Berlin du bist so schön

Naive Eindrücke eines Neuankömmlings über DIE Weltstadt

Montag, 01. April 2013

Wahrzeichen Berlins: Der Fernsehturm ist das höchste Gebäude Deutschlands.

Hier darf man sie erleben: Die DDR-Zeiten werden in einem interaktiven Museum an der Spree lebendig erhalten.
Fotos: Robert Tari

Sie alle schwärmen von Berlin: Die Freunde, die Arbeitskollegen, Leute auf der Straße, einfach alle, die jemals etwas mit der Stadt zu tun hatten. Manche erheben noch Einspruch und sind eher zimperlich, wenn es darum geht, Berlin als DIE  Stadt zu deklarieren. Selbst anschauen muss man sie sich, um ein Bild davon zu bekommen, was Berlin eigentlich zu Berlin macht.

Also, vom Prenzlauer-Berg aus erinnert Berlin an ein kleines großes Dorf mit Chicago-Allüren. Die U-Bahn fährt hier genau wie in der Ami-Stadt über unseren Köpfen statt unter unseren Füßen und in der Ferne kann man das neue Wahrzeichen der Stadt erspähen, nachdem das alte glücklicherweise nur noch bruchstückhaft in Gärten der Welt anzutreffen ist. Dazu muss man sagen, dass die Wortwahl „glücklicherweise” hier eher unglücklich getroffen wurde, denn inzwischen sehnen sich viele Berliner – ob Ossis oder Wessis – nach einem Stück der Mauer mitten in Berlin, und zwar dort, wo sie niemals stehen sollte, sie es dann aber 28 Jahre lang tat. Der Fernsehturm ragt majestätisch in die Höhe und täuscht Touristenaugen: Nein, er liegt nicht gleich um die Ecke.

Willkommen in Berlin

Den Fehler hatte ich am ersten Tag gemacht, als ich jede Menge Zeit hatte und mich meine Neugier zu einem Fußmarsch trieb. Denn anders als für  die Freunde, Arbeitskollegen und den Rest der Welt, ist Berlin für mich Neuland. Gewöhnen muss man sich an die Stadt schon mal nicht. Sie scheint einen sofort aufzunehmen, so wie sie die rund 160 Nationalitäten aufgenommen hat, für die Berlin zur Wahlheimat geworden ist. Allein in der Umgebung der Straße, wo ich wohne, findet man alles, was man zum Überleben braucht. Gebe es da keine journalistische Neugier, die mich Richtung Fernsehturm schickte – an einem für Berliner Verhältnisse fantastischen, sonnigen Märztag – wäre ich vermutlich dort geblieben.

Ich bin dann aber aufgebrochen, mir das neue Wahrzeichen  Ost-Berlins aus der Nähe anzugucken. Zwischen hier und da waren es dann nicht die erhofften zehn Minuten, sondern fast odysseenhafte 40. Was jenseits des kleinen Dorfes liegt, wo ich mich so richtig einkuscheln wollte, ist erstaunlicherweise nur ein anderes Dorf. Überall in Berlin tun sich kleine Mikro-Welten auf, die nebeneinander koexistieren. Es ist multiplizierte Vielfalt.  Hier hat man die Qual der Wahl und scheinbar zu wenig Zeit, alles in einem Leben zu erkunden.

Darum würde man sich wünschen, Buddhist zu sein, um Berlin in den nächsten drei ganz entdecken zu können. Nur Achtung, die Stadt würde sich rasant entwickeln, also sollte man nicht staunen, wenn sich die Spielregeln ändern und man seinem Berlin in die Augen schaut und eine Fremde trifft. So soll angeblich inzwischen Berlin Neukölln das angesagteste Viertel der Stadt sein. Hier passiert nicht nur die Action, hier wohnen auch die coolen Leute. Davor war es vielleicht Kreuzberg oder ein anderes Viertel, aber niemals Marzahn – wer weiß, vielleicht in einem anderen Leben...

