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Freitag, 19. Juli 2013

Manch CFR-Haltestelle bietet einen trostlosen Anblick, z.B. in Racu/Csikrákos, Kreis Harghita. Foto: Ralf Sudrigian

Eine Haltestelle der Personenzüge muss nicht gleich ein Bahnhof sein. Aber ein Minimum an Ausstattung müsste auch so eine „haltă“ vorweisen können. Leider ist das in zu vielen Ortschaften nicht der Fall, weil die rumänische staatliche Eisenbahngesellschaft CFR finanziell nicht gut dasteht.

Die Haltestelle in Racu im Szeklerland, auf der Haupteisenbahnlinie die Kronstadt via Sfântu Gheorghe und Miercurea Ciuc mit dem Norden des Landes und über den Ghimeş-Pass mit der Moldau verbindet, ist in so einer Lage. Zwei Holzbänke von denen einige Latten fehlen, ein Stangengerüst das zu rosten beginnt und nicht mehr überdacht ist, ein übervoller Müllkorb, einige Betonplatten auf der einen Seite des Bahngleises – nur das ist noch übrig geblieben. Nebenan erkennt man zwischen dem Unkraut noch die Reste des Fundaments eines Häuschens, wo wohl ein Kassenschalter und ein kleiner Wartesaal eingerichtet waren. Es fehlen Toiletten und vor allem eine Tafel, die anzeigt, wann und welche Züge hier anhalten. Die Ortsbewohner werden das wohl wissen und  froh sein, dass der Zug da überhaupt noch stehen bleibt. Aber für Touristen oder Fahrgäste, die da nur gelegentlich ankommen oder abreisen, für sie gibt es keine Auskunft und null Komfort. Einzig die Tatsache, dass der Müllkorb voll ist, ist ein Hinweis für das Weiterbestehen dieser Haltestelle. Zum Glück gibt es noch das Schild mit der Ortsbezeichnung, denn ansonsten würden man ja als Fahrgast nicht einmal wissen, wo gerade der Zug hält, ob man aussteigen soll oder nicht.

Wenn der Zug ankommt, steigt man ein und sucht den Schaffner auf, um von ihm eine Fahrkarte zu kaufen. Ansonsten riskiert man, als Schwarzfahrer abgestempelt zu werden und eine Geldstrafe aufgebrummt zu bekommen. Wer allein mit viel Gepäck unterwegs in einem vollen Zug ist, der kann in solch einer Lage nur hoffen, dass der Zugführer Verständnis zeigt und nicht davon ausgeht, man möchte ihn und seinen Arbeitgeber CFR hintergehen. Vielleicht aber freut er sich auch, zusätzlich etwas Geld für sich zu behalten, indem der Zugestiegene nicht auf eine Fahrkarte besteht und dafür sich auch eines „Preisnachlasses“ erfreuen kann.
Auch das Aussehen und der Betrieb dieser Dorf-Haltestellen, die bei Zugreisen vor Ort den ersten Eindruck über Land und Leute vermitteln, sagt etwas aus über Regionalentwicklung, Tourismus und Verkehr im EU-Mitgliedsstaat Rumänien.

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