Berwanger Preis für Balthasar Waitz

Förderpreis ging an Stafette-Autorin Bianca Barbu

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Leiter der temeswarer USR-Filiale Cornel Ungureanu überreicht Balthasar Waitz (links) den Berwanger Preis.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Berwanger Preise 2011, seit Jahren von der Temeswarer Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbandes (USR) für Banater deutsche Autoren vergeben, gingen heuer an die Stafette-Autoren Balthasar Waitz (Hauptpreis) und Bianca Barbu (Förderpreis). Die Auszeichnung für Balthasar Waitz unterstreicht den erfolgreichen Werdegang des erfahrenen Literaten, sowie auch seine literarische Rückkehr nach einer mehrjährigen Pause. Eine längst überfällige Auszeichnung für einen Schriftsteller-Veteranen, der in seinen Werken das Banat von einer persönlichen Seite beschreibt.


Balthasar Waitz beging mit seinem jüngsten Prosaband eine literarische Stadtflucht. Zwischen seinem Debütwerk und dem im November erschienenen vierten Buch liegen 30 Jahre Erfahrung. Der Stadterzähler besinnt sich in „Krähensommer und andere Geschichten aus dem Hinterland“ auf die kleinen Dramen der Deutschen aus den Banater Dörfern. Die Geschichten handeln von einem Leben, das man hinter sich gelassen hat. Mit der Dorfproblematik reiht sich Waitz zu Gegenwartsautoren wie Cătălin Dorian Florescu ein. Auch Florescus letzter Roman handelt vom Banater Dorf. Im deutschsprachigen Raum spaltete das Buch Kritiker und Leserschaft. Florescus „Jacob beschließt zu lieben“ warf Jörg Magenau von der Süddeutschen Zeitung vor, es würde auf die Problematik zu oberflächlich eingehen. Als Gegenliteratur wurden Herta Müllers Werke empfohlen.


Doch sowohl Müller als auch Florescu haben längst „desertiert“ und schreiben vom „Hinterland“ aus der Ferne. Anders Balthasar Waitz, der sich nach der Wende gegen eine Auswanderung entschied. Literarisch empfindet er das Banat keineswegs als ein Hinterland. Heute käme es sowieso auf die Qualität des Werks an und nicht auf die persönliche Herkunft, findet Waitz. Er selbst stammt aus dem gleichen banatschwäbischen Dorf wie die Nobelpreisträgerin Herta Müller. Beide waren Anfang der 1980er Jahre Mitglieder im Adam Müller Guttenbrunn- Literaturkreis, der von dem Chefredakteur der Neuen Banater Zeitung Nikolaus Berwanger gegründet wurde. 40 Jahre lang förderte Berwanger deutsche Literatur im rumänischen Banat. Und das zu einer Zeit, in der Schriftsteller verfolgt und mundtot gemacht wurden. Im Frühjahr 1989 verstarb Nikolaus Berwanger in Deutschland. Die Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Annemarie Podlipny-Hehn hat nach 1990 durch die Gründung des Literaturkreises Stafette versucht, die Lücke zu füllen, die Berwanger hinterlassen hat. Sie und Maria Pongracz hielten bei der Preisverleihung eine Laudatio auf die beiden Preisträger.


Für Bianca Barbu ist der Nikolaus Berwanger-Preis Motivation, um mit dem Schreiben fortzufahren. Sie veröffentliche bisher in den Sammelbänden der Stafette Kurzgeschichten und Gedichte. Mit ihrem Gedicht „Abschreiben“ nahm sie an dem Literaturwettbewerb der deutschen Botschaft aus Bukarest teil und gewann den ersten Preis. In ihren Texten zeigt sie sich besonders gesellschaftskritisch und verwendet einen geradezu journalistischen Stil, der sich durch klare, direkte und inhaltlich prägnante Sätze auszeichnet. Für einen Roman sei sie noch nicht reif genug, meint die junge Schriftstellerin, würde es aber gerne in einigen Jahren versuchen. 

Kommentare zu diesem Artikel

Der Schwob, 23.12 2011, 00:40
Alles schön und gut, hätter aber Nikolaus Berwanger die Banater deutsche Literatur 40 Jahre lang gefördert, so hätte er damit spätestens als 14-Jähriger anfangen müssen, ist er doch leider mit 54 Jahren 1989 gestorben. Tja... das nächste Mal aufpassen :)

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