Die DDR zum Anfassen nah

Also ließ ich mich durch Berlin treiben und machte erst an der Spree Halt. Dabei muss ich sagen, dass Berlin seine Vergangenheit nicht leugnen kann. Sie möchte es aber auch nicht. Osteuropäer werden in Berlin nicht so schnell Heimweh bekommen. Denn hier und da erheben neben kleinen Wolkenkratzern wie dem Park Inn oder dem Berliner Verlag auch alte graue Plattenbauten den Anspruch auf Existenz.

Und wer unweit vom Fernsehturm, der über alles andere emporragt, an der Spree Halt macht, kommt an dem DDR-Museum auch nicht vorbei, dessen Motto lautet: „Geschichte zum Anfassen”. Hier darf man ihn erkunden, den deutschen Osten mit seinen Jeans-Imitaten, die keiner haben wollte, dem Abendprogramm im DFF, zu dessen besonderen Höhepunkten die Kindersendung „Unser Sandmännchen” gehörte, sowie Willi Schwabes Rumpelkammer. Auch hinter das Steuer eines alten Trabis darf man sich zwängen und sich in einem Stasi-Verhörraum auf den Opferstuhl setzen.

Die besten Döner der Stadt

Unruhig warten sie in der Schlange. Es dauert meist fünf Minuten oder sogar länger, bis man an die Reihe kommt. Draußen herrschen Minustemperaturen und das im späten März. Wieso man es sich antut, fragen sich viele, die irgendwann die Geduld verlieren. Doch dann kommen sie schließlich auch dran, dürfen sich Mustafas Gemüsekebap oder Döner bestellen und reinbeißen. Das Urteil: Verdammt lecker. Es könnte sich um den besten Kebap oder Döner der Welt handeln. Naja, vielleicht kann man sich darum streiten. Eins ist sicher: Er ist zumindest der beste Berlins. Schließlich schwören alle darauf. Waschechte Berliner standen mindestens einmal in der Schlange vor Mustafas Dönnerbude, trotz der Minustemperaturen, und übten sich in Geduld und Zweifel. Alles nur Hype, würde der größte Konkurrent Mustafas behaupten. Am Kottbusser Tor gibt es eigentlich den besten Döner der Stadt.

Bei Tadim werden noch traditionelle Zutaten verwendet. Schwört Mustafa auf seine fleischlosen Döner, wirbt Tadim mit seinem Kalbsfleisch. Nichts anderes kommt hier rein in den Döner. Zudem wird der Dürüm Brotteig bei Tadim selbst gemacht und immer frisch gebacken. Dafür enthält Mustafas Döner eine streng geheime Zutat. Noch niemand ist hinter das Geheimnis gekommen.

Das alles tut nichts zur Sache für den amerikanischen Touristen, der dann doch eher schnell nach einem Fast Food Joint Ausschau hält. Burger Buden gibt es in Berlin an jeder Ecke, sowie auch American Diner, wo sich die Amis so richtig wie zu Hause fühlen können. Doch besonders verbreitet ist inzwischen das Schnellrestaurant Dunkin’ Donuts. Insgesamt 25 Filialen gibt es in Berlin. Hier kann man echte amerikanische Donuts essen und sich dazu einen Kaffee oder eine heiße Schokolade gönnen.

Nur bei den Preisen vergeht so manchem der Appetit. Besonders den amerikanischen Gästen, die Dunkin’ Donuts aus den USA kennen. „1,80 Euro ein Donut?” wundert sich eine Touristin. Ist es zu teuer, fragt eine Freundin. Absolut, meint sie. Zuhause kostet es weniger als die Hälfte. „Schließlich ist es Dunkin’ Donuts!“

Zumindest kann man sich eine 6er Box für 5,99 Euro kaufen. Ein echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, wie viel ein einzelner Donut kostet. Die unverschämten Preise nehmen Touristen und Berliner gleichermaßen hin. Mit Ausnahme der Feinschmecker, die sich gerne etwas Seriöses reinziehen möchten. Wo noch gekochtes Essen auf einem Teller liegen soll und nicht ein fettiger Burger oder eine Donut-Kalorienbombe auf einem Plastiktablett. Die Schöneberger Weltlaterne auf der Motzstraße 61 wird dann meist ohne Zögern empfohlen. Das Lokal ist nicht hip und auch nicht besonders chic. Die Wände sind mit Zeitungen tapeziert  und die Einrichtung ist eher rustikal. Es ist halt so unpretenziös wie Berlin selbst und das Essen schmeckt.

