Börse schließt vorwiegend freundlich, Berichtssaison bringt interessante Veränderungen zutage

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Dienstag, 21. Februar 2017

Der rumänische Aktienmarkt folgte dem Trend der Vorwoche und schloss vorwiegend freundlich. Nur der Finanzwerte-Index BET-FI verlor an Wert in der vergangenen Woche. Das Kursminus von 1,35 Prozent war den Kurskorrekturen der SIF-Investmentgesellschaften zu verdanken, die zwischen 1,75 Prozent (SIF3, 0,252 Lei, ISIN ROSIFCACNOR8) und 3,27 Prozent (SIF4, 0,71 Lei, ISIN ROSIFDACNOR6) lagen. Der Umsatz lag um mehr als ein Drittel über dem der Vorwoche.

Überraschung im Bankensektor

Mit der Veröffentlichung der Jahresergebnisse wurde auch eine Überraschung im rumänischen Bankensektor aufgedeckt. Die Banca Transilvania (TLV, 2,575 Lei, ISIN ROTLVAACNOR1) meldete mit einem Volumen von 51,8 Milliarden Lei höhere Aktiva als die bislang größere BRD (BRD, 11,8 Lei, ISIN ROBRDBACNOR2) mit einem Volumen von 50,7 Milliarden Lei zum 31. Dezember 2016. Damit stieg die Bank mit Hauptsitz in Cluj-Napoca/Klausenburg auf den zweiten Platz hinter der Erste-Tochter BCR. Die Erste Bank (EBS, 132,5 Lei, ISIN AT0000652011) hatte in Rumänien Aktiva im Wert von 64,6 Milliarden Lei zum Ende des dritten Quartals gemeldet. Doch auch beim Thema Gewinn kann sich die Banca Transilvania sehen lassen: 1,28 Milliarden Lei Reingewinn verbuchte die Bank, ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wenn man von Sondereffekten durch den Kauf des Rumänien-Geschäfts der Volksbank absieht. Die Aktien der Banca Transilvania haben auf Wochensicht 1,6 Prozent zugelegt. BRD schaffte nur 757,5 Millionen Lei Reingewinn, was einem Plus von 62 Prozent entspricht. Doch die Papiere stiegen um nur 0,5 Prozent.

Größtes börsennotiertes Unternehmen wieder in Gewinnzone

Die Sparmaßnahmen und niedrigere Abschreibungen bescherten dem größten börsennotierten rumänischen Unternehmen einen Reingewinn von 1,04 Milliarden Lei im vergangenen Jahr. Damit geriet die OMV-Tochter Petrom (SNP, 0,284 Lei, ISIN ROSNPPACNOR9) wieder in die Gewinnzone, nach einem Verlust von 676 Millionen Lei im Jahr 2015. Das Unternehmen gab bekannt, seinen Aktionären eine Dividende von 0,015 Lei je Aktie auszahlen zu wollen. Das entspricht einer Dividendenrendite von 5,1 Prozent beim aktuellen Aktienpreis. Für die Aktien gab es ein Wochenplus von nur 0,17 Prozent.

Erdgasaktien gaben ein uneinheitliches Bild ab. Das Fördern von Erdgas war 2016 nicht so ertragreich, der Gewinn des Erdgas-Erzeugers Romgaz (SNG, 28 Lei, ISIN ROSNGNACNOR3) ging im Jahresvergleich um 14,2 Prozent zurück. Die Aktien legten nur 1,08 Prozent zu. Stattdessen war das Befördern von Erdgas umso profitabler. Transgaz (TGN, 361 Lei, ISIN ROTGNTACNOR8) konnte den Gewinn um 127,2 Prozent steigern. TGN-Aktien stiegen um 10,4 Prozent und erreichten ein neues Allzeithoch.

