Bleibende Freundschaft

50-jähriges Klassentreffen der Absolventen der Deutschen Abteilung des Kronstädter Lyzeums Nr. 1

Samstag, 24. September 2016

Zum Erinnerungsfoto stellten sich die Teilnehmer am Klassentreffen wie vor 50 Jahren vor das Andrei-Şaguna-Kolleg, wo damals die Deutsche Abteilung untergebracht war.
Foto: privat

Das zu diesem Anlass von Wolfgang Wittstock herausgebrachte Klassenbuch erfreute sich allgemeiner Anerkennung.

Die in der Heimat organisierten Klassentreffen der Absolventen der deutschen Kronstädter Schulen gleich wie diese vor 50 oder mehr Jahren hießen, finden nur gelegentlich und in unterschiedlichen Zeitabständen statt. Gründe gibt es mehrere dafür, obwohl ja ein Klassentreffen an der ehemaligen Schule, die man absolviert hat, gleich wo diese liegt, stattfinden sollte. Erstens geben das Alter und der damit im Zusammenhang stehende gesundheitliche Zustand zu bedenken, eine solche Reise in die Heimat auf sich zu nehmen. Zu dem leben da nur noch in absoluter Minderheit ehemalige Kollegen, und auch unter diesen findet sich nicht immer jemand oder mehrere, die eine solche aufwändige Organisation noch auf sich nehmen könnten. Geschieht das trotzdem, wird ein solches Treffen zu einem besonderen, auch ergreifenden Ereignis des Wiedersehens der Kollegen mit der ehemaligen Schule, der Stadt, der Heimat, die man aus unterschiedlichen Gründen vor geraumer Zeit verlassen hat.
 

Am ersten Wochenende des September l.J. trafen in Kronstadt 32 der insgesamt 51 Absolventen der deutschen Abteilung des Lyzeums Nr. 1 – heute Andrei-Şaguna-Kolleg - von Kronstadt, Jahrgang 1966, zum 50-jährigen Klassentreffen ein. Auch weitere sechs ehemalige Klassenfreundinnen und Klassenfreunde, die in den früheren Schuljahren an andere Schule überwechselten, doch weiterhin in besten freundschaftlichen Beziehungen mit den ehemaligen Kollegen blieben, kamen hinzu.

Heute trennen die damaligen Schulabsolventen auch große geographische Entfernungen, da die einzelnen durch familiäre oder berufliche Umstände in verschiedene Richtungen verschlagen wurden. Von den 38 Teilnehmern, die nach vielen Jahren, oder auch kürzeren Zeitspannen wieder den Weg nach Kronstadt fanden, kamen 26 aus Deutschland, zwei aus der Schweiz und je einer aus Kanada, Österreich und Ungarn. Sieben der Anwesenden haben ihren ständigen Wohnsitz im Lande, fünf davon in Kronstadt. Von den ehemaligen Professoren konnten sich daran der Deutsch- und Klassenlehrer der Absolventenklasse XI.H – Human, Wilfried Bielz und Physiklehrerin Sigrun Bielz geb. Klein beteiligen, die aus Deutschland angereist waren.

Das Wiedersehen war besonders herzlich. Das hiesige Organisationskomitee bestehend aus Magda Delfavero/Bolohan, dem leider in der Zwischenzeit verstorbenen Eugen Frosin, Peter Simon und Wolfgang Wittstock hatten seit geraumer Zeit ein besonders schönes und vielseitiges Programm ausgearbeitet. Dafür wurde auch eine rund 260 Seiten umfassende Festschrift von Wolfgang Wittstock herausgebracht, die in einer Auflage von 130 Exemplaren, unter sehr guten drucktechnischen Voraussetzungen in der Hermannstädter Honterusdruckerei erstellt wurde.

Mit klopfenden Herzen betraten die ehemaligen Absolventen am Samstag, dem 3. September nach 50 Jahren das Gebäude des Andrei-[aguna-Nationalkollegs, wo sie in der „Sala academicienilor“ (Saal der Akademiker) vom Schuldirektor Prof. Dorel Agache begrüßt wurden und der eine Vorstellung der Schule machte. Prof. Wilfried Bielz leitete die Klassenstunde, wobei er die Namen der Absolventen der beiden Klassen XI.G – Real und XI.H – Human aus dem Katalog des Schuljahres 1965/1966 vorlas. Die Anwesenden berichteten kurz aus ihrem Leben, boten auch Erinnerungen. Ausführliche Berichte der ehemaligen Absolventen, Nachrufe auf die Verstorbenen sind in dem aus diesem Anlass veröffentlichten Klassenbuch zu lesen. Der Begegnung in der Schule vorausgegangen war eine Orgelführung und ein Orgelkonzert in der Schwarzen Kirche, geboten von Eckart Schlandt. Am Kirchhof beim Honterusdenkmal war am Morgen auch der Treffpunkt für diesen inhaltsreichen Tag gegeben worden, der abends mit Sektempfang und Festessen endete. Danach konnten die Teilnehmer Erinnerungen während einer Filmvorführung auffrischen. Vorbereitet hatte Dietmar Herberth (München) diese Überraschung mit Ansichten von allen bisherigen acht Klassentreffen, die er fotografisch und auch im Film festgehalten hat. Beste Voraussetzungen waren im Kronstädter Kolping-Hotel für Unterkunft, geselliges Beisammensein, Essen für die Teilnehmer geschaffen worden. Daher ging auch deren Dank an dessen Leitung. Nächstes Klassentreffen soll bereits 2019, voraussichtlich in Deutschland stattfinden.

Einen krönenden Abschluss fand das Treffen am Sonntag mit einer Autofahrt zur Pension „Villa Hermani“ im Bergdorf Măgura, wo bei schönstem Sommerwetter und Sicht auf die Berge das Mittagessen von den Gastgebern Katharina und Hermann Kurmes geboten wurde.

Worte der Anerkennung hatten die Teilnehmer an dem Treffen für die Organisatoren, aber auch für das Klassenbuch, das auch als bleibende Dokumentation zum Kronstädter deutschen Schulwesen gewertet werden kann. In seinem Beitrag geht Hansgeorg von Killyen ausführlich auf dieses ein, wobei auch der rumänische, ungarische, jüdische und der Hochschulunterricht erwähnt werden. Der Band enthält noch eine Chronologie in Stichworten des Honterus-Gymnasiums. Die Daten zu 23 Professoren – Wilfried Bielz, Vasile Bota, Constantin Cuza, Ernst Fleps, Heinz Heltmann, Franz von Killyen, Herta Lang, Ingeborg Miess, Kurt Philippi, Sebastian Seidel, Bettina Schuller, Helfried Weiß u.a. -, die auch zahlreiche andere Generationen ausgebildet haben, sind ansprechend wie auch die Selbstdarstellungen der Absolventen, die sich nun nach 50 Jahren in Freundschaft wieder trafen. Im Anhang werden ansprechende Fotos aus der Lyzeumszeit geboten. Abschließend dankt der Herausgeber Wolfgang Wittstock allen, die in irgendeiner Weise bei Zustandekommen dieses Klassenbuchs mitgewirkt haben.

Mit Recht betont Birgit Klein (Kreisel) in ihrem Vorwort zu dem Band: „Tatsache ist, dass Freundschaft eine wesentliche Kraft des gesellschaftlichen Miteinanders darstellt und weit darüber hinausgeht, mal zusammen mit einem Freund, einer Freundin einige angenehme Stunden zu verbringen“.

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