Besuch im Tal der Gesetzlosen

In Valea lui Liman können Touristen unberührte Natur erleben

Mittwoch, 24. Juli 2013

Ein Swimming Pool mitten in der Natur Foto: Attila Poth

Nah genug, um nicht stundenlang dorthin fahren zu müssen, und weit genug, um die Ruhe der Natur genießen zu können, ohne auch nur einen Gedanken an das Stadtleben zu verschwenden: Das ist Valea lui Liman, der Luftkurort am Fuße des Poiana-Ruscăi-Gebirges im Verwaltungskreis Temesch/Timiş. Eine Ortschaft, die auf den Wetterkarten gar nicht zu finden ist, obwohl sie schon lange nicht im Anonymen verharrt. Hier ist in den letzten fünf Jahren eine Tourismusanlage entstanden, die vor allem in der warmen Jahreszeit zahlreiche Urlauber heranzieht. Reisende haben hier die Gelegenheit, ein paar ruhige Stunden an der frischen Luft zu verbringen, Wanderungen zu unternehmen oder aber mit dem Fahrrad über die Pfade zu sausen.

Ein schmaler Weg im Poiana-Ruscăi-Gebirge schafft die Verbindung zwischen den drei benachbarten Verwaltungskreisen Temesch, Karasch-Severin und Hunedoara. Die Ortsansässigen nennen ihn „Drumul poştaşului“ – der Weg des Postboten. Zur Zeit Österreich-Ungarns fuhren die voll beladenen Postkutschen diesen Weg. Doch nicht alle schafften es, die Ladung bis ans Ziel zu befördern.

Suliman, König der Diebe


Einige fielen den Banden von Gesetzlosen zum Opfer, die damals ihr Unwesen in den Wäldern des Poiana-Ruscăi-Gebirges trieben. Eines der Oberhäupter war Suliman, eine Art rumänischer Robin Hood, der mit seiner Bande die Postwagen anfiel und beraubte. Suliman war eine gefürchtete Erscheinung in den Wäldern des Banats. Ein großangelegter Raubüberfall hätte ihm Ruhm und Reichtum einbringen sollen – doch Suliman wurde verraten und das kostete ihn das Leben. Er starb an dem Tag – seine Leiche wurde oben auf dem Nimanului-Gipfel begraben. Von Suliman – kurz: Liman – stammt die Bezeichnung des Ortes, Valea lui Liman, auf gut Deutsch: Das Tal des Liman. Die Geschichte erzählt Stelică Nicorescu, Geschäftsführer der Tourismusanlage Valea lui Liman, die der Hersteller von Milchprodukten Simultan vor einigen Jahren von dem Treibstofflieferanten Petrom aufgekauft und modernisiert hat. Solche Geschichten bleiben den Reisenden meist vorenthalten – es sei denn, sie fragen selbst danach.

Wanderungen zu den Naturreservaten


Doch das Tourismusgebiet bei Valea lui Liman hat weit mehr zu bieten als nur Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Die Umgebung lädt zu Wanderungen ein, wobei unterwegs auch einige Höhlen und Kavernen besichtigt werden können. Die wohl bekannteste Höhle ist die Române{ti-Höhle, eine in Europa einzigartige Kaverne, die anlässlich eines hier jährlich stattfindenden Konzerts Touristen aus mehr als 35 Ländern der Welt heranzieht.

Die Wanderungen erfolgen durch weite Wälder, sei es auf bekannten Pfaden oder aber durch wilde Gegenden, die gerade wegen dieser Unberührtheit bei den Wanderern so beliebt sind. Im Poiana-Ruscăi-Massiv gibt es zwei Naturreservate: Der Natursee bei Rădmăneşti und der Narzissen-See auf einem Areal von 20 Hektar in unmittelbarer Nähe des Dorfes Băteşti. Auch spiritueller Tourismus kann in dieser Gegend betrieben werden. Das orthodoxe Stift „Izvorul lui Miron“, das Nonnenkloster „Acoper²mântul Maicii Domnului“ sowie die 14 Holzkirchen aus der Fatscheter Gegend, die zwischen dem XVI. und dem XVIII. Jahrhundert errichtet worden sind, stellen weitere Gründe dar, der Tourismusanlage Valea lui Liman einen Besuch abzustatten.

„Wir würden uns wünschen, auch im Winter Touristen bei uns begrüßen zu dürfen, denn es gibt einen wunderschönen Winterwanderweg hier“, sagt  Stelică Nicorescu. Urlauber können im Winter bis zum Tăul Ursului einen etwa 15 Kilometer langen Wanderweg gehen – im Sommer führt der Weg weiter bis zum 1356 Meter hohen Rusca-Gipfel. Auch Jäger und Angler fühlen sich wohl in der Gegend bei Valea lui Liman, denn in den Wäldern gibt es reichlich Rehe und Wildschweine, während im Bega-Fluss zahlreiche Forellen herumschwimmen.

Neben den Wanderungen und Mountain-Bike-Fahrten können Adrenalin-Fans auch Rafting auf der Bega machen. Der Bega-Fluss, der aus dem Poiana-Ruscăi-Gebirge entspringt, bietet auf vor allem für Anfänger den geeigneten Rahmen, Rafting-Sport zu treiben.

Unterkunft für jeden Geldbeutel


Übernachten können Reisende nicht nur im Zelt, sondern auch in den Räumlichkeiten der Tourismusanlage Valea lui Liman, die mit drei Margareten versehen ist. In den zur Tourismusanlage gehörenden Pensionen stehen den Touristen 75 Übernachtungsplätze zur Verfügung. Darüber hinaus können sie auch die 30 Holzhäuschen mit je zwei Betten buchen. Die Preise beginnen bei 60 Lei pro Holzhäuschen und erreichen 250 Lei pro Nacht bei der Buchung einer Villa mit mehr als sechs Übernachtungsplätzen. Die Freizeitanlage ist mit einem Swimming Pool ausgestattet, der gegen 5 Lei pro Person in genutzt werden kann.

„Zu unseren Gästen zählen Mitarbeiter von Unternehmen, die sich an verschiedenen Team-Building-Aktivitäten beteiligen. Im Sommer werden hier Trainings- und Ferienlager für Schüler und junge Sportler organisiert“, sagt Stelică Nicorescu. Gruppen von mehr als 50 Personen gewährt der Geschäftsführer Rabatte. In dem Restaurant-Saal gibt es Plätze für bis zu 200 Personen. Hier werden an Wochenenden Hochzeiten und Tauffeiern veranstaltet.

Die vielleicht attraktivste Veranstaltung in der Gegend ist das Dorffest, die rumänische „Nedeie“, das bereits seit 36 Jahren immer im August veranstaltet wird. Hier können gerade ausländische Touristen erleben, was rumänische Folklore ist. Mehr als 800 Volkskünstler, Musiker und Tänzer führen zu diesem Anlass spezifische Banater Tänze, Sitten und Bräuche vor.

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