Bier, Schnaps, Likör und Wein in der Stadtgeschichte

Eine Ausstellung im Geschichtsmuseum über die flüssige Versuchung

Freitag, 28. Dezember 2012

Bierkrüge aus Zinn, ein Blechteller, ein Geldbeutel und das Schild des Gasthofes „Zum Weißen Hahn“, Exponate aus dem Bestand des Geschichtsmuseums oder geliehen von verschiedenen Sammlern illustrieren die Zeiten als „gespeist“ oder „gezecht“ wurde und Fast-Food noch nicht „in“ war.

So dürfte eine Tischecke im Kaffeehaus „Elite“ vor 1900 ausgesehen haben. Fotos: Hans Butmaloiu

Die Ausstellung welche im großen Saal des Geschichtsmuseums am Marktplatz in diesen Tagen besichtigt werden kann, trägt einen ebenso interessanten wie herausfordernden Titel: „Alkohol, Genuss und Laster im einstigen Kronstadt“, gestaltet von Kuratorin Cristina Tănase. Interessant, weil zwar die Namen vieler Orte in Kronstadt in Verbindung mit Kneipen oder Wirtshäusern stehen (man denke nur an das ältere „Weiße Lamm“ oder die etwas neueren „Ceasul Rău“ oder „Cheia Franceză“, Namen und Spitznamen), andererseits aber eben die Geschichte, die sich hinter einigen dieser Orte verbirgt, vielen unbekannt ist.

Auch Museumsdirektor Radu Ştefănescu schlug einen leicht belustigten Ton an, als er bei der Eröffnung der Ausstellung auf Personen, Orte und Namen von Herbergen, Gaststätten, Wirtshäusern und Kneipen Kronstadts verwies, wobei er die Bemerkungen noch mit persönlichen Erinnerungen würzte. Die Würze der Ausstellung liegt übrigens diesmal vor allem in den Texten und Beschreibungen der Wandtafeln. Durch diese lebt die „flüssige“ Vergangenheit erst richtig auf.

Eine Reise durch diese Vergangenheit beginnt irgendwo, ganz weit, als unter Vlad dem Pfähler und Alexandru Lăpuşneanu nur der gegorene Rebensaft zum Genuss vorhanden war. Das Destillierverfahren ist jedoch frühzeitig eingeführt worden und eine der Tafeln präsentiert so eine komplizierte Anlage aus dem 19. Jahrhundert.

Gleich nebenan gibt es aber auch das einfachste Bierrezept welches zuhause gebraut werden kann. Bierbrauen und Schnaps brennen war sowieso 150 Jahre lang steuerfrei und wurde erst ab 1764 schrittweise eingeschränkt und besteuert. Wie ergiebig das Geschäft mit Alkohol gewesen sein muss, geht aus den Registern der Handelskammer Kronstadt von 1889 hervor wo fünf Fabriken zu finden sind, welche alkoholische Getränke produzierten: Czell und Habermann waren Bierbrauereien, Czell hatte auch eine Spiritusbrennerei und Kenyeres und Teutsch produzierten Liköre.

1902 waren im Register der zugelassenen Gewerbe ein Bierlager und zwei Bierkeller eingetragen, zu denen 170 Kneipen, vier Bordells, sechs Kaffees, zehn Wirtshäuser, 29 Restaurants, eine Schaumweinfabrik, eine Spiritusfabrik und vier Likörfabriken kamen. Alles bei einer Stadtbevölkerung von etwa 34.500 Einwohnern.

Vergrößerungen von Postkarten oder Privataufnahmen mit einigen der bekanntesten Lokale aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg illustrieren eine Epoche, die von Kronstädter Autoren beschrieben worden ist. Die Zeit überdauert haben auch einige Aushängeschilder legendärer Gasthöfe Kronstadts wie „Zur Goldenen Krone (Klostergasse Nr. 12), „Zur Goldenen Birne“ oder „Zum Weissen Hahn“. Aus Lokalen dieser Zeit stammen auch die Trinkgefäße, vor allem die Bierkrüge aus Zinn und die tönernen Weinkrüge.

Erst die modernen Zeiten brachten, neben dem Ausschank von Schnaps, Bier und Wein, den Kaffee unter Sonnenschirmen, Markisen oder in Lokalen in Mode. Kronstadt hatte nur wenige Jahre nach Wien und Budapest auch schon seine Cafés von denen das in der Klostergasse, welches Drechsler gehörte, zur Legende wurde, genauso wie das etwas später eröffnete „Elite“. Aus einem dieser Kaffeelokale stammen ein Zeitungshalter und mehrere Zeitungen mit dem Erscheinungsdatum vor 1900.

Ein besonderer Teil der Ausstellung ist denen gewidmet, welche in Lokalen Musik machten, als die Lautsprecher noch nicht erfunden waren. An sie erinnert das wohl verbreitetste Instrument, das zum Einsatz kam: eine Geige. Zu den persönlichen Erinnerungen an neuere Zeiten in Kronstädter Lokalen, welche Museumsdirektor Radu Ştefănescu erwähnte, gehört auch die über die heutige Nachtbar des ARO-Hotels, ein Raum, aus welchem bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts Übertragungen von Jazz-Konzerten im Nationalrundfunk zu hören waren.

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