Beiträge zur Banater Erinnerungskultur (13)

Mittwoch, 16. April 2014

Foto: Zoltán Pázmány

Das zweite Denkmal, das in Freidorf an die „Vermissten, Verstorbenen und Gefallenen“ des ersten Weltkriegs erinnert, steht im ehemaligen Gemeindezentrum des heute Temeswarer Vororts, in einem kleinen Park. Es dürfte etwas später errichtet worden sein als das erste auf dem Friedhof hinter der römisch-katholischen Kirche, stellt aber gerade durch seinen Standort eine Besonderheit dar. Denn es gibt im Banat, einem Raum, der nach Ende des ersten Weltkriegs durch den Willen der Siegermächte dem Kriegsfeind zugefallen war, kaum Denkmäler im öffentlichen Raum, die den Gefallenen des ersten Weltkriegs gewidmet sind. Die Donaufürstentümer gehörten durch die Zugehörigkeit zur Entente zu den Siegermächten des ersten Weltkriegs und es entstand das Königreich von Großrumänien durch praktische Verdoppelung des Territoriums der Donaufürstentümer, während die Mittelmächte herbe Gebietsverluste hinnehmen mussten. Diese hatten ja gegen den späteren Sieger und Gebiets-Neubesitzer gekämpft, also war der Stand der Soldaten und Gefallenen im Banat plötzlich problematisch. Vielleicht nimmt sich mal ein Gegenwartshistoriker oder der gescheite Doktorand eines klugen Doktorvaters der Thematik des Entstehens dieser Erster-Weltkrieg-Denkmäler im Banat an und klärt einiges dazu...

Das zweite der Freidorfer Weltkriegsdenkmäler, in viel teurerer Reliefschrift ausgeführt, entstand „Zu Ehren der im Weltkriege gefallenen, vermissten und verstorbenen Krieger der Gemeinde Freidorf“, „Gewidmet von den in Amerika weilenden Freidorfer“ (sic!). Auf den das Denkmal flankiereden Marmorprismen stehen die Jahreszahlen 1914 und 1918.

In diesem Kontext sollte man sich auch vergegenwärtigen, dass die „in Amerika weilenden Freidorfer“ wohl als Denkmalstifter in ihrer Mehrheit bereits Bürger der USA waren, also einer der Siegermächte des ersten Weltkriegs (nachdem der Aufstieg der USA als Weltmacht und –polizist begann – durch die heute noch wirkende Woodrow-Wilson-Doktrin), die ein Denkmal finanzierten, das die Gefallenen des Kriegsgegners würdigt.

 (wk)

 

 

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