Berufsausbildung in Arad: Trotz Hürden keine Resignation

Der Deutsch-Rumänische Wirtschaftsverein DRW Arad setzt nun schon im dritten Jahr auf duale Ausbildung nach deutschem Modell. Trotz mancher Hürden, will man im DRW diese Initiativen fortsetzen. Derzeit hat der Wirtschaftsverein eine Partnerschaft mit dem „Technischen Kolleg Aurel Vlaicu Arad“. Am Projekt beteiligen sich 16 Firmen aus Arad, Hellburg, Lippa, Schöndorf und Neuschimand. Zum Stand der Berufsausbildung im Raum Arad, über Nachfrage und Hürden sprach Siegfried Thiel in einem BZ-Interview mit Lolita Mallinger, Vorstandsbeauftragte des DRW für den dualen Bildungsweg.

Dienstag, 05. September 2017

Wirbt für die duale Ausbildung sogar in Dorfschulen: Lolita Mallinger.

Berufsschüler lernen im Werk unter Aufsicht eines erfahrenen Mitarbeiters.

DRW-Vizepräsident und Astra-Rail-Geschäftsführer Bernd Böse sucht Facharbeiter und bietet Praktikumsplätze.

Lehrlinge werden heute frühzeitig mit Hightech vertraut gemacht.
Fotos: Zoltán Pazmány

Welches ist die Struktur der Klassen, die über die Mitgliederfirmen des DRW ins Leben gerufen wurden?

Im 3. Schuljahr (XI. Klasse) haben wir zwei Klassen-56 Schüler in zwei Berufen: Schweißer und CNC Facharbeiter. Je eine Klasse/Beruf. Im 2. Schuljahr (X. Klasse) haben wir drei Klassen-84 Schüler in vier Berufen: Schweißer, CNC-Facharbeiter, Industrie-Mechaniker, Elektromechaniker. Für dieses Jahr wurden in sechs Berufen insgesamt 109 Ausbildungsplätze vorgesehen: Schweißer, CNC-Facharbeiter, Industrie-Mechaniker, Elektromechaniker, Automechaniker, Spengler/ Autolackierer. Leider wurden im Juli bei der Einschreibung nur 26 Plätze besetzt, aufgeteilt auf fünf Berufe. Wir hoffen, dass bei den Einschreibungsterminen des Herbstes noch einige  Schüler hinzukommen werden. (Anm.d.Red.: Das Interview wurde vor Veröffentlichung der letzten Einschreibungsresultate  aufgezeichnet). Da bei den meisten Berufsschulen die Klassen nicht besetzt wurden, können diese im Herbst nicht starten. Da wir eine zusätzliche monatliche finanzielle Unterstützung anbieten, werden Schüler von diesen Schulen sich wahrscheinlich noch umorientieren. Wir hoffen, dass noch so viele Schüler kommen, um bei jedem Beruf mindestens eine halbe Klasse zu besetzen.

Sie sind seit Beginn dieses Projekts in Arad in die duale Ausbildung involviert. wie kann man diesen Bildungsweg drei Jahre nach der Gründung beschreiben?

Die drei Jahre können durchaus positiv bewertet werden. Die Betriebe, die bis jetzt Praktikumsstellen angeboten haben, sind im Großen und Ganzen zufrieden mit den Lehrlingen. Einige Betriebe haben sogar speziell eine Person eingestellt, die mit den Schülern intensiv auch den theoretischen Teil aufarbeitet.

Welches sind die Gründe, die dazu geführt haben, dass Interesse und Akzeptanz in diesem Jahr bei weitem nicht so groß waren, wie in den letzten Jahren?

Von unserer Seite, also des DRW,  wird das Projekt „Duale Schulausbildung“  durch Besuche in den Grundschulen beworben. Wir präsentieren den Schülern und Eltern die gebotenen Möglichkeiten. Außerdem machen wir  Präsentationen für die Direktoren der Grundschule bei der Bildungsmesse „EDU2JOB for liefe“, schalten Anzeigen in der Zeitung, machen Werbung über das Radio, durch Plakate und Flyer. Es gibt aber in Hinsicht Interesse und Akzeptanz  ein allgemeines Problem, nicht nur bei uns in Arad. Dieses Jahr sind viel weniger Absolventen der 8. Klasse, im Vergleich zu den vorigen Jahren. Das größte Problem war jedoch, dass genau so viele Plätze im Lyzeum zur Verfügung standen, wie Schüler die Abschlussprüfung der 8. Klasse bestanden haben.

Und speziell zu der DRW-Problematik noch einmal nachgefragt. Welches war Ihrer Meinung nach der Hauptgrund für das Tief in diesem Jahr: die Beseitigung von Michaela Borza als Schulleiterin am Aurel-Vlaicu-Kolleg, oder die Anti-Werbung gegen die Berufsschulen?

Eigentlich beides: Wir haben uns in diesem Jahr mit zwei Problemen auseinander zu setzen. Im Januar wurde die Leitung unserer Partnerschule gewechselt. Das ist schon mal schlecht, wenn sich während des Schuljahres die Leitung ändert. Die neue Leitung kommt nicht aus dem technischen Bereich und muss das duale Schulsystem erst kennen lernen, das bedeutet Zeit. Die Presse hat auch dazu beigetragen, dass sich der größte Teil der Schüler zu den Lyzeen orientiert haben. Es wurde ja in mehreren Zeitungsartikeln publik gemacht, dass da für alle Absolventen ausreichend Plätze vorhanden sind.

Was heißt das aus Sicht der Unternehmer? Resignation oder verstärkte Maßnahmen und Initiativen?

Resignation? Nein, wir haben dieses Projekt gemeinsam begonnen um ausgebildete Arbeitskräfte zu haben und dieses Ziel verfolgen wir auch weiter. Wir werden auch für das nächste Jahr alles unternehmen, um unser Projekt weiter zu führen. Wir wissen, dass es nicht leicht sein wird die Leute umzustimmen. Wir werden auch alle Mittel nutzen, die uns zur Verfügung stehen, um den Schülern die Perspektiven zu zeigen, die sie haben, wenn man eine Ausbildung abgeschlossen hat. Man kann auch mit einer Berufsschule weiter studieren, es gibt die Möglichkeit danach ein Lyzeum zu besuchen und im Anschluss auch eine Hochschule.

Was ist von Bedeutung und wurde nicht gefragt/ gesagt?

So lange man sich in einem Lyzeum anmelden kann, egal mit welcher Note man die Abschlussprüfung besteht, werden auch alle die Möglichkeit nutzen. Die Eltern wollen ja alle, dass ihre Kinder Abitur machen und studieren. Nicht jeder ist jedoch für ein Studium geeignet. In den Grundschulen werden die Schüler und Eltern auch nicht in Bezug auf die Wahl des weiteren Ausbildungsweges beraten. Wir fahren ja schon in die Grundschulen in Arad und im Kreis, aber durch ein einziges Treffen mit Schülern und Eltern können wir nicht die ganze Mentalität ändern. Es müsste auch vom Bildungsministerium landesweit eine Kampagne gestartet werden um die Leute aufzuklären, was eine Fachausbildung bedeutet und welche Möglichkeiten es gibt. Wir sind er Meinung, dass in einer technischen Schule die Berufsklassen im Mittelpunkt stehen müssen, um den Schülern sowohl eine theoretische, als auch eine praktische Ausbildung in den Betrieben zu ermöglichen.

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