Beiträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit

Zwei Vorträge zum Thema „Die Deutschen Rumäniens als Objekte staatlicher Willkür“

Donnerstag, 16. Mai 2013

Ein Duo für die Aufarbeitung der Vergangenheit: Hannelore Baier und Thomas Şindilariu. Foto: Ralf Sudrigian

Beim Deutschen Forum Kronstadt hielten Hannelore Baier (Hermannstadt) und Thomas Şindilariu (Kronstadt) im Rahmen der deutschen Vortragsreihe am 7. Mai zwei interessante Vorträge zum umfassenden Thema „Die Deutschen Rumäniens als Objekte staatlicher Willkür“. Im ersten Vortrag,  „Grundlinien der Bukarester Politik den Deutschen Rumäniens gegenüber“, umriss Hannelore Baier den historischen und sozialen Kontext in dem auch die Rumäniendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gestellt wurden. Anschließend stellte Thomas Şindilariu in seinem Vortrag „Die Bestrebungen zur Beseitigung von Bischof Friedrich Müller – ein Werk der Securitate?“ anhand eines Fallbeispiels die Art und Weise vor in der das kommunistische Regime über seinen Geheimdienst versuchte, seine Macht und Kontrolle selbst oder erst recht in der Führungsetage der evangelischen Landeskirche A.B. auszuüben.

Baier beschrieb die Wesenszüge der Politik gegenüber der deutschen Minderheit vor allem im Zeitraum 1944 -1964 wobei aber auch spätere Entwicklungen miteinbezogen wurden, z.B. die Festlegung von Ausreisequoten verbunden mit dem sogenannten Freikauf der Rumäniendeutschen – ein für Ceauşescu und die Securitate Millionengeschäft in Valuta mit Vertretern der Bundesrepublik Deutschland dank dem allerdings viele Rumäniendeutsche ihren Ausreisepass erhielten und dem kommunistischen Regime den Rücken kehren konnten. Das war die logische Folge einer Reihe von Benachteiligungen und Diskriminierungen (Deportation Januar 1945 in die Sowjetunion auf Grund der deutschen Volkszugehörigkeit; kein Recht auf eigene politische Vertretung bis 1948, Zwangskollektivisierung und Enteignung von Grund). Unterstrichen wurde die Sondersituation der deutschen Minderheit in den ersten Nachkriegsjahren als diese nicht als nationale Minderheit galt und ein „Paria-Dasein“ in voller Rechtlosigkeit führte – im Kontrast zum Sonderstatus, den die Rumäniendeutschen während des Zweiten Weltkrieges hatten.

Das „deutsche Problem“ sollte zunächst durch den Friedensvertrag gelöst werden, was aber nicht zustande kam. Eine Ausweisung der deutschen Bevölkerung so wie das in manchen Nachbarstaaten geschah, befürwortete die kommunistische Partei wie auch die sowjetische Regierung nicht mit dem Argument, dass eine Aussiedlung nach Deutschland eine Gefahr darstelle. Ab 1948 erfolgte die Gleichschaltung als „mitwohnende Nationalität“ und dann die Einbeziehung in den gesellschaftlichen Transformationsprozess gemäß der Parteiideologie. Mit der Zeit ließ der Repressionsdruck etwas nach; die deutsche Bevölkerung erfuhr inzwischen starke soziale Wandlungen. So z.B. stieg der Anteil der Arbeiter in den Reihen der Siebenbürger Sachsen parallel mit der sinkenden Zahl der Bauern und der Selbständigen.

Im zweiten Vortrag beschrieb Thomas Şindilariu, auf Grund seiner Forschungen beim Securitate-Archiv, die Versuche des kommunistischen Geheimdienstes, durch eigene Vertrauensleute (also Spitzel) aus den Reihen der Pfarrer Bischof Friedrich Müller von der Führung der Landeskirche zu beseitigen. Das Fragezeichen am Ende stellt wahrscheinlich nicht das Mitwirken der Securitate in Frage, sondern soll wohl eher darauf hindeuten, dass der Geheimdienst ohne Spitzel und Agenten aus dem Umfeld des Bischofs und aus der Kirchenwelt nicht viel erreichen konnte. Letztendlich scheiterte dieses Unternehmen, aber eine Unterwanderung war dennoch erfolgt. „Wer waren diese Spitzel?“

Einige Antworten gibt es, z.B. in der Person des Hermannstädter Stadtpfarrers Alfred Hermann der ab 1951 als „Prietenul“ für die Securitate Informationen lieferte. Selbst im Falle des Kronstädter Stadtpfarrers Konrad Möckel gab es Anwerbungsversuche – jedoch ohne ernste Folgen. Fragen sind noch offen, eine Aufarbeitung ist notwendig. Von daher kam auch der Aufruf des Referenten, vor allem an die Zeitgenossen, mit Erinnerungen, dem Schildern eigener Erfahrungen zusätzliche Daten zu diesen sensiblen Seiten der eigenen Vergangenheit zur Verfügung zu stellen. Das scheint, auch angesichts der eher geringen Zuhörerzahl im Forumsfestsaal, nicht einfach zu sein.

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