Wer in einer Weltstadt wie Berlin am gleichen Tisch essen möchte, wo möglicherweise auch die Promis schon saßen, der sollte zu Papa Pane di Sorrento schauen. Eine Pizza hier ist nicht ganz billig. Sieben Euro müsste man schon auf den Tisch legen. Dafür aber hat man die Gewissheit, dass auch schon Tom Cruise und Robert Redford in dem Lokal verkehrten. Wer also eine leckere Pizza haben möchte, die auch Stars und Sternchen zufrieden stellt, sollte um Papa Pane di Sorrento keinen Bogen machen.

Die schönste Berlinerin mit Migrationshintergrund

Seit hundert Jahren reißen sich zwei Länder um sie. Die Ägypter wollen sie immer wieder zurück, die Deutschen geben sie nicht her. Sie ist wohl eine der schönsten Berlinerinnen mit Migrationshintergrund. Im Neuen Museum Berlin kann man die Büste der Nofretete bestaunen. Die hervorragend erhalten gebliebene Statue der jungen Königin, die mit dem monotheistischen Pharao Echnaton verheiratet war und die als Mutter des jung verstorbenen Tutanchamun gilt, befindet sich seit 1913 in Berlin.

Seit den 1930er Jahren führen die beiden Länder Verhandlungen, um die Büste zurück nach Kairo zu verschiffen bzw. ihre Abreise zu verhindern. Mit der Ausstellung „Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete” präsentiert das Neue Museum Berlin die Ausgrabungsgeschichte der weltweit berühmten Statue. Zudem wird ein Licht auf den Jahre währenden Besitzerstreit zwischen Deutschland und Ägypten geworfen. Auch welche Rolle die Nofretete in der heutigen Popkultur spielt, wird anhand von Beispielen erörtert.

Ob als Comicfigur, Legobüste oder Motiv für die Werke eines exzentrischen, zeitgenössischen Künstlers – Nofretete hat mit ihrer Schönheit alle bezaubert. Sehr zum Nachteil von Heinrich Schliemann. Dem Archäologen und seinen Troja-Befunden wird kaum die gleiche Beachtung geschenkt wie der schönen Königin aus Ägypten.

Kommentare zu diesem Artikel

Norbert, 01.04 2013, 17:53
Da müssen sie erst mal nach Mainz kommen.Wir waren schon vor 2000 Jahren ,mittelpunkt des römischen Reiches ,wir !!!nicht Berlin spielt in der Bundesliga. Wir liegen an einem europäischen Fluss,Berlin liegt an einem Bach.Bei uns schauen selbst Brasilianer an Faßenacht vorbei um was für ihren CARNEVAL ZU LERNEN.Wir und nicht Berlin haben eine Landeshauptstadt als Vorort (WIESBADEN).Napoleon war begeistert von Mainz.Wir haben einem Kardinal .Lehmann. Was hat Berlin..einen Wanderprediger.Bei uns gibt es keine Kommunisten Im Landtag.Weck worscht und Woi und de Meenzer Ditsch brezel. Da läuft den Berlinern das Wasser im Mund zusammen. Und erst wenn die einmal vom Meenzer Handkäs geschnuppert haben..MMMMhh. Und dann das letzte und wichtigste. Wir haben einem Dom..Bei uns geben die Päpste sich die Türklinke in die Hand. Und es glaubt doch wohl keiner. Das außer im Mainz Gott einen Schoppe Woi trinke würd. Berlin ist was für Anfänger .Meenz ist was für Genießer.. In diesem Sinne ..ein Dreifaches Hellau..Hellau.Hellau.

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