Für Stromerzeuger und -versorger war 2016 anscheinend kein so gutes Jahr. Electrica (EL, 14,08 Lei, ISIN ROELECACNOR5), Nuclearelectrica (SNN, 6,05 Lei, ISIN ROSNNEACNOR8) und Transelectrica (TEL, 32,55 Lei, ISIN ROTSELACNOR9) mussten mit Gewinnrückgängen zurechtkommen. Zwischen 20 Prozent (Transelectrica) und 27 Prozent (Nuclearelectrica) lagen die Gewinnrückgänge im Vergleich zum Vorjahr. Die Aktien gaben in der vergangenen Woche um 1,22 (TEL) bis 2,56 Prozent (EL) nach. Dennoch wies der Energiewerte-Index BET-NG mit plus 1,16 Prozent das beste Wochenergebnis unter den Indizes aus. Verantwortlich dafür war allerdings der Erdölterminal-Betreiber Oil Terminal (OIL, 0,149 Lei, ISIN ROOILTACNOR9) mit einem Wochenplus von 26,8 Prozent, wohl dank des um 161 Prozent höheren Jahresüberschusses im Vergleich zum Vorjahr.

Der tiefe Fall von Romcab

Erinnert sich noch jemand an den Glasfaserkabel-Hersteller aus Tg. Mureş/Neumarkt am Mieresch? Romcab (MCAB, Lei, ISIN ROMCABACNOR7) hatte den Markt mit der Ankündigung überrascht, 200 Millionen Euro über eine Anleihenemission einzufahren. Fast gleichzeitig machte das Unternehmen von sich reden, als die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley sich von einem Restanteil von 4,8 Prozent am rumänischen Betrieb getrennt hat. 2007 war das renommierte Geldhaus mit etwa 12 Millionen Lei eingestiegen und hielt damals fast ein Viertel am erfolgversprechenden Unternehmen. Nun hat Romcab am Freitag vorvergangener Woche ebenso überraschend Insolvenz angemeldet. Es ist der größte Insolvenzfall an der BVB, denn Romcab hatte zuletzt (2015) Erträge von 967 Millionen Lei und einen Reingewinn von 42 Millionen Lei verzeichnet.

Devisen

Der rumänische Leu gab in der vergangenen Woche gegenüber den beiden Hauptdevisen Euro und US-Dollar nach. Es trat wohl ein, was der Notenbankgouverneur in der Woche zuvor verlauten gelassen hatte, nämlich, dass der rumänische Leu keine Luft mehr nach oben habe. Die europäische Gemeinschaftswährung drückte den Leu um 0,4 Prozent und kletterte somit wieder über die 4,5-Lei-Marke. Gestern kostete ein Euro 4,5194 Lei. Ähnlich verhielt sich auch der US-Dollar. Er legte auf Wochensicht 0,37 Prozent zu und festigte seine Position jenseits der 4,2-Lei-Grenze. Gestern stand der Greenback bei 4,2442 Lei.


Die hier dargestellten Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Sie stellen keine Rechts- oder Anlageberatung dar. Keine der hier enthaltenen Informationen begründet in keinem Land und gegenüber keiner Person eine Aufforderung, ein Angebot oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Der Autor haftet nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von der Benutzung der hier dargestellten Mitteilungen entstehen können. Alle Werte entstammen der letzten vor Redaktionsschluss abgeschlossenen Handelssitzung.

Kommentare zu diesem Artikel

Jens, 21.02 2017, 09:20
Romcab überraschend? Also bitte!!
Jeder der sich die Bilanzen mal mit Verstand anschaut sieht, das es eine Geldwaschanlage war und ist. Letztes mal war die Firma 6 Jahre lang Insolvent und hat in der Zeit sogar Fördermittel beantragt. Die Insolvenz jetzt war auch bei Leuten, die sich nicht mit Bilanzen beschäftigen, vorhersehbar und in Tg. Mures. wurde nur noch über den Zeitpunkt gerätselt, nicht mehr über das ob.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*