„Bijniţar“

Mittwoch, 23. Mai 2012

Mit Francois Hollande und Victor Ponta sind in den vergangenen Wochen zwei Politiker auf die europäische Bühne getreten, die behaupten, „Sozis“ zu sein und die sich unter den zusätzlichen Einkommensquellen des immerklammen Staates die Soli–Steuer auf die Fahnen schrieben. Nichts Neues. Progessive Besteuerung von Vermögen und Einkommen wird in manchen Ländern bereits praktiziert.

Salopp gesagt: diejenigen, die mittels Ideen, Risikobereitschaft, Innovationsfreude, Nutzung des günstigen Augenblicks, Fleiß, Selbstaufgabe, Einsatzbereitschaft und wirtschaftlich-finanziellem Geschick mehr verdienen als jene, welche alldas weniger oder nur in Maßen haben, werden zur Kasse gebeten – letztendlich zugunsten der weniger Geschickten, weniger Ideenreichen, weniger Risiko- und Einsatzbereiten, Verschlafenen, sich Schonenden und ... Fauleren. Reich sein wird bestraft, faul sein ...

Zu Beginn der 90er Jahre, als die große Hilfseuphorie Rumänien flutete, kam oft die Geberbedingung: „Wir wollen aber nur den WIRKLICH ARMEN helfen!“ Diese an sich hehre Absicht scheiterte regelmäßig an der Frage nach der Definition des „wirklich Armen“. Arm oder reich sein ist eine Frage des Vergleichs. Ist jemand, der täglich was zum Beißen hat, reicher als der, der hungert? Zweifelsohne! Ist der Blockbewohner reicher als der, der unter der Brücke oder auf Parkbänken schläft? Keine Frage!

Lucius Annaeus Seneca, Kaiser-praeceptor und Nero-Berater, schrieb: „Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm.“ Nur: auch dieser Spruch des Philosophen ist anfechtbar, denn wer viel wünscht, kann mehr erreichen (hieß es später und vor allem bei protestantischen Denkern  - zumindest in der Analyse von Max Weber). Und wird dann vom Staat durch eine Reichensteur abgestraft...

In Rumänien wurde die Mentalität, die vermeint, Reichsein sei eine (strafbare) Schande, mit der Beugung von „business“ eingeleitet: vom „Businessman“ zum „Bijni]ar“ geht der Weg vom ehrbaren Geschäftsmann zum Geldwechsler und Übers-Ohr-Hauer an der Straßenecke, der die Kompromittierung des Geschäftssinns und –inhalts meint.

Kaltschnäuzig, deine Mitmenschen zu überflügeln und nicht bereit zu sein, mit ihnen zu teilen – wehe dem, der erfolgreich ist! Die öffentliche Meinung und der plattwalzende Staat strafen ab. Dass auch Barack Obama zunehmend von einer Solidaritätssteuer sprach – na ja, vor Beginn des Wahlkampfs – das zeigt die Globalisierung einer antiunternehmerischen Haltung und des Generalverdachts gegenüber allen, die sich durch wirtschaftlich-sozial-finanziellen Erfolg von „den Massen“ abheben. Wer reich ist, ist folglich ein Dieb! Unmöglich, ein Vermögen auf ehrliche Weise zu erringen! Ehrliche Arbeit macht nicht reich!

Anscheinend steht uns eine Umkehrung einer Definition des Diebstahls aus dem Strafgesetzbuch bevor: „Das Nehmen eines mobilen Guts aus dem Besitz eines Anderen, ohne dessen Einverständnis.“

Sind die Reichen mit der Solidaritätssteuer im Einverständnis?

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