Berufswahl war so nicht geplant

Trotzdem: Senta Gondi liebt ihren Job

Dienstag, 13. März 2012

Senta Gondi (Foto): „Die Zusammenarbeit geht manchmal auch über die eigene Abteilung hinaus“. Foto: Siegfried Thiel

Telefonate, Planungen, kurze Gespräche mit den Mitarbeitern – dazwischen kommt auch unser Gespräch zustande: Senta Gondi weiß an diesem Tag wirklich, was es heißt, Leiterin der Aus- und Fortbildungsabteilung der IHK im Verwaltungskreis Temesch/Timiş zu sein. Ihr Mundart gefärbtes Deutsch klingt wie Balsam in den Ohren - Lange habe ich keine Absolventin der Germanistik mit einem solch prägnanten Akzent guten alten Temeswar-Deutsch gehört. „Eigentlich wollte ich gar kein Studium anfangen, sondern ganz früh selbständig werden“, sagt die 36 Jahre alte Frau.

Das gesamte Gespräch ist trotz Berufsstress ein lockerer Plausch geprägt von Erinnerungen und Alltagsrealität und mit Zärtlichkeit in der Stimme, wenn sie von ihrem zwei Jahre alten Sohn Oliver spricht. „Bis zu seiner Geburt kann ich mich eher als Karrierefrau nennen, heute würde ich das so nicht mehr unterschreiben“, sagt Senta Gondi. „Das Kind hat mich schon verändert“. Sie wohnt, wie es einer waschechten Temeswarerin gut steht, in ihrem Elternhaus am bekannten Lahovary-Platz (Bălcescu-Platz). „Die Gondis in Temeswar gehören im weitesten Sinne zu einer einzigen Familie. Sie sind alle miteinander verwandt“, sagt sie. Der Schlagzeuger Eugen Gondi - ihr Onkel – ist wohl der Bekannteste unter ihnen, auch wenn er seit zwei Jahrzehnten in Holland lebt.
 

Keine Schminke, nur ein wenig Lippenstift, die Frisur ist kein Problem und die Kleidung bleibt bei Senta Gondi ganz wie im Alltag. Sollte das Fotografieren so reibungslos verlaufen? Einen Haken gibt es dann doch – ich hatte es geahnt. Senta Gondi besteht auf ein Bild, das ihren Teamgeist widerspiegelt – es braucht aller Überzeugungskraft, um von einem Gruppenfoto des fünfköpfigen Teams abzusehen. „Wir sind eben eine Mannschaft und alle gehören dazu“, sagte Senta Gondi, eine Abteilungsleiterin, der niemand den Chef ansieht. Spüren lässt sie es dann hie und da wohl doch. „Ich bin sehr direkt, aber auf keinen Fall nachtragend“, beschreibt sich die ehemalige Schülerin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums als Abteilungsleiterin.
 

Wie üblich für Kinder aus der Elisabethstadt, beginnt Senta Gondi die Grundschule im Banater Kolleg, an deren deutschen Abteilung sie bis zur 8. Klasse bleiben sollte. Danach besucht sie die Lenau-Schule, wo sie ihr Abitur macht. Der Drang nach Selbständigkeit lässt Senta Gondi als Erzieherin in einem Kindergarten einsteigen. „Ein Jahr lang musste die ganze Familie mithelfen, Lehrmaterialien vorbereiten“, erinnert sie sich gern an ein Unterrichtsjahr, das das einzige bleiben sollte. Verlockend und interessant hatten Kollegen ihr die Hochschule geschildert – Senta wurde Germanistik- und Anglistikstudentin. Der Zufall, aber auch die Deutschkenntnisse verhalfen ihr zu der Arbeitsstelle in der Handelskammer, die sie 2000 antrat.

Projekte mit den Kammern in München und Mainz machten die Germanistin für ihren Arbeitgeber wichtig. Als Referentin hat sie angefangen, dann kam der berufliche Aufstieg. „Ein weiterer beruflicher Aufstieg? Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken. Zusammen, im Team, Lehrgänge, Vorlesungen, Seminare und Kurse veranstalten, jeden Tag neue Kunden haben, das füllt im Job aus“. Und wenn da noch eine Lücke bleiben sollte, zwischen Familie und Job, bemüht sie sich um Spenden – kranke Kinder sind ihre Zielgruppe.

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