Beiträge zur Banater Erinnerungskultur (30)

Mittwoch, 10. September 2014

Um den Holztransport zu erleichtern, entwickelte sich die Flößerei. Das Holz wurde nun auf dem Wasserweg nach Reschitza gebracht. Darum wurde der Staudamm Klaus 1865 errichtet, der die Verbindung zwischen Franzdorf und dem Ortsteil Lend in Reschitza herstellte. Foto: privat

Das Thema Frauenrechte ist zwar auch in heutiger Zeit (auch, aber nicht nur) in den rumänischen Gebieten des ehemaligen Habsburgerreichs weder ausdiskutiert noch einer Lösung nahe. Eine etwas weiter gefasste Serie über die Banater Erinnerungskultur und Hintergründe des ersten Weltkriegs kommt daran nicht vorbei, zumal aus jenen Zeiten auch die ersten Forderungen nach Gleichberechtigung (auch im Banater Bergland – Reschitza, Steierdorf-Anina - und in den Städten des Banats) laut wurden. Denn es dauerte nicht lange, bis die Frauen, die in immer mehr ihnen bislang versperrten Bereichen „ihren Mann stellen“ mussten, weil die Männer sich auf den Schlachtfeldern zwischen Italien und der Nordsee oder in den Weiten des Zarenreichs gegenseitig niedermetzelten – bis diese Frauen also erkannten, dass ihnen bei gleicher Arbeit auch gleiche Rechte zustanden.

Im an der Wende zum 20. Jahrhundert grundsätzlich immer noch feudalen Habsburgerreich gelang es einigen Frauen, feministische Ideen weiterzuentwickeln, die Idee des Feminismus erfolgreicher voranzutreiben als in anderen Gegenden Europas. Meines Wissens ist der Zusammenhang zwischen Spätfeudalismus und Feminismus bisher kaum eingehend untersucht worden (man denke bloß an die Endzeit des französischen Königtums im späten 18. Jahrhundert und den Einfluss der Frauen – aber eine ähnlich geartete Endzeit der Männerherrschaft war auch das späte 19.- frühe 20. Jahrhundert für Mitteleuropa), dafür aber umso eingehender der Einfluss mancher Frauen im Habsburgerreich: der Schriftstellerin und Friedenskämpferin Bertha von Suttner (1843-1914), der Pädagogin und Schulgründerin Eugenie Schwarzwald (1872-1940), der frühen Skandalnudel, multiplen Künstlermuse, Dichterin und Fast-Komponistin Alma Mahler-Werfel (1879-1964), die als Kind schon Gustav Klimt verführte, später, als Witwe Gustav Mahlers, reihum den Maler Oskar Kokoschka, den Architekten Walter Gropius (Bauhaus) und den Schriftsteller Franz Werfel („Der Mann ohne Eigenschaften“) verführte und sich hörig machte, die engagierte Feministin und Schriftstellerin Rosa Mayreder (1858-1938), die Mode-Designerin, Gustav-Klimt-Freundin und das Klimt-Model Emilie Flöge (1874-1952), die durch ihr „Reform-Kleid“ die Frau „ent-fesselte“, das heißt, vom Korsett befreite, nach dem Motto: „So lange die Frau nicht frei atmen kann, so lange darf sie auch nicht daran denken, Zugang zum Universitätsstudium und zum allgemeinen Wahlrecht zu bekommen!“. Oder Lou Andreas-Salomé (1861-1937), sukzessive Freundin von Nietzsche und Rilke, aber auch eine (bis heute weitgehend verkannte) Schriftstellerin und Psychoanalytikerin („Der Mensch als Weib“, ein Essay, in dem sie Mann und Frau als gleichwertig definierte).

Diese „hysterischen Weiber“ schafften es, aktiven Widerhall auch aus den Arbeiterschichten zu entlocken und so den Weg zu ebnen für Studium (1905 war Elise Richter die erste Frau Österreichs, die habilitierte und 1907 als erste Frau zur Dozentin für Romanistik ernannt wurde, um 1921 außerdorentliche Professorin zu werden) und, irgendwie implizite, zur Teilnahme am öffentlichen, also politischen Leben. 1918 wurde den Frauen in Österreich das Wahlrecht gewährt.

Im Banat waren diese Emanzipationstendenzen (leicht zeitversetzt) auch vorhanden (man lese mal aus dieser Sicht Georg Hromadkas „Kleine Chronik des Banater Berglands“!), brachten aber eher starke Frauenpersönlichkeiten auf sozial-politischem Gebiet hervor.

Alldies, während auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs jede Ortschaft ihren Blutzoll geben musste. Auch das knapp ein Jahrhundert vor Kriegsausbruch gegründete Franzdorf/V²liug hatte teuer im Krieg zu zahlen. Ein ins Bergland perfekt passendes (aber renovierungsbedürftiges) Denkmal im Hof der römischkatholischen Kirche erinnert an die unverhältnismäßig vielen Franzdorfer, die ihr Leben lassen mussten.

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