Berufsschule nach deutschem Muster

Es hapert noch mit der Akzeptanz

Mittwoch, 22. Januar 2014

Fachpersonal und Schüler erhalten die notwendigen Anregungen, wie Werkunterricht auf das Niveau der dualen Ausbildung nach deutschem Muster erreicht werden könne, sagt Valerian Laval, von Dräxlmaier. Das Unternehmen ließ auch einen Klassenraum renovieren.

Der Ingenieur Miodrag Ianoşev (Foto) ist seit 40 Jahren für die Ausbildung im Werkunterricht zuständig. Er glaubt, dass er durchaus mit den technischen Anforderungen des dualen Systems Schritt halten kann. Fotos: Zoltán Pázmány

Klassenräume und Schulwerkstätten aus dem Ferdinand-Kolleg in Temeswar haben Anfang des Jahres neue Ausstattungen von einem ihrer Partner erhalten: Die Firma Dräxlmaier und eine ihrer Partner-Berufsschulen aus Wasserburg in Deutschland haben damit eine der beiden Temeswarer Schulen unterstützt, die das Pilot-Projekt der dualen Berufsausbildung nach deutschem Muster angenommen haben. Über die Partnerschaft zwischen den Berufsschulen in Wasserburg bzw. Temeswar hat das Ferdinand-Kolleg eine Stand-Bohrmaschine für die Schulwerkstatt erhalten. Im vergangenen Jahr hat Dräxlmaier mehr als  50.000 Lei investiert, um die Schule mit Büchern, Werkzeug, Mobilar, sowie mit Renovierungen von Räumlichkeiten zu unterstützten. Die Firma Radel & Hahn stellte die Materialien für den Werkunterricht. Das Ferdinand-Kolleg ist seit Herbst 2012  Partnerschule deutscher Unternehmen wie Continetal-Automotive, Hella Electronics und Dräxlmaier in Sachen dualer Ausbildung. Zu Schuljahresbeginn 2013 ist mit dem I.C. Brătianu-Kolleg eine weitere Bildungseinrichtung in Temeswar diesem System beigetreten.

Antonio Henninger ist Ausbilder am Dräxlmaier-Standort in Deutschland. Für einige Zeit weilt er nun in Temeswar. Erfahrungsaustausch, Anregungen geben und Inhalte anpassen, das sind seine  Aufgaben während seines Aufenthaltes in Temeswar. Den Unterschied zwischen Rumänien und Deutschland in Sachen Ausbildung sieht er in der Tatsache, dass man in Temeswar am Anfang eines Weges sei, „in Deutschland jedoch das System schon länger läuft“. Die Leute am Ferdinand-Kolleg seien jedoch „hoch motiviert“, sagt Antonio Henninger. Er glaubt auch, dass mit der Zeit in Rumänien das Potenzial des dualen Systems bekannter wird und wenn positive Ergebnisse erzielt werden, „wächst auch die Akzeptanz“. Eben diese Akzeptanz ist ja Grund dafür, dass es ein Wunsch blieb, im Herbst 2013 vier Berufsschul-Parallelklassen für den ersten Jahrgang am Ferdinand-Kolleg  einzurichten, da sich gerade mal 23 Eleven meldeten – was dann im Endeffekt nur für  eine einzige Klasse zukünftiger Elektro-Mechaniker reichte.

„Elternmentalität“, nennt es Barbara Gerber, Leiterin des Internationalen Ausbildungsmanagements bei Dräxlmaier, wenn sich bei Schülern die Frage stellt, ob diese einmal studieren, oder sich lieber über eine Fachausbildung den Weg im Leben suchen sollen. Und dieses Mentalitätsproblem gäbe es sowohl in Rumänien, als auch in Deutschland oder sonstwo, sagt Gerber der ADZ. Zuvor hatte der Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs, Peter Hochmuth, gesagt, dass man sich bei der Berufswahl oft nicht im Klaren ist, dass Absolventen einer Fachschule gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und diese bis ins mittlere Management einer Firma aufsteigen können. Valerian Laval, Kaufmännischer Standortleiter bei Dräxlmaier in Temeswar, machte Fachausbildung zusätzlich schmackhaft: „Ein Hochschulstudium ist nach der Berufsausbildung nicht auszuschließen.“ Er wies auch auf die vorteilhafte Situation des Ferdinand-Kollegs hin, „weil drei große Firmen dahinter stehen“. Für den Präfekten des Verwaltungskreises Temesch, Eugen Dogariu, liegt es vor allem an fehlender Information zu den neuen Ausbildungswegen, sodass sich nur wenige Schüler für eine solche Ausbildung bereit erklären. „In den Köpfen vieler sind noch immer die Bilder der alten Berufsschulen allgegenwärtig. Als dieser Ausbildungsweg dann für drei Jahre gänzlich verschwand, wurde dieser komplett vergessen und dieses Handicap müsse man nun nachholen, sagt der Präfekt.

Barbara Gerber sieht auch auf organisatorisch-legislativer Ebene bessere Chancen für die Berufsausbildung in Rumänien, da mit hoher Wahrscheinlichkeit Berufsschulen ab Herbst 2014 für Achklässler zugängig sind und dann von der Ausbildungszeit her auf drei Jahre aufgestockt werden können, was den Erwartungen der deutschsprachigen Unternehmer aus dem Wirtschaftsclub im Banat entsprechen würde. Die derzeitige Variante mit einer 9. Klasse an einem Gymnasium und dann die Entscheidung für eine zehnte Klasse oder den Wechsel an eine Berufsschule findet Gerber vom psychologischen Sandpunkt aus bei weitem nicht ideal: „Einen Wechsel, mit einem Schritt zurück, den macht jemand nur ungern“, sagt die Ausbildungsleiterin. Sie weiß auch, dass große Herausforderungen auf Berufsschüler zukommen: „Sie müssen, sowohl die alten, noch existierenden Anlagen kennen, gleichzeitig aber auch die neuen“.

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