Berufsausbildung nach deutschem Muster

Neue Klasse für Bürokaufleute in Temeswar eingeführt

Mittwoch, 09. April 2014

„Berufsausbildung nach deutschem Muster“ in Temeswar. Bei der Konferenz konferierten und stellten sich den Fragen Cristina Lupu, Psychologin bei Netex Consulting, Alina Bratu von Continental Automotive, Liviu Groapa, der Leiter des I.C.Bratianu-Lyzeums und Peter Hochmuth. Foto: Zoltán Pázmány

In Temeswar/Timisoara ist vor Kurzem ein weiterer Schritt in Richtung „Berufsausbildung nach deutschem Muster“ getan worden. Ab dem Schuljahr 2014/2015 soll es am I.C.Bratianu-Lyzeum eine neue Klasse für Bürokaufleute geben, in der die Schüler sowohl die rumänische, als auch die deutsche Gesetzgebung in dem Bereich lernen werden. Gefördert wird diese Klasse von der Firma Netex Consulting. Dies teilte vor Kurzem der Vorsitzende des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat, Peter Hochmuth, auf einer Pressekonferenz mit.

In Kürze soll es in Hermannstadt/Sibiu auch ein Treffen der Unterstützer der Berufsausbildung mit dem Bildungsminister geben, bei dem ihm das Curriculum der Berufsschulen vorgestellt wird. Durch einen Ministerialbeschluss soll dann dieses Curriculum offiziell anerkannt werden. Bei dem Treffen machen die deutschsprachigen Unternehmen mit, die das Projekt fördern, aber auch die Vertreter der Schulen aus Rumänien, die die Berufsausbildung nach deutschem Muster bereits eingeführt haben.

In Temeswar sind es zwei Schulen, die das deutsche Berufsschulmodell praktizieren. Am Regele-Ferdinand-Lyzeum gibt es aktuell bereits zwei Klassen – für Elektromechaniker und Elektriker, die von insgesamt 40 Schülern besucht werden. In diesem Fall dauert die Ausbildung zwei Jahre, wobei in einigen Monaten die ersten 17 Schüler die Berufsschule absolvieren werden. Ungefähr zehn Unternehmen aus dem Banat haben sich bereit erklärt, das Projekt „Berufsausbildung nach deutschem Muster“ zu unterstützen, allerdings bleibt die Zahl der Schüler, die diese Art der Ausbildung in Anspruch nehmen wollen, noch relativ gering. „Das Problem liegt bei den Eltern. Deswegen wollen wir Treffen mit den Eltern organisieren, bei denen wir ihnen die Vorteile einer derartigen Ausbildung erklären“, sagte Peter Hochmuth. Nach dem Abschluss einer Berufsschule haben die Schüler bessere Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden. Sie lernen dabei über die neuesten Entwicklungen in dem Bereich, in dem sie die Ausbildung absolvieren, denn das Curriculum wird jährlich angepasst. Nach ihrem Abschluss erhalten die Schüler eine Qualifizierung und werden dementsprechend auch besser bezahlt. „Ich vermute, dass etwa drei Generationen von Schülern nötig sind, damit sich die Mentalität in Rumänien ändert“, sagte Alina Bratu, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit bei Continental Automotive, einem der Förderunternehmen des Projekts.

Vorläufig dauert die Berufsausbildung an den Pilotschulen zwei Jahre, wobei im ersten Jahr 40 Prozent des Unterrichts theoretisch und 60 Prozent praktisch verläuft. Im zweiten Jahr ist es fast 80 Prozent praktische Arbeit, die die Schülerinnen und Schüler leisten müssen. Vor der Ausbildung schließen die Firmen und die Schüler einen sogenannten Ausbildungsvertrag ab, durch welchen den Schülern ein monatliches Stipendium gewährleistet wird. Das Feedback seitens der Schüler, die die beiden bestehenden Klassen besuchen, war bisher positiv. „Wir haben eine Quote von Null Prozent Schwänzen erreicht, was uns nur freuen kann“, so Alina Bratu. Nun bleibt abzuwarten, ob auch die Eltern erkennen werden, dass gute Fachleute unentbehrlich sind – und nicht jeder Bürger Rumäniens ein Hochschuldiplom in der Tasche haben muss.

Kommentare zu diesem Artikel

Alexander, 09.04 2014, 17:37
Es hängt eben auch von den Betrieben ab. Sofern es sich um eine betriebliche Ausbildung - also im Dualen System - handelt, könnten die Betriebe, wie auch in Deutschland, durch angemessene Ausbildungsvergütung und Übernahme in eine Arbeitsverhältnis nach dem Abschluss, ein klares Signal setzen. Sollte es sich um eine rein schulische Ausbildung handeln, bei der auch der praktische Ausbildungsteil in der Schule stattfindet, wäre viel Potential verschenkt. Sehr bedauerlich ist natürlich, das Bildungsministeriums nicht schon längst intensiv an solchen Bildungskonzepten arbeitet. Seit den ersten Ergebnissen der "überwachten" Abitursprüfungen müsste doch klar sein, dass die Mehrheit der Schüler Alternativem zum Studium benötigen.
Da ist es eben wie mit dem Straßen- und Schienennetz - es geht nur zäh voran und hemmt wichtige Entwicklungen.

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