Börse im Aufwind vor Berichtswelle, Banken freuen sich über Verfassungsgerichts-Urteil

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Dienstag, 14. Februar 2017

Die Proteste im Land haben angehalten, die Regierung hat eingelenkt, ein Ministerkopf ist gerollt… Der rumänische Aktienmarkt scheint die politische Entwicklung jedenfalls positiv aufgegriffen zu haben. Sämtliche Indizes legten auf Wochensicht zu, und das nicht zu knapp. Mit einem Plus von 2,8 Prozent führt der Finanzwerte-Index BET-FI die Rangliste an. Damit  sprang er über die 32.000-Punkte-Marke. Hier halfen die SIF-Investmentgesellschaften mit Wochenzuwächsen zwischen 1,6 (SIF3, 0,2565 Lei, ISIN ROSIFCACNOR8) und 6,6 Prozent (SIF1, 1,994 Lei, ISIN ROSIFAACNOR2). Dabei scheint ein gutes Jahr 2016 mit Aussichten auf hohe Dividenden eingepreist zu sein – die SIF-Gesellschaften werden im Laufe dieser Woche ihre Jahresberichte vorlegen.

Der BETPlus-Index legte auf Wochensicht beachtliche 2,4 Prozent zu und konsolidierte so seine Position jenseits der 1000 Punkte. Ähnlich erging es dem Marktindex BET, der dank eines Plus‘ von 2,3 Prozent oder 175,79 Punkten seine Position gut über 7500 Punkten festigte und die 8000-er Marke in den Blick zu nehmen scheint. Der ROTX-Index legte auf Wochensicht nur 2,2 Prozent zu, hauptsächlich weil das Schwergewicht Fondul Proprietatea (FP, 0,895 Lei, ISIN ROFPTAACNOR5) unverändert zur Vorwoche schloss und die Erste Bank (EBS, 132 Lei, ISIN AT0000652011) ein mageres Plus aufwies. Am schwächsten unter allen Indizes schloss der Energiewerte-Index BET-NG ab: plus 1,7 Prozent
Immerhin scheint der Bukarester Aktienmarkt für Anleger wieder attraktiv zu sein. Der Aktienumsatz schoss im Vergleich zur Vorwoche um fast 40 Prozent auf umgerechnet 41,1 Millionen Euro  in die Höhe. Der Tagesdurchschnitt lag bei 8,2 Millionen Euro, wobei gerade in den Tagen nach Bekanntgabe des Urteils des Verfassungsgerichts zu den Krediten in Schweizer Franken der Handel zunahm.

Verfassungsgericht heizt Handel an

Das Verfassungsgericht entschied vergangene Woche, dass das Gesetz zur Umwandlung von Krediten in Schweizer Franken nicht verfassungskonform ist. Das tut den Kreditnehmern zwar weh, müssen sie ihre anfangs zu vorteilhaften Konditionen aufgenommenen Kredite durch die Aufwertung des Schweizer Franken nun teuer zurückbezahlen. Das Urteil unterstützt jedoch Banken, da sie dank angepasster Tilgungsforderungen mit höheren Einkünften rechnen können. Dementsprechend profitierten Bankaktien in der vergangenen Woche von der Urteilsverkündung. Banca Transilvania (TLV, 2,535 Lei, ISIN ROTLVAACNOR1) erreichte ein neues Hoch bei 2,53 Lei je Aktie, BRD-Papiere (BRD, 11,74 Lei, ISIN ROBRDBACNOR2) legten auf Wochensicht 3,1 Prozent zu. Auch die wenig beachtete Banca Comercială Carpatica (BCC, 0,112 Lei, ISIN ROBACRACNOR6) konnte sich eines Plus‘ von satten 9,3 Prozent erfreuen. Nun bleibt abzuwarten, inwiefern dieses Urteil die Bilanzen wirklich aufwertet, haben die Banken doch Jahre Zeit gehabt, solche Darlehen auf andere Währung umzumünzen beziehungsweise sie abzuschreiben.

Ausblick: Berichtssaison in vollem Gange

Mehr als 70 Emittenten, deren Aktien am Hauptmarkt und am Sekundärmarkt AeRO gehandelt werden, veröffentlichen in dieser Woche ihre Jahresergebnisse für 2016. Dies dürfte die Volatilität am Markt etwas erhöhen. Am kommenden Dienstag stehen die Jahresberichte des Bauunternehmens Impact Developer & Contractor (IMP, 0,708 Lei, ISIN ROIMPCACNOR0), des Börsenbetreibers BVB (BVB, 29,8 Lei, ISIN ROBVBAACNOR0), des Kunststofferzeugers Romcarbon (ROCE, 0,1465 Lei, ISIN ROROCEACNOR1) sowie des Börsenneulings MedLife (M, 26,6 Lei, ISIN ROMEDLACNOR6) an. Am Tag darauf werden sich die Berichte überschlagen. Unter den Emittenten, die ihre Jahresberichte vorlegen, befinden sich auch die fünf SIF-Investmentgesellschaften, der Fonds Proprietatea und die Pharma-Unternehmen. Rumäniens größtes börsennotiertes Unternehmen, die OMV-Tochter Petrom (SNP, 0,2835 Lei, ISIN ROSNPPACNOR9) wird seinen Jahresbericht am Donnerstag vorlegen.

Devisen

Der rumänische Notenbankgouverneur versetzte dem Leu erstaunlicherweise in der vergangenen Woche einen heftigen Schlag . Seine Aussage, dass die rumänische Landeswährung keinen Rückhalt gegen eine Abwertung habe, hätten vermutlich die politischen Kräfte im Land als Warnung für die kurz- bis mittelfristigen Auswirkungen einer Beibehaltung des Status Quo verstehen sollen. Tatsächlich setzte  schön früh eine Aufwertung des US-Dollars ein, der Euro wertete sich in der zweiten Wochenhälfte auf. So schloss der Leu gegenüber dem US-Dollar mit einem Verlust von 0,6 Prozent. Gegenüber dem Euro half noch die Aufwertung in der ersten Wochenhälfte für eine Hebung auf Wochensicht um 0,33 Prozent, doch die Verluste der letzten beiden Wochentage lassen auf stärkeren Druck in den kommenden Wochen auch seitens des Euro auf den Leu schließen. Gestern kostete ein Euro 4,5006 Lei, während ein US-Dollar bei 4,2283 Lei lag.

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