Bischof Lucian Mic Kandidat für Metropolitenstuhl

Der künftige Metropolit des Banats könnte wieder aus Karansebesch kommen

Dienstag, 14. Mai 2013

Karansebesch/Temeswar - Anlässlich des mit viel Geldaufwand gefeierten jüngsten Kirchweihfestes in Karansebesch („Ruga de la oraş“ – am Sonntag nach den orthodoxen Ostern) ließ Bürgermeister Ion Marcel Vela wie zufällig die Bemerkung fallen, dass dies das letzte Kirchweihfest sein könnte, das mit dem Segen des amtierenden Karansebescher rumänisch-orthodoxen Bischofs Lucian Mic stattfindet. Dieser werde mit großer Wahrscheinlichkeit in unmittelbarer Zukunft in der Hierarchie der rumänisch-orthodoxen Kirche aufsteigen und mit anderen Aufgaben und der Betreuung anderwärtiger Gläubigen betraut.

Nachfragen ergaben, dass unter den Laienmitgliedern des Bistumsrats von Karansebesch – angeblich aber auch unter Laien und Priestern des Metropolierats von Temeswar – sich das hartnäckige Gerücht hält, dass Bischof Lucian Mic zu den aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge des schwerkranken und von hohem Alter gezeichneten Erzbischofs von Temeswar und Metropoliten des Banats, Dr. Nicolae Corneanu (dessen Familie aus dem Karansebescher Raum stammt), gezählt wird. Bürgermeister Vela, der in beiden Kirchenräten sitzt, nahm die Verabschiedung des Karansebescher Bischofs vorweg und schenkte ihm beim Kirchweihfest einen Hirtenstab, der angeblich aus einem Olivenast vom Berg Athos geschnitzt ist. Mit diesem in der Hand „möge er auch den Gläubigen anderer christlicher Gegenden dieselbe Hingabe, dasselbe Verständnis und dasselbe Wohlwollen“ zeigen, wie er es als Bischof von Karansebesch den orthodoxen Gläubigen des Banater Berglands gegenüber getan hat.

Bischof Lucian (er stammt aus dem Arader Raum), der sich bei seiner Bischofsweihe im Februar 2006 in der rumänisch-orthodoxen Kathedrale von Temeswar den Beinamen „Mic“ zugelegt hat, wurde vom amtierenden Metropoliten des Banats, Dr.Nicolae Corneanu, zum Nachfolger des damals amtierenden Karansebescher Bischofs Dr.Laurenţiu Streza bestimmt, als dieser von der Synode der rumänisch-orthodoxen Kirche als Metropolit Siebenbürgens bestätigt wurde und seinen Sitz in Hermannstadt bezog. Dr.Corneanu hatte Lucian Mic unter der orthodoxen Priesterschaft der rumänisch-orthodoxen Diözese von Ungarn mit Sitz in Gyula/Jula ausgewählt (die zum Zuständigkeitsbereich des Metropoliten des Banats ebenso gehört wie die Diözese von Werschetz/Vrsac, die für die rumänisch-orthodoxen Gläubigen und Priester im serbischen Banat, in der Vojvodina und im Timok-Tal zuständig ist) und von der Synode der rumänisch-orthodoxen Kirche bestätigen lassen.

Zu Beginn seiner Amtszeit als Bischof von Karansebesch war Lucian Mic mit einigen mutigen Erklärungen aufgefallen, vor allem jener, dass er sich wünschen würde, dass die gigantischen Baumaßnahmen der rumänisch-orthodoxen Kirche (es heißt in kirchenkritischen Kreisen, in Rumänien wären stets rund 1000 orthodoxe Kirchen im Bau, unabhängig davon, wie viele gerade eingeweiht werden) auf ein vernünftigeres und den Vermögens- und Lebensverhältnissen des Landes und seiner Bevölkerung entsprechendes Maß zurückgefahren werden sollten. Fast alle dieser Erklärungen der Anfangszeit seines bischöflichen Mandats hat er inzwischen zurückgenommen oder er hat erklärt, er sei falsch zitiert worden.

Bezüglich der Nachfolge des amtierenden Metropoliten des Banats, Dr.Nicolae Corneanu – zweifelsohne einer der weltoffensten, gebildetesten und klügsten Oberhäupter der rumänisch-orthodoxen Kirche – scheinen sich die Verhältnisse dergestalt entwickelt zu haben, dass Generalvikar Paisie Lugojanu – dem die Intrigen von 2010-2011 vor der Heiligen Synode der rumänisch-orthodoxen Kirche zum Sturz des Metropoliten zugeschrieben werden, die vor zwei-drei Jahren in Temeswar zu Aufruhr unter den Gläubigen und zu Unterschriftenaktionen zugunsten von Dr.Corneanu geführt hatten – nahezu keine Chancen mehr hat, der Nachfolger seines gegenwärtigen Chefs zu werden, nachdem Temeswarer Medien in diesem Jahr auch noch nachgewiesen haben, dass dieser für sich und Mitglieder seiner Familie nicht unerhebliche Geldmengen aus von ihm initiierten und betreuten Projekten (mit unterschiedlichster, auch EU-Finanzierung) abzuzweigen versucht hat. Trotzdem hat er schon vor zwei Jahren verlauten lassen, dass er für das Amt des rumänisch-orthodoxen Metropoliten des Banats und Erzbischofs von Temeswar kandidieren wolle („zur Verfügung steht“).

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