Bilanzen deutscher Manager

Zum Buch „Kein Gurt – nirgends“ oder Wirtschaftserlebnisse in Rumänien

Mittwoch, 18. April 2012

Michael Brenscheidt (Hg.): „Kein Gurt - nirgends. Erlebnisse deutscher Manager in Rumänien“. Verlag Institut für Außenwirtschaft GmbH Münster 2011, 101 S.

Rund 6000 deutschsprachige Mitarbeiter, die auf Zeit von ihren Firmen nach Rumänien geschickt worden sind („Expats“), leben im ganzen Land, 1000 sollen es im Kreis Hermannstadt/Sibiu sein. Wie ergeht es Wirtschaftsexperten, die in Rumänien ein venture (joint oder nicht) anbahnen und durchstarten wollen? Zu dieser Frage äußern sich die Betreffenden und manchmal Betroffenen: sieben Manager, allesamt aus Deutschland. Ihre Berichte werden herausgegeben von Michael Brenscheidt, Rechtsanwalt und Ex-Geschäftsführer von Brau und Brunnen International GmbH, der allein elf Beiträge liefert. Der Abgeordnete des Deutschen Forums, Ovidiu Ganţ, verfasst ein Schluss- und Dankeswort, Susanne Kastner, die der Deutsch-Rumänischen Parlamentariergruppe und dem Deutsch-Rumänischen Forum vorsteht, bezieht sich in ihrer Einleitung auf die Geschichte der Region und erklärt zu deren Gegenwart: „Mittlerweile ist 'Deutsch' zu einem Qualitätsmerkmal geworden, was in Rumänien nicht immer der Fall war.“

Wer – wie Werner E. Stein – ja sagt zu der Aufforderung, drei Monate lang den Aufbau rumänischer SOS-Kinderdörfer voranzutreiben, danach die Frist auf drei Jahre verlängern lässt und schließlich die erste Unternehmens- und Personalberatung gründet, kann ja nur glücklich und erfolgreich gewesen sein. Auch Gerhard Eschenbaum von der IHK Düsseldorf berichtet nahezu enthusiastisch vom Reiz der Anfänge und ist „glücklich über die Pionierjahre in Rumänien“. Dabei erwähnt er aber auch „unerfüllte Hoffnungen“, „dubiose Privatisierungen und korrupte Politiker“, die Zweifel an der Europafähigkeit des Landes aufkommen ließen.

Der Herausgeber selbst berichtet etwa darüber, wie das Investment in die Zapfanlagen einer Brauerei sich bereits in weniger als zwei Jahren durch Vermietung an die Brauer amortisiert hatte. Für ihn und andere waren ein Glücksfall „die neuen rumänischen Gesetze, die von angloamerikanischen Anwaltskanzleien und Steuerexperten verfasst und 1991 erlassen wurden“. An anderer Stelle in diesem Band weiß er auch von einer zunächst gescheiterten Investition zu berichten, aber: „Jahre später gelang die Privatisierung, und heute gehört Borsec zu den erfolgreichsten Mineralwässern im rumänischen Markt.“ Seine Firma Brau und Brunnen AG kalkulierte allerdings mehrfach falsch auf dem deutschen Biermarkt, weshalb das Unternehmen mit seinen rumänischen Beteiligungen an eine südafrikanische Firma verkauft werden musste. Ursus-Bier – darum geht es hier – blieb aber die beliebteste rumänische Biermarke und erfolgreich: „Im November 2011 konnte der Verfasser Ursus-Bier und Borsec-Mineralwasser auf Mallorca genießen!“

Brenscheid erzählt auch von einer extrem kostspieligen Übernahme, bei der der Investor tüchtig Lehrgeld zu zahlen hatte wegen seines forschen Vorgehens und des unsensiblen Umgangs mit einheimischen Führungskräften. Hübsch kurz, und zwar mehrfach: hübsch und kurz – schreiben die Expats über das Reisen und die Probleme damit im Lande. Wunderliches wird nicht verschwiegen, z. B. der Verkauf von Grabstellen u. U. zu Teilen. Ebenso wenig werden Themen aus dem Spannungsfeld zwischen Kooperation und Korruption umgangen: „Kontrolle ist gut, Sponsoring ist besser“ (Michael Motzki), ohne dass naheliegende Illusionen gepflegt werden: „Politische Beziehungen sind wichtig – eine Garantie für reibungslose Geschäfte sind sie nicht“ (M. Brenscheidt).

Im Einzelnen könnten genannte und ungenannte Vorgänge selbstredend allein durch umfangreiche Recherchen geprüft und dokumentiert werden, die auch den Verlierern eine Sprache gäben. Aber darum geht es hier nicht. Im vorliegenden Fall geht es um bunte Tupfer in den Impressionen von Führungskräften im Auslandseinsatz.

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