweis. Damit haben sie Zugang zu unserem Ausleihsystem und allen anderen Dienstleistungen, die ihnen die Bibliothek zur Verfügung stellt.

Einer der Lesesäle wird rund um die Uhr geöffnet sein. Wie kamen Sie auf dieses Angebot?

Wir haben festgestellt, dass die Studenten, die jungen Menschen im Allgemeinen, bevorzugen, nachts zu arbeiten. Da sie weder in den Studentenwohnheimen noch an den Fakultäten über die richtigen Ausstattungen und Bedingungen verfügen, haben wir uns gedacht, diese ihnen hier anzubieten.

Wie groß ist der Buchbestand der Zentralbibliothek der Universität „Politehnica” Temeswar?

Wenn es nur um die Bücher geht, dann sind es zirka 700.000, die genaue Zahl kenne ich nicht, weil wir an der Aktualisierung der Inventur arbeiten.

Und Zeitschriften?

Es sind ungefähr 3300 Zeitschriftentitel, die wir abonniert haben. Wir besitzen die größte Standardwerkekollektion Westrumäniens, zirka 118.000 Bände.

Wie steht es um den Online-Zugriff auf spezialisierte Zeitschriften?

Wir haben auch Online-Zeitschriften abonniert, im Rahmen des landesweiten Projektes ANELiS (Nationaler Elektronischer Zugang zur wissenschaftlichen Forschungsliteratur) haben wir Zugang zu einer kleinen, aber sehr seriösen Datenbank, „Springer“, „Elsevier“ und „American Institute of Physics“, die Volltextzeitschriften sind sowie „Thomson ISI“ und „Scopus“.

Wenn wir auf die Digitalära zu sprechen kommen – wie viele E-Books gibt es in der Bibliothek?

Wir sind nicht Befürworter der E-Books. E-Books sind eines, Online-Bücher was anderes. Wir ziehen die Online-Ausgaben den E-Books vor, weil letztere voraussetzen, dass man ein Gerät hat, worauf man sie herunterladen und dann eben von überall lesen kann. Mir schien es besser für die Leser, Zugang über den eigenen IP zu den Online-Büchern zu haben. Die Bibliothek verfügt zurzeit über fast eintausend Online-Bücher.

Sind denn im Zuge der Digitalisierung die Bücherregale noch in?

Ich weiß, dass in den USA das Gedruckte auf immer weniger Interesse stößt, aber dort gibt es eine andere Infrastruktur, die Menschen haben eine andere Auffassung, andere Vorstellungen. Ich glaube, dass es in Europa und bei uns im Lande Print- und Online-Bücher noch lange parallel geben wird. Deshalb haben wir auch noch so viele Bücherregale. Eigentlich waren im Anfangsprojekt von 1998 noch viel mehr Bücherregale vorgesehen. Wir haben die Zahl herabgesetzt und nur die Bücher ausgestellt, die tatsächlich noch auf Interesse stoßen, die ausgeliehen werden, also Titel, die nach 1990 erschienen sind. Wenn wir im Laufe der Zeit herausfinden, dass sie nicht mehr gelesen werden, dann werden wir auch über die Räumlichkeiten umdenken müssen. Deshalb ist der Raum überhaupt als ein offener Raum projiziert worden, den man umorganisieren, umdenken kann.

Welche Oberfläche hat die Bibliothek?

Das Gebäude hat insgesamt eine Oberfläche von 8400 Quadratmetern, die vier Etagen, die dem Publikum zugänglich sind und auf denen der Eintritt entweder frei oder flexibel ist, umfassen etwa 5200 Quadratmeter. Außerdem haben wir noch zwei Etagen mit den Lagerräumen, die sehr gut ausgestattet sind und wo wir die Publikationen archivieren können, die nicht mehr gefragt sind.

Bei der Eröffnung rief ein Student beim Anblick der Bibliothek aus: „Wow! Ich gehe nicht mehr in die Mall!“ Warum war es so wichtig, dass man Räume zum Relaxen anbietet, offene Räume, Sofas für die Leser?

Die Jugendlichen möchten heute nicht mehr an den Tischen sitzen und lernen, wir nennen diese Räume Relax-Räume, aber zumindest im Westen sitzen dort Studenten mit den Laptops und Büchern im Arm, dort lesen sie. Sie mögen keine rigiden Räumlichkeiten, sie mögen abgerundete Räume, komfortablere Ecken, auch kleine Studioräume. Deshalb haben wir auch so viele Sofas, so viele Hocker, damit sie kleine Gruppen aufbauen und so studieren können.

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