Börse von Regierungswechsel nicht beeinflusst, schließt im Plus

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Donnerstag, 03. Mai 2012

Foto: sxc.hu

Der Regierungswechsel am vergangenen Freitag konnte die Börse nicht mehr beeinflussen, der Markt schloss die vergangene Handelswoche mit einem leichten Plus von 0,6 Prozent. Das reichte allerdings nicht aus, dauerhaft über der 3000-Punkte-Marke zu bleiben. Dennoch legte die Marktkapitalisierung leicht zu (+1,6 Prozent) und auch der durchschnittliche Tagesumsatz stieg, von 5,3 auf 7,6 Millionen Euro.

Indizes und Aktien

Die Erste Group Bank AG (EBS, 74,8 Lei) zog wie auch in der Vorwoche weiter an (+5,42 Prozent) und somit auch den ROTX-Index mit sich (plus 2,02 Prozent auf Wochensicht), in dem sie mit einer Gewichtung von 18,18 Prozent die drittwichtigsten Aktien sind. In der vergangenen Woche bestätigten weitere Analysten die Kaufempfehlung für EBS-Aktien, trotz erwarteten leichten Gewinnrückgangs im ersten Quartal. Allerdings konnte der ROTX-Index die 10.000-Punkte-Marke nicht halten.
Während die Aktien des Bauunternehmens Impact (Details s. weiter unten) von der Entmachtung des Firmengründers profitierten, konnte die Banca Comercială Carpatica (BCC, 0,0594 Lei) eine einschlagende Nachricht noch nicht positiv verarbeiten. Der Gründer, Ilie Carabulea, wurde wegen Bestechung zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt. Er zog sich aus dem Vorstand der Bank daraufhin zurück. Außerdem hat die Bank für das erste Quartal 2012 einen Reingewinn von 8,5 Millionen Lei gemeldet, zum ersten Mal in drei Jahren. Dennoch konnten BCC-Aktien auf Wochensicht nur um 3,3 Prozent steigen.

Ausblick

Kurzfristig wird durchaus interessant sein, wie der Aktienmarkt den Regierungswechsel aufnimmt. Der Devisenmarkt zeigte bereits erste Reaktionen (s. weiter unten). Ebenfalls interessant wird sein, ob der durch ein gerichtliches Urteil bedingte Rücktritt des Gründers der Banca Comercială Carpatica die Aktien der Bank beeinflusst. Mittelfristig wird sich zeigen, ob die Verkauf von 20 Prozent an der Fluggesellschaft Tarom ähnlich erfolgreich erfolgen wird, wie der Verkauf von 15 Prozent am Netzbetreiber Transelectrica. Der Verkaufspreis sollte im Mai festgelegt werden.

Aktie der Woche

Das Bauunternehmen Impact Developer & Contractor SA (IMP, 0,2012 Lei) profitierte von der Abwahl des Gründers und langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dan Ioan Popp. Er bleibt dem Unternehmen, das er 1994 gründete, als Vorstandsmitglied erhalten. Er brachte das Unternehmen 1996 an die Börse und finanzierte so das Wachstum auf einen Börsenwert von 270 Millionen Euro 2007. Dann begann er seine Anteile an Impact zu veräußern, sodass er heute nur noch 16,5 Prozent am Unternehmen hält. Dabei ist er immer noch Hauptaktionär. Das Unternehmen ist an der Börse heute nur noch 8 Millionen Euro wert, die Aktiva belaufen sich auf 91 Millionen Euro, der Schuldenstand lag zum 31.12.2011 bei 24 Millionen Euro. Man habe „im Interesse der signifikanten Aktionäre“ gehandelt, hieß es seitens des Unternehmens. Seit 2009 macht das Unternehmen keinen Gewinn mehr, der Umsatz fiel auf etwa 14 Prozent des Umsatzes aus dem Boomjahr 2008. Den Vorstandsvorsitz übernimmt mit dem Griechen Dimitris Sophocleous jemand, der „neuen Atem internationaler Inspiration“ ins Unternehmen bringen soll, wie es seitens des Unternehmens hieß. Die Aktien legten auf Wochensicht 13,99 Prozent zu.

Rasdaq

Der Handel am Sekundärmarkt ebbte in der vergangenen Handelswoche ab. Wurden in der Woche zuvor im Durchschnitt noch 0,22 Millionen Euro pro Tag am Rasdaq-Markt umgesetzt, so waren es in der vergangenen Woche nur noch 0,16 Millionen Euro. Der rege Handel am vergangenen Dienstag (0,55 Millionen Euro Tagesumsatz) konnte die Statistik auch nicht verbessern. Ein Sonderdeal mit den Aktien des Kaufhausbetreibers Unirea Shopping Center (CSDM, 85 Lei), bei dem 20.200 Aktien den Besitzer wechselten, deckte 70 Prozent des Tagesumsatzes. Der Hauptindex Rasdaq-C fiel in der vergangenen Woche um 2 Prozent auf 1536,31 Punkte.

Devisen

Der politische Wechsel traf die rumänische Währung am zwischenbanklichen Markt wohl sehr hart. Der Euro kletterte zeitweilig auf über 4,4 Lei, angeblich intervenierte die Notenbank BNR massiv, um den Leu zu stützen. Im amtlichen Wechselkurs war vorerst nichts davon zu sehen, am vorigen Montag kostete ein Euro mit 4,3747 Lei nur knapp mehr als eine Woche zuvor. Viel besser entwickelte sich der Leu hingegen zum US-Dollar. Dieser verlor zum Leu auf Wochensicht ganze 0,4 Prozent und schloss die Handelswoche nahe der 3,3-Lei-Grenze bei 3,3074 Lei.


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