BILDRAUSCH – UNSER FILMTIPP DER WOCHE

Morris Lessmore und die fliegenden Bücher

Freitag, 27. Juli 2012

Die Macher von „Die fantastischen fliegenden Bücher des Morris Lessmore“ haben sich wirklich was einfallen lassen: Sie bieten einen Kurzfilm an, der sich wie ein interaktives E-Book „lesen“ lässt. Pixar-Illustrator William Joyce und Regisseur Brandon Oldenburg erzählen eine rührende Geschichte über Bücher, Liebe und eine magische Gefangenschaft.

Bücher lassen sich am besten in einer magischen „Gefangenschaft“ schreiben – weit weg vom Menschlichen und von den Verlockungen des Alltags. Hiermit nehmen fliegende Bücher den jungen Morris Lessmore  gefangen und lassen ihn nicht mehr los.

Umso „digitaler“ und futuristischer das Making-of des Films „Die fantastischen fliegenden Bücher des Morris Lessmore“ ist, desto simpler, „analog“ und tief ergreifend ist der Inhalt: Die stumme Animation, die den Oscar 2012 als bester animierter Kurzfilm gewann, erzählt die Geschichte des jungen Morris Lessmore, der sich nach einem Sturm in einer magischen Welt der lebenden und fliegenden Bücher wiederfindet, die ihn aufnehmen und nie wieder loslassen. Lessmore wird von einer geheimnisvollen „Bücherfee“ zum neuen Bewohner des Hauses der Bücher auserwählt.

Er wird vom Daumenkinobuch in seinem neuen Leben initiiert und beginnt, Verantwortung zu übernehmen.

Um „wachsen“ zu können, müssen die Bücher dauernd mit Buchstaben und Zeilen „ernährt“ werden; um ihre Bestimmung zu erfüllen, müssen sie gelesen werden und um erhalten zu bleiben, sollen vor allem die alten Publikationen regelmäßig gepflegt werden – hiermit braucht die Bibliothek eine ununterbrochene Aufmerksamkeit. Für Morris Lessmore gibt es nun kein Entkommen mehr. Er muss seine eigene Bestimmung erfüllen und widmet sein ganzes Leben der Bücherwelt. Denn, ein Leben ohne Buchstaben ist ja unvorstellbar.

Der 15-minütige Streifen, der gänzlich ohne Dialog auskommt, erinnert an alte Stummfilme, der klassische Stil in Form von alten Disney/Pixar-Animationen verleiht der Produktion Wärme und eine gewisse Rührseligkeit. Objekte werden lebendig, Bücher sind Familie und Freunde zugleich. Der Zuschauer blickt, lächelt und verliert sich für einige Minuten in einer anderen Welt. Magie und Herzlichkeit bestimmen da den Alltag, Bücher beleben die Landschaft und verleihen der Umgebung Farbe.

Es dominiert der lang anhaltende Blick der Kamera, um dem Zuschauer Ruhe zu verleihen und ihm die Möglichkeit zu geben, sich in die neue Welt einzuleben. Die Kamera alterniert zwischen totalen, halbtotalen und Nahaufnahmen und lässt dabei Farbe, Handlung und Emotion zu einer erfolgreichen Mischung zusammenschmelzen.

Als Vorlage für die sympathische Titelfigur diente William C. Morris, daher auch die Namensähnlichkeit. Morris hat die Kinderbuchabteilung des Verlags HarperCollins geleitet und war gleichzeitig Ansprechpartner für US-amerikanische Bibliotheken. 

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