Berufsbildung in Temescher Kommunen

Öffentliche Bauten als Praktikumsplatz

Samstag, 07. Dezember 2013

Auch wenn das Ausbildungspersonal bis ins 60 Kilometer entfernte Großkomlosch fahren musste: Unterm Strich sehen die Veranstalter das Projekt als Erfolgsgeschichte. Im Bild: Vizebürgermeister Ioan Ciorbă (links) und Stiftungsdirektor Nicolae Cernei.
Foto: Siegfried Thiel

Zwischen 1,7 und 1,9 Prozent liegt der Anteil der arbeitsfähigen Bürger, die sich im Jahresdurchschnitt im Verwaltungskreis Temesch nach einer Beschäftigung umsehen. Trotz dieser geringen Arbeitslosenrate heißt es gelegentlich, dass mehrere Tausend Bürger in dem westrumänischen Verwaltungskreis „untätig“ seien, also in keinem Arbeitsverhältnis stehen und dementsprechend weder ein geregeltes Einkommen, noch eine Sozialversicherung haben. Vorhandenes Personal ist andererseits ein Barometer für Investitionen, doch für viele Arbeitgeber und Werksleiter gibt es auf dem Land viele potenzielle Arbeitnehmer, die nur bedingt in Frage kommen, vor allem weil oft jedwede Berufsausbildung fehlt.

Die Rumänisch-Deutsche Stiftung im Bereich Fortbildung im Bauwesen veranstaltet deshalb seit Monaten Lehrgänge in Kommunen des Kreises Temesch. Lehrgänge für die Baubranche, aber auch im Bereich der kaufmännischen Ausbildung werden angeboten bzw. wurden in mehreren Ortschaften bereits abgeschlossen. Ausfindig gemacht wurden die Lehrgangsteilnehmer in den Kommunen mithilfe des Arbeitsamtes. Projektpartner ist die Industrie- und Handelskammer des Verwaltungskreises Temesch, die beratende Unterstützung bietet: in Sachen psychologischer Betreuung, PC-Kenntnissen und Berufsorientierung. Nach Kursen in Knes/Satchinez, Rumänisch-Sanktmichael/Sânmihaiu Român und Großkomlosch/Comloşu Mare laufen derzeit solche Lehrgänge in der Gemeinde Sanktandres/ Sânandrei.

In den 20 Monaten seit Projektbeginn wurden 346 Erwerbslose innerhalb dieses Programms ausgebildet. 189 davon haben nicht nur die angebotene duale Berufsausbildung mitgemacht, sondern auch die zusätzlich veranstalteten Lehrgänge zur Förderung unternehmerischer Kenntnisse. So wurde vermittelt, wie sich Personen selbstständig machen oder ein Unternehmen gründen können. Hinzu kamen Informationen zur Fiskalität oder zur Akquirierung von Krediten und EU-Fonds sowie Anleitungen zur Privatinitiative oder Kenntnisse zur Nutzung des PC.
Der Direktor der Rumänisch-Deutschen Stiftung, Nicolae Cernei, rechnet damit, dass nach Abschluss der Lehrgänge bestenfalls jeder fünfte der Absolventen eine Arbeitsstelle finden wird. Er gibt zwar zu, dass dies prozentmäßig eine geringe Anzahl ist, doch man müsse den Sinn solcher Lehrgänge etwas komplexer sehen: „Einige werden sich nach dem Abschluss selbstständig machen, für andere wird der Lehrgang auch insofern sinnvoll sein, da sie in der Lage sind, in der eigenen Wirtschaft das ein oder andere in Eigenregie zu bauen“. Insgesamt wurden etwa 350 Personen in das Programm aufgenommen, auch wenn zunächst 200 vorgesehen waren, sagt Cernei.

Die praktische Anleitung fand unter Aufsicht von Fachleuten statt, wobei Projekte durchgeführt und in den verschiedenen Kommunen Schulgebäude und Kulturhäuser saniert wurden. So konnte die Schule im Gemeindezentrum von Großkomlosch während der Praktikumszeit der Lehrgangsteilnehmer saniert werden, „wodurch wir eine Stange Geld gespart haben“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Ioan Ciorb² aus der Großgemeinde 60 Kilometer von Temeswar entfernt. Da die Fort- und Ausbildung im dualen System durchgeführt wird, bleibt reichlich Zeit zur Vermittlung handwerklichen Könnens auf der Baustelle. Nicht zuletzt haben sich die Veranstalter entschlossen, die Ausbildung vor Ort, in den Kommunen durchzuführen, auch wenn der Aufwand für die Ausbilder größer war. „Wir wollten den Teilnehmern an den Kursen keine zusätzlichen Ausgaben zumuten“, begründet Cernei.

Das Unterfangen zur Entwicklung unternehmerischer Tätigkeiten durch konkrete Maßnahmen in der Baubranche und im kaufmännischen Bereich wird über den Europäischen Sozialfonds für Personalmanagement mitfinanziert. Auf den Dörfern des Kreises Temesch wird innerhalb des Projektes Unterstützung bei der Jobsuche der Lehrgangsabsolventen geboten. Das Gesamtprojekt wird im Februar 2014 abgeschlossen.

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