Bis es nicht zu spät ist

Ein Pilotprojekt setzt sich für die Rettung der Denkmäler ein

Donnerstag, 08. Dezember 2016

Gebäude müssen leben. Wenn man sie nicht pflegt, sind sie dem Verfall preisgegeben. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich jahrhundertealte Bauten, die nicht saniert wurden, in Schutt verwandeln werden. Dabei geht nicht nur ein Stück Geschichte verloren, auch Menschenleben können durch die einstürzenden Bauten in Gefahr gebracht werden. Das Kulturerbe wird oft durch Ignoranz zerstört: das zeigten auch zwei traurige Vorfälle, die sich Anfang dieses Jahres ereigneten. Im Februar stürzten der Kirchturm von Rothbach/Rotbav und ein Teil des Kirchturms von Radeln/Roadeş im Kreis Kronstadt/Braşov ein. Die beiden Vorfälle wirkten wie ein Alarmsignal: man sollte unbedingt vermeiden, dass Derartiges weiterhin geschieht. Auf die Dringlichkeit von Vorbeugungsmaßnahmen soll auch ein Pilotprojekt der Vereine „Monumentum“, „Pro Patrimonio“ und „Transylva-net“aufmerksam machen, das vor Kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Projekt „Ambulanz für Monumente“ will nicht nur Unternehmen und Stiftungen, sondern auch einfache Bürger miteinbeziehen. Diese sollen nicht nur für die sich in Gefahr befindenden Denkmäler spenden, sondern auch aktiv dabei mithelfen, dass das Kulturerbe nicht verloren geht.  

Vergessene Monumente

Die Ambulanz für Denkmäler/Ambulanţa pentru monumente ist ein Pilot-Projekt, das sich vornimmt, das immobile Kulturgut Rumäniens vor dem Verfall zu retten, indem es einige der wichtigsten Baudenkmäler, die sich in einem schlechten Zustand befinden, sichert. Bis heute wurden sechs Eingriffe an verschiedenen Baudenkmälern im Süden Siebenbürgens vorgenommen: das aus Eichenholz geschnittene und mit Brâncoveanu-Motiven dekorierte Tor des Brâncoveanu-Klosters von Sâmbăta de Sus, die Kirchenburg Welz, die orthodoxe Kirche in Gürteln/Gherdeal, die Ruine des Wehrturms von Geist/Apaţa und die Bahnstation in Schaas. Ebenfalls nimmt sich das Projekt vor, die Zivilgesellschaft in die Rettung und Sanierung der Denkmäler einzubinden. Die Regel, nach der das Projekt funktioniert, ist einfach: dort wo es eine finanzielle Stütze gibt, um die nötigen Materialien für die Sanierung zu kaufen, wird das Denkmal mit Hilfe von Volontären renoviert.
Die meisten Gebäude auf der Liste der „Ambulanz für Denkmäler“ befinden sich im Kreis Kronstadt. Darunter die Kirchenburg Draas/Drăuşeni, die Schule in Katzendorf/Caţa, das Bethlen-Schloss von Krebsenbach/Racoş, die Sommerburg/Cetatea Jimbor, die Holzkirche in Cuciulata, die Schlösser Mekes und Nemes von Budila, sowie ein paar Häuser in Deutsch-Kreuz/Criţ und Siebendörfern/Săcele.

Versteckte Sehenswürdigkeiten

Aus der Stadt Kronstadt wurden die Synagoge in der Burgstraße/Str. Castelului und die römisch-katholische Kapelle neben dem Dramentheater für die Sanierung vorgeschlagen. Im Falle der Kapelle wurden die Renovierungsarbeiten schon gestartet. Diese befand sich seit Jahren in einem verwahrlosten Zustand. Das Gebäude wurde im Jahr 1821 auf dem daneben liegenden Friedhof gebaut, der bereits seit 1342 existiert. Die Verwahrlosung begann schon in den 50er Jahren, als die Beisetzungen auf dem Friedhof vom kommunistischen Regime untersagt wurden. Im Jahr 1957 wurde dieser sogar aufgelöst. Man drohte, die Kapelle abzutragen, was zum Glück nicht mehr eingetroffen ist. In der Kapelle konnten bis zur Wende keine Gottesdienste gefeiert werden. Auch danach wurden nur einige wenige liturgische Handlungen vorgenommen. Durch Vandalismus wurde die Kapelle schwer beschädigt, die darunterliegende Gruft aufgebrochen. Laut dem Sprecher des Kronstädter Bürgermeisteramtes wurde im Juli auf Antrag des römisch-katholischen Pfarramtes eine Baugenehmigung für die Reparatur der Kapelle ausgestellt. Innerhalb von 12 Monaten sollen die Innen- und Außenreparaturen durchgeführt werden.

Im Falle der Synagoge in der Burggasse Nr. 64 handelt es sich um die vielleicht versteckteste Sehenswürdigkeit der Stadt unter der Zinne. Die Synagoge, ein wahres architektonisches Kunstwerk, ist seit 1989 nicht mehr in Betrieb. Die jüdische Gemeinde will das Gebäude nicht verkaufen, und die Renovierung ist viel zu teuer. Es wurde bisher keine Lösung für das Gebäude gefunden, deshalb wird sein Zustand immer schlechter. Jetzt besteht dank des Projekts „Ambulanz für Denkmäler“ ein kleiner Funken Hoffnung, dass dieses wunderschöne Gebäude doch gerettet wird. Das Projekt wird von AFCN (Administraţia Fondului Cultural Naţional/Verwaltung des Nationalen Kulturfonds), Global Heritage und Anglo-Romanian Trust for Traditional Architecture unterstützt. Koordiniert wird es vom Verein Monumentum in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Patrimonio und der Föderation für Siebenbürgisches Kulturerbe, dem ASTRA-Museum und den Kreisverwaltungen für Kultur aus den Kreisen Hermannstadt/Sibiu, Mureş und Kronstadt.

So kann man mitmachen

Die komplette Liste mit den Denkmälern, die gerettet werden sollen, findet man auf der Webseite www.ambulanta- pentru-monumente.ro. Privatpersonen, die für eins oder mehrere Denkmäler spenden wollen, finden dort eine Kontonummer.  Sie müssen dabei unbedingt angeben, für welches Monument sie spenden wollen. Sobald die Spende auf das Konto eingegangen ist, werden die nötigen Materialien für die Sanierung gekauft und die Freiwilligen gehen an die Arbeit.
Man kann auch direkt Materialien spenden. Wer als Volontär arbeiten will, kann eine Mail an ambulanta@ asociatiamonumentul.ro schreiben. Bisher haben über 30 Volontäre bei den Restaurierungsarbeiten geholfen. Das Tor zum Brâncoveanu-Kloster wurde beispielsweise mit Hilfe von 14 Freiwilligen saniert. Natürlich kann die Liste auf der Webseite noch mit Hunderten von anderen Gebäuden erweitert werden.

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