Beiträge zur Banater Erinnerungskultur (16)

Samstag, 10. Mai 2014

Foto: Zoltán Pázmány

Nachdem der Zeppelin LZ 85 auf der Basis von Sanktandreas repariert war, bekam er einen neuerlichen Befehl zum Bombenangriff auf Saloniki, diesmal vom Meer aus, da man annahm, dass er, wie beim letzten Angriff, vom Festland aus erwartet wurde. Aber neben der Luftabwehr waren auch die Kriegsschiffe im Hafen von Saloniki in Alarmbereitschaft und die britische MMS Agamemnon trifft den LZ 81, der neben Saloniki in ein Bachtal abstürzt. Alle zwölf Besatzungsmitglieder überleben, zünden aber die Überreste des LZ 85 vor ihrer Gefangennahme an. Das war eine Geschichte, die damals als Sensationsmeldung durch die Weltpresse ging.

Der LZ 85 wird auf der Einsatzbasis Temeswar durch den LZ 86 (Fabrikationsbezeichnung LZ 56 Klasse P) ersetzt, dem nachgerühmt wird, bei seinen Einsätzen im Osten – Bukarest, Erdölfördergebiet Ploiesti und Chisinau – und Südosten  14.800 Kilogramm Bomben abgeworfen zu haben.

Am 28. August 1916 bombardiert er Bukarest. Am 4. September wird er von der durch die Franzosen frisch mit Luftabwehrkanonen ausgestatteten Armee der Donaufürstentümer bei Ploie{ti in Brand geschossen und eine der beiden Gondeln der Mannschaft zerstört. Die Gondel bricht teilweise ab, das Luftschiff kommt aus seinem Gleichgewicht und steigt steil hoch, wobei vier weitere Besatzungsmitglieder durch den Sauerstoffmangel in großer Höhe sterben, bevor der LZ 86 wieder unter Kontrolle ist.

Trotz schwerer Havarie kommt das Luftschiff zurück nach Temeswar, kann aber hier wegen hohen Windgeschwindigkeiten nicht landen und wird Richtung Serbien abgetrieben. Bei Utvin bricht die havarierte Gondel ab und die LZ 86 stürzt in der Nähe des benachbarten Rumänisch-Sanktmichael/Sânmihaiu Român ab. Kapitän Holm Wolff und weitere fünf Besatzungsmitglieder sterben dabei. Sie – das waren, laut ihren Grabsteinen (siehe Foto), neben dem Kapitän, Funkunteroffizier Otto Schienkler, Unt.Steuermann Karl Reimer, Unter-Maschinist Jacob Renz, Ob.Steuermann Franz Thomsen und Unt. Steuermann Georg Trüb - sind auf dem Temeswarer Friedhof an der Lippaer Straße begraben. Neben ihnen ruht noch Ob.Steuermann Max Schmidt, der am 2. März 1916 bei einem Zeppelineinsatz umgekommen war.

Nach Absturz der LZ 86 schickt das Oberkommando der Luftstreitkräfte die LZ 97 (LZ 67, Klasse Q) zur Temeswarer Einsatzbasis, die ihren Jungfernflug am 4. April 1916 absolviert hatte und zweimal ihre Bombemlast - auf London und Boulogne - abgeworfen hatte. Sie fliegt von Temeswar aus Angriffe auf Bukarest und Chisinau, warf insgesamt 5760 Kilogramm Bomben ab und wurde am 5. Juli 1917 aus dem Verkehr gezogen. In der Heeresleitung setzte sich allmählich die Skepsis gegenüber der Effizienz der Zeppeline im Krieg durch, die als von der Artillerie zu leicht zu treffen eingestuft wurden..

Nachdem das Banat an Großrumänien fiel, wurde – das war am 5. Mai 1919 – die Zeppelinbasis von Sanktandreas-Neubeschenowa von den Bewohnern von Neubeschenowa geplündert und verwüstet. Bei der wilden Demontage des Zeppelinhangars stürzte die Halle zusammen. Dabei starben fünf der Plünderer